Freitag, 27. Mai 2016

Rezension: Fair einkaufen - aber wie? (Martina Hahn, Frank Herrmann)

Brandes & Apsel
Taschenbuch, 388 Seiten
ISBN: 9783860996102
29,90 €

Ein kurzer Einblick

Fairer Konsum weitet sich bei uns in den letzten Jahren immer mehr aus. Die Verbraucher informieren sich mehr, wo man fair gehandelte Lebensmittel kaufen kann, in welchen Geschäften Klamotten hängen, an deren Herstellung keine Kinder mitgearbeitet haben, welche Reise sie buchen können, bei der dann auch das Zimmermädchen einen fairen Lohn erhält, oder welche Investmentfonds tatsächlich nachhaltig angelegt sind. Für solche Verbraucher und all diejenigen, die mit fairem Konsum beginnen möchten, ist dieser Ratgeber gedacht. Er gibt sehr ausführliche und nützliche Hintergrundinformationen über Fairen Handel, Mode, Reisen, Elektronik und Geldanlagen und bietet unzählige Einkaufstipps und Literaturempfehlungen für einen bewussteren Konsum.

Bewertung

Wer regelmäßig auf unserer Seite ist, hat sicherlich bereits mitbekommen, dass ich mich im letzten Jahr verstärkt mit Bioernährung und unserem gegenwärtigen weltweiten Wirtschaften beschäftigt habe. Mein Fokus lag dabei vor allem auf dem Bereich Ernährung und dabei eben auf Bio, weniger auf Fair Trade. Dies wollte ich nun einerseits um andere Bereiche wie Kleidung erweitern und mich andererseits auch mit Fairem Handel eingehender beschäftigen, also grob gesagt, ob die Menschen in Südamerika, Afrika oder Asien, die etwa unser Essen ernten oder unsere Kleidung zusammennähen, auch mit ihrer Arbeit so viel verdienen, dass sie davon leben können, sprich für ihre Arbeit angemessen entlohnt und dabei fair behandelt werden. Da kam mir die 5. aktualisierte und erweiterte Auflage dieses Ratgebers gerade recht, die letzten Herbst erschienen ist. Diese widmet sich nacheinander den oben erwähnten Bereichen Handel, Mode, Tourismus, Elektronik und Geldanlagen. Der erste Bereich ist dabei der weitaus umfangreichste, der erst einmal genauer erläutert, was Fairer Handel überhaupt ist, verschiedene Organisationen und Siegel vorstellt, genauer erklärt, wie der Faire Handel kontrolliert wird und wo man in Deutschland, Österreich und der Schweiz faire Produkte kaufen kann, auf die Verbindung zu Bio und Regional eingeht und noch ein paar wichtige Begriffe wie Mengenausgleich erklärt. Im zweiten Teil zum Fairen Handel werden einzelne Produkte (meist Nahrung) von A bis Z genauer vorgestellt, wie Bananen, Blumen, Fisch, Holz und Möbel, Kaffee, Kakao und Schokolade, Kosmetik, Nüsse, Palmöl, Reis, Soja, Tabak, Tee, Zucker, und hilfreiche Tipps gegeben, wie man diese fair gehandelt erwerben kann. Es folgt der Abschnitt über faire Kleidung, der zuerst die gängigen Zustände in den sogenannten Sweatshops vor allem in Asien anprangert, um dann auf erste Schritte Richtung faire Kleidung einzugehen, wobei das Fazit eher bescheiden ausfällt und aufzeigt, wie viel in diesem Bereich noch getan werden muss. Der vierte Teil zum Tourismus war für mich sehr aufschlussreich, da ich mich damit bisher kaum beschäftigt habe, und zeigte einem mal wieder, wie sehr in all unseren Lebenslagen Ausbeutung statt findet. Die letzten beiden Teile zur Elektronik und zu Geldanlagen waren für mich nicht so interessant, da mich diese Themen kaum betreffen, aber auch hier kann man zahlreiche Tipps für einen bewussteren Konsum finden, wenn man denn viele elektronische Geräte erwirbt oder sich mit Geldanlagen beschäftigt. Untermauert wurden viele Aussagen auch noch mit einigen Interviews mit Experten, die ich als besonders aufschlussreich empfand.
Hahn und Herrmann ist somit ein sehr informativer Ratgeber gelungen, der zahlreiche Tipps für fairen Konsum in nahezu allen Bereichen bietet. Nur als Randnotiz: wer mehr über den Bereich Bio erfahren möchte, findet in diesem Werk noch wenige Angaben. Ihm geht es um Fair Trade, der Bereich Bio wird nur hin und wieder angesprochen, wenn sich beide überschneiden, da auch immer mehr Produkte sowohl Bio- als auch Fairtradesiegel aufweisen. Durch die unzähligen Informationen war es jedoch nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Es werden so viele Bereiche angesprochen, man lernt so viel über Missstände beim Anbau von verschiedenen Produkten, über die auch ich mir, obwohl ich mich zur Zeit sehr häufig damit beschäftige, noch keine Gedanken gemacht habe, wie z. B. Nüsse oder Polstermöbel. Man wird beinahe erschlagen von all der Ausbeutung, die in beinahe jedem Produkt steckt, das wir konsumieren, und fragt sich, wie man jemals einen angemessenen Überblick über all die Siegel, die einen oftmals schlichtweg in die Irre führen, und all die Aspekte, die man beim Kauf am besten beachten sollte, bekommen soll. Ich habe das Buch allerdings auch in einem Rutsch gelesen, was ich nicht unbedingt empfehlen würde. Vielleicht reicht zunächst der erste, allgemeinere Teil und alles andere kann man auch konkret dann lesen, wenn eine neue Anschaffung ansteht oder der nächste Urlaub geplant wird.
Was mir aber noch sehr positiv gefallen hat, war die selbstkritische Herangehensweise des Buches, das auch betont, wo bisher der Faire Handel zu kurz kommt, wo es noch Schwierigkeiten gibt, wo noch einiges verbessert werden kann. Es kam sehr ehrlich daher und scheute auch nicht das Ansprechen von negativen Aspekten. Außerdem gibt es einen sehr ausführlichen Infoteil am Ende des Buches, der zahlreiche Bücher und Webadressen auflistet für diejenigen, die sich weiter mit Fairem Handel beschäftigen möchten. Zudem gibt es einen Blog zum Buch (http://faireinkaufenaberwie.blogspot.de/), der aktuelle Informationen zum Fairen Konsum bietet, was angesichts der aktuellen Schnelllebigkeit, auch im Bereich Fair Trade, sehr hilfreich ist.

Fazit

Ich kann dieses Buch jedem wirklich nur wärmstens ans Herz legen. Wer bewusster konsumieren möchte und auch über die Auswirkungen unseres Kaufverhaltens für all die Menschen, die an der Herstellung unserer Produkte beteiligt sind, nachdenkt, kann mit diesem umfangreichen Ratgeber nichts falsch machen. Mir persönlich wäre ja ein Buch, das sowohl die Bereiche Bio, wie auch Fair Trade behandelt, lieber gewesen, doch für fairen Konsum wird man hier bestens informiert.

4 von 5 Punkten

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