Mittwoch, 4. Mai 2016

Rezension: Die letzten und die ersten Menschen (Olaf Stapledon)

Piper
Hardcover, 464 Seiten
ISBN: 978-3-492-70362-8
25,00 €

eBook, 18,99 €
ISBN: 978-3-492-97178-2

Ein kurzer Einblick

Olaf Stapledons »Die letzten und die ersten Menschen« gilt als ein visionärer Science-Fiction-Klassiker. Das Zukunftsepos entwirft eine zweimilliardenjährige Geschichte der Menschheit. Von der Gegenwart bis zum Sterben der letzten Galaxie. Ein faszinierender Roman, ein visionäres Epos: Wie entwickelt sich die Menschheit? Wie wird die Rasse des Menschen untergehen?


Bewertung
»Groß sind die Sterne, und der Mensch bedeutet ihnen nichts. Dennoch ist der Mensch ein edles Wesen (...).« Seite 452
Muss man über einen großartigen Roman viele Worte verlieren, um ihn zu empfehlen? Ich mache es kurz, knapp und präzise - so wie der Roman unsere Geschichte wiedergibt. »Die letzten und die ersten Menschen« erzählt die zweimilliardenjährige Geschichte der Menschheit aus dem Blickwinkel der letzten menschliche Rasse, dem 18. Menschen. Die Erzählung beginnt etwa 1930, dem Jahr als Olaf Stapledons Klassiker der Science-Fiction erstmalig erschien. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass der Autor viele Sichtweisen und Eindrücke seiner Zeit in den Roman einfließen ließ. Dies gilt vor allem bis zum Niedergang des ersten Menschen. Fortan entwickelt sich der Mensch zunehmend utopischer und fremdartiger. Philosophie, Mystik, Religion und Aberglauben, soziokulturelle Betrachtungen, Weltstaaten und -kriege - alles ist drin und in einem ewigen Wechsel gefangen.
Doch bleiben wir zunächst in den Anfängen. Die Welt ist zerfurcht von Staaten, die sich gegenseitig bekriegen. Frankreich gegen England, Deutschland gegen Russland, Amerika gegen Europa, ein Kampf der erst gewonnen ist, als sich der erste Weltstaat erhebt. Was hier in einem Satz zusammengefasst ist, analysiert der Autor sehr detailiert. Er geht auf politische Verhältnisse ein, vergleicht die Kulturen und die Menschen und geht auf die Ökonomien ein. Während Kriege die Menschheit zerbrechen und die Erde verwüsten, ist der Frieden oder der fast totale Untergang niemals weit. Aus der Asche erhebt sich immer wieder der Mensch. Die Geschehnisse umfassen meist nur wenige Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Doch je weiter sich der Mensch entwickelt, umso schneller eilt die Entwicklung voran. Jahrtausende vergehen, bevor Stapledon innehält und auf die nächste menschliche Kultur eingeht. Immer größer werden die Zeitsprünge, immer gröber umrissen die Kultur des Menschen. Der Kreislauf aus Aufstieg und Niedergang ist unaufhaltsam.
Als der Autor beginnt die Staaten hinter sich zu lassen und nur noch von der menschlichen Rasse spricht, verlassen wir auch das Feld aus Politik und Ökonomie. Stattdessen gewinnen Religionen und Mythen der Vergangenheit an Bedeutung. Die Werte des jeweiligen Menschen werden verallgemeinernd in  den Vordergrund gerückt, denn der Mensch als Individuum hat immer mehr ausgedient, nur die Gemeinschaft zählt. Dabei befindet sich der Mensch mal in einem barbarischen Stadium, bevor  Vernunft und Verstand erneut entdeckt werden, mal in einem Stadium der Modernität wie wir es kennen. Nicht immer ist die menschliche Spezies reich an Luxus, doch immer reich am Willen die Rasse fortbestehen zu lassen. Die Kenntniss um Genmanipulation veranlasst neue, vermeindlich bessere Menschen, zu erfinden. Doch stehts ist der Untergang nicht weit. Und trotz all der Tragödien können wir positiv auf unser Volk zurückblicken.

»Die letzten und die ersten Menschen« schafft einen gewaltigen Spagat in gleich mehrfacher Hinsicht. Da hätten wir den unglaublich gigantischen Zeitraum von zwei Milliarden Jahren. Da gibt es aber auch noch die Visionen und die Fantasie Olaf Stapledons. Ein Verständnis von evolutionären Vorgängen vereint sich mit Fantasie, die tatsächlich so existieren kann oder wird. Die menschlichen Rassen beruhen stets auf glaubwürdigen Weiterentwicklungen, die sich sowohl aus der Mentalität des Menschen als auch der Umwelt speist. Zuletzt gibt es da noch den beeindruckendsten Spagat: Das vorliegende Buch ist weder Roman noch wissenschaftlicher Aufsatz. Weder ist das Buch leicht zu lesen, noch schwer verdaulich. Ja, der Leser muss sich mit den Vorgängen beschäftigen, aber nicht so sehr, dass das Lesen zur Qual wird. Ja, das Buch liest sich trocken, aber durch die hervorragende Aufbereitung der menschlichen Entwicklung wiederum faszinierend.

Fazit

»Die letzten und die ersten Menschen« ist kein Roman für jedermann. Und doch sollte zumindest ein jeder einen Blick riskieren, denn der Roman ist visionär, unterhaltsam, aufregend, abschreckend, schwer verdaulich, faszinierend, beeindruckend ... Nicht umsonst gilt »Die letzten und die ersten Menschen« als Klassiker der Science-Fiction.

4,5 von 5 Punkten

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