Sonntag, 15. Mai 2016

Rezension: Luna Park 2. Jahrmarkt der Gier

CreateSpace Independent Publishing Platform
Taschenbuch, 424 Seiten
ISBN: 978-1530889600
12,83 €

eBook, 0,99 €

ISBN: 153088960X

Ein kurzer Einblick

Die Freunde Dugo, Brauni, Camel und Zaza wollen nur einen ganz normalen Tag auf dem Rummel verbringen. Doch nach einer Geisterbahnfahrt befinden sie sich nicht mehr in Berlin, sondern im »Luna Park«. Sie erhalten Jobs und eine Aufgabe: Um den Park verlassen zu dürfen, muss jeder eine Million Euro verdienen. Alle im Park sind nur auf Profit aus. Geldgier treibt das System an. Wer sich nicht durchsetzt, landet in der Gosse. Brauni verkauft faule Hypothenpapiere. Camel zieht den Armen an Spielautomaten das Geld aus der Hosentasche. Zaza soll ein System unterstützen, dass die Armen ärmer und die Reichen reicher macht.

Bewertung

»Luna Park 2. Jahrmarkt der Gier« ist ein All-Age Roman, der Fantasy mit Menschlichkeit und einem Spiegel unseres Wirtschaftssystem vermischt. Der Roman richtet sich dabei keineswegs an Erwachsene und langweilt mit Business, Politik und Wirtschaft, sondern verpackt die Kritik in einer spannenden Erzählung. Es ist fraglich, ob elfjährige die Zusammenhänge bereits verstehen, wissen, was Hypethekenpapiere und Kreditverschuldungen sind - doch: Olivia Monti bereitet die Thematik so auf, dass zumindest ein Fantasyroman bleibt. Erwachsene dürfen sich dann an den aufgegriffenen Themen wie Finanzkrise oder sozialen Klassenunterschieden erfreuen. Desweiteren werden aber auch Themen wie Freundschaft, Menschlichkeit und Liebe angesprochen. Gerade Liebe bildet einen wesentlichen Grundstein des Romans. »Jahrmarkt der Gier« ist nicht nur ein Abklatsch unserer Welt in fantastische Gefilde, sondern ein kleiner Augenöffner für unsere Herzen. In der Arbeitswelt ist Freundschaft schnell vergessen, wenn es um Profit geht.
Damit müssen sich die vier Freunde Brauni, Camel, Zaza und Dugo auseinandersetzen. Ist es ein Erfolg eine Million Euro zu verdienen oder eine Freundschaft zu pflegen und bescheidener zu Leben? Den Kindern wird die Verantwortung Erwachsener aufgebürdet. Sie müssen erfahren, was es heißt, im Wirtschaftssystem zu überleben und (menschlich) zu leben. Sorgen und Verpflichtungen machen ihnen das Leben schwer. Das Leben ist keine Spielwiese voller Vergnügungen, sondern bitterer Ernst. In dieser Ernsthaftigkeit lässt sich jedoch stets der glühende Funken wahrer Zusammengehörigkeit entdecken. Und so müssen sie sich immer wieder Fragen: Wann ist es besser die Regeln des Systems zu befolgen und wann sinnvoll sie zu strapazieren, zu biegen und Liebe gegenüber den Mitmenschen zu zeigen. Entscheidungen haben Konsequenzen. Nichts ist nur gut, genauso wie nichts nur schlecht ist. Die Welt besteht aus Farbschattierungen jeder couleur und ein jeder muss urteilen, was das Beste ist.

So hervorragend die Thematik auch aufbereitet wurde, so sehr die Themen angenehm in den Plot verflochten wurden, so sympathisch und glaubwürdig die Charaktere beschrieben werden, gibt es doch zwei Punkte, die angesprochen werden müssen, die das Lesen anstrengend machen. Dass der Anfang ein wenig zäh in die Story geleitet, ist leicht zu verzeihen, denn spätestens nach dem ersten Drittel nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf. Die Dialoge lesen sich flüssig, die Geschichte fesselt, die Charakte wachsen einem ans Herz und doch gibt es immer wieder die Stellen, an denen ich den Roman zur Seite legte. Normalerweise sollte das mit Bedauern passieren, möchte man doch wissen wie es weitergeht. Das wollte ich, doch für den Moment war ich zufrieden eine Pause einlegen zu können. Es fehlt das gewisse Etwas, um zwingend weiterlesen zu wollen, nur noch ein weiteres Kapitel aufzuschlagen, der Funken, der wirklich zu begeistern vermag.
Zum anderen ist da die Erzählperspektive. Diese wird aus Dugos Sicht vor dem Leser ausgebreitet. Er gibt sie wieder. Lebendig breitet sich das Geschehen aus. Da erzählt er beispielsweise von Zazas Begegnung mit dem König des Luna Parks. Ich finde mich in die Szene ein, bin quasi förmlich vor Ort, um plötzlich herausgerissen zu werden, in die Vogelperspektive zu wechseln und Dugos Beschreibungen zu lauschen. Dieser Wechsel zwischen Erleben und Beschreibung reißt aus dem Geschehen heraus.

Fazit

»Jahrmarkt der Gier« könnte ein fantastischer Roman sein, wären da nicht die beiden großen Schwächen des Wechsels zwischen Erleben und Beschreiben, sowie dem fehlenden Etwas, sodass die Erzählstruktur den Leser in das nächste Kapitel zwingt. Die Charakterisierung, die Faszination Luna Park, die Aufbereitung realer Thematiken ohne zwanghaft integriert zu sein, vermögen zu begeistern. Es bleibt ein ambivalenter Roman, den ich jedoch wegen der fantasievollen Story weiterempfehlen möchte.

3,5 von 5 Punkten

Wir danken Olivia Monti für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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