Mittwoch, 22. Juni 2016

Filmkritik: Under the Greenwood Tree (2005)


Im Jahr 2005 wurde Thomas Hardys Frühwerk „Under the Greenwood Tree“ vom Regisseur Nick Laughland in einer BBC-Produktion filmisch umgesetzt, nicht wie meist üblich als Miniserie, sondern als 90minütiger Spielfilm. Keeley Hawes (Fancy Day), James Murray (Dick Dewy), Steve Pemberton (Mr. Shinar) und Ben Miles (Reverend Maybold) übernahmen die Hauptrollen. Erzählt wird darin die Geschichte der Fancy Day, die wieder in das kleine Städtchen Mellstock zurückkehrt, in dessen Umgebung sie aufgewachsen ist, um an der dortigen Schule zu unterrichten. Nach und nach verlieben sich drei ganz unterschiedliche Männer in Fancy: der arme Kirchenmusiker Dick Dewy, der reiche Farmer Shinar und auch der neue Reverend Maybold, der mit seinen Modernisierungsplänen für die Kirche sehr beim Kirchenchor aneckt. Doch für wen wird Fancy sich entscheiden?

Ich habe erst vor kurzem die Buchvorlage zu dieser Verfilmung gelesen, was sich im Nachhinein als eher ungünstig herausstellte, da der Film leider mit ihr kaum noch etwas gemeinsam hat und mir so die schwachen Veränderungen im Vergleich zum Roman extrem auffielen. An den groben Handlungsrahmen wurde sich noch in etwa gehalten, ansonsten verlief insbesondere die gesamte Liebesgeschichte ganz anders als im Buch und leider nicht auf eine erfrischende, spannende Art und Weise, sondern sie wurde im Film viel simpler und seichter. Auf einzelne Änderungen im Vergleich zur Buchvorlage einzugehen, ergibt hier auch wenig Sinn bzw. würde komplette Seiten füllen, daher nur so viel: die Grundthematik des Buches, Liebe vs. gesellschaftliche Erwartungen, wird im Film schon dargestellt. Fancy fühlt sich eigentlich zu Dick hingezogen, kämpft aber auch damit, unter ihrem Stand zu heiraten, da auch ihr Vater sie zu einer Heirat mit Shinar drängt. Anders als im Buch ist sie länger unentschlossen bzw. nimmt lange keinen der drei Heiratsanträge an. Dadurch wirkt sie aber auch deutlich uneitler als im Roman, was eine große Verbesserung im Vergleich zum Buch darstellt, in dem sie bis zum Ende immer wieder auf Bestätigung und Aufmerksamkeit seitens der drei Männer aus war. Ebenso wirkt Dick durch diese Handlungsabweichung deutlich selbstbewusster als in der Buchvorlage, er gibt Fancy Kontra und lässt sich nicht alles von ihr gefallen. Die Hauptfiguren werden einem somit in der Verfilmung sympathischer als im Buch, was leider die einzige Verbesserung im Vergleich zur Buchvorlage darstellt. Die Handlung wird einfach auf eine simple, schon in tausenden von Filmen dargestellten Liebesgeschichte reduziert, die eben ganz klassisch im Kontrast zur gesellschaftlichen Norm steht und bei der einer der Partner eben sein Standesdenken erst überwinden muss, um mit dem anderen zusammen sein zu können. Ebenso wird der Konflikt zwischen Maybold und den Kirchenmusikern auch nur am Rande behandelt, der dem Buch noch seinen ländlichen Charme gab.
In Bezug auf die Handlung konnte mich diese Verfilmung somit leider nicht begeistern, wenn auch durch die vorgenommenen Änderungen die Hauptfiguren sympathischer wurden. Was die Ausgestaltung des Films angeht, kann man aber zumindest kaum etwas bemängeln. Durch die gelungenen Kostüme und die passend gewählten Kulissen fühlte man sich wirklich in eine Kleinstadt im England des 19. Jahrhunderts zurückversetzt und fühlte sich auch ein wenig an die Atmosphäre des Buches erinnert. Vermutlich in Anlehnung an den Titel des Werkes wurde immer wieder zwischen einzelnen Szenen ein großer Baum gezeigt, der oft auch zur Darstellung des Jahreszeitenwechsels genutzt wurde, wie man es etwa aus den Harry Potter-Filmen kennt. Diese Idee gefiel mir eigentlich sehr, doch an der Umsetzung haperte es dann ein wenig. Die Schnitte hin zum Baum geschahen oftmals sehr plötzlich und ruckartig und störten eher den Erzählfluss des Filmes hin und wieder. Solche Stilmittel sollten dann schon passend eingesetzt werden und nicht nur, damit man eben auch einmal etwas Anderes zeigt als die Szenen, die die Handlung vorantreiben.

Fazit

Dies ist wirklich die erste BBC-Verfilmung, von der ich enttäuscht bin. Meist sind deren Literaturverfilmungen immer sehr gelungen. Doch hier wurde sich zu sehr von der Buchvorlage entfernt, so dass man dem Charakter des Romans nicht mehr gerecht wird. Die wesentlichen Handlungsstränge sind zwar im Film noch einigermaßen vorhanden, doch alles Tiefergehende wurde im Grunde genommen weggelassen, so dass ein typischer, seichter Liebesfilm, der im 19. Jahrhundert angesiedelt ist, entstanden ist. Auch die Schauspieler, die alle passabel agieren, können dies nicht mehr retten. Man guckt sich den Film eben an und ist auch nicht gelangweilt dabei, doch danach verschwendet man keinen Gedanken mehr daran und hat auch keinesfalls das Bedürfnis, ihn irgendwann noch einmal zu sehen. Schade!

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