Dienstag, 17. Mai 2016

Rezension: Omi (Stephen King)

Heyne
eBook, 0,99 €
ISBN: 978-3-641-19340-9


Ein kurzer Einblick

Georges großer Bruder ist im Krankenhaus. Während Mutter ihn besucht, soll er auf seine übergewichtige, blinde Großmutter aufpassen. Seine stete Furcht aus Kindheitstagen vor der Frau versucht er zu verstecken, doch letztendlich holt ihn die Angst ein. Nicht unbegründet, denn als Omi stirbt, erhebt sich das Grauen.

Bewertung
»Im fiel einer der ‚schlimmen Anfälle‘ ein, als Omi geschrien hatte wie eine Fremdsprache - Gyaagin! Gyaagin! Hastur degryon Yos-soth-oth! - und Mama Buddy und ihn hinausgeschickt und Buddy angebrüllt hatte (...)
Omi ist das fettleibige, blinde, bettlägerige und krächzende Schreckgespenst der Familie. Schwabbelig, unerträglich ... Den Kindern jagt sie tierische Angst. Wenn Omi George umarmen will, schlottert dieser vor Bammel. Ausgerechnet mit ihr muss George allein Zuhause bleiben. Mutter besucht Buddy im Krankenhaus. Omi liegt ruhig, schlafend in ihrem Bett. George hingegen malt sich die schrecklichsten Dinge aus, bereitet alles vor, falls Omi aufwachen sollte. Er stellt Kräutertee bereit, informiert sich über die Zubereitung von Omis Mahlzeit und betet, dass Omi nicht aufwacht.
»Omi« ist böse, subtil und sehr, sehr gruselig. Dabei passiert anfänglich gar nichts. Ein blutiger Schocker bleibt kingtypisch aus, stattdessen regiert die Normalität. Gerade diese schürt die Angst, verbreitet Panik. Jeden Moment könnte etwas passieren. Die Erinnerungen an vergängliche Ereignisse mit Omi treibt die Spannung auf die Spitze. Als endlich etwas geschieht, ist es fast banal - aber schockierend grausig! Das Finale lässt einen kalten Schauder über den Rücken laufen. »Omi« ist bitterböse.

»Omi« wurde für die Serie »Twilight Zone« unter dem Titel »Tee für Omi« verfilmt. Eine zweite Verfilmung wurde 2013 mit dem Titel »Mercy. Der Teufel kennt keine Gnade« umgesetzt. Im Heyne Verlag erschien die Kurzgeschichte als eBook only in der Aktionsreihe »Montag ist KINGtag«. Entnommen wurde die Story der Sammlung »Blut. Sceleton Crew«.

Fazit

»Omi« ist eine bitterböse Shortstory, die auf Subtilität und die Erwartungshaltung des Lesers setzt. Grusel funktioniert am besten, wenn dieser unterschwellig ist und das Finale kurzweilig, aber schockierend über den Leser hereinbricht.

5 von 5 Punkten

Wir danken Heyne für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

1 Kommentar:

  1. Das klingt spannend. Ich habe aus der Reihe jetzt "Autopsieraum Vier" gelesen. Auch unblutig, aber gruselig, siehe: http://popshot.over-blog.de/2016/06/stephen-king-autopsieraum-vier-ebook-no-26-der-story-selection.html

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