Sonntag, 17. April 2016

Rezension: Der Dunkle Turm VII. Der Turm (Stephen King)

Heyne
Taschenbuch, 1024 Seiten
ISBN: 978-3-453-43161-4
11,99 €

eBook, 9,99 €
ISBN: 978-3-89480-395-7


Ein kurzer Einblick

Roland Deschain aus Gilead aus der Linie des Eld ist der letzte Revolvermann von Mittwelt. Endlich vor dem Turm angekommen, endet seine langjährige Reise. Hier in der Mitte aller Welten, ruht das Fundament des Turms auf den Balken. Oben auf einem zahlreichen Balkone, residiert der Scharlachrote König. Er ist das allerletzte Hindernis, bevor Roland den Turm erklimmen kann. Unterdessen singen die Rosen des Can‘-Ka No Rey ihr ewiges Lied.

Bewertung

Stephen Kings Epos »Der dunkle Turm« ist ein Epos in zweifacher Hinsicht: Zum einen wäre da natürlich die Reise Roland Deschains, zum anderen die Reise des Lesers, meine Reise. Mehrere Jahre habe ich an dieser Romanreihe gelesen und nun ist das Finale gekommen. Ich habe mich teils gefürchtet zum nächsten Band zu greifen, aus Angst, dass die Geschichte Rolands enden muss, aus Furcht, dass die Erwartungshaltung an die Story enttäuscht, aus Scheu, dass die Langatmigkeit mancher Erzählpassagen überhand nimmt. Alles ist passiert und doch war es das Abenteuer wert. Sowohl glücklich als auch traurig blätterte ich die letzte Seite um. Roland begleitete mich einen Großteil meines Lebens. Dafür möchte ich ihm und Stephen King danken. Das Abenteuer war außerordentlich. Ich durfte um Charaktere trauern. Ich durfte faszinierende Welten entdecken. Ich durfte das großartigste Ka-Tet auf einer gefahrvollen Reise begleiten und letztendlich selbst den Turm erblicken.
Was würdet wohl ihr an der Spitze des Turmes erblicken? Was würde euch erwarten? Der sagenumwobene Dunkle Turm ist nicht nur ein Bauwerk, das in den Himmel ragt, das von den Balken getragen wird und niemals einstürzen darf, sondern ein Bau der Phantasie, des Lebens. Aufgeladen von Zuversichtlichkeit, Gefühlen und tausender Bedeutungen, all jener Bedeutungen der Leser und Stephen Kings. Wäre der Turm gefallen, hätte auch King als Schriftsteller aufgegeben? Das werden wir wohl niemals erfahren, sofern uns das Balkenbeben aus einer fremden Dimension nicht erreicht. Hoffen wir, dass es niemals soweit kommen muss, dass der Turm ewig stehen wird und die Rosen ihr Lied singen für all jene, die zuhören wollen.

Die Reise von Roland, Jake, Eddie, Susannah, Oy und Callahan war eine gefahrvolle. Gefährten und Freunde sind gestorben. Monster, Magie und Relikte uralter Technik stellten sich den Weggefährten, nichts konnte sie aufhalten. Weder Mittwelt, noch Endwelt, weder die Fundamentale Welt, noch einer der vielen Realitäten ihrer Abbilder beendete die Reise. Sie gerieten ins Straucheln, sie zweifelten an ihrem Erfolg - doch zum Schluss steht Roland vor dem Dunklen Turm. Für die einen mag das Ende phantasielos erscheinen, zu lange hinausgezögert, zu sehr mit Erwartung aufgeladen worden sein, doch es ist das richtige Ende wie auch Stephen King im Nachwort schreibt. Ein so riesiges Epos darf kein Happy End, kein Und-sie-lebten-glücklich-bis-zum-Ende, kein Trauerspiel, kein offenes Ende, kein Desaster haben und sein. Es muss von alledem etwas besitzen, die Geschichte abrunden. Das Rad dreht sich ewiglich fort. Der Turm mag fallen, die Balken mögen brechen, doch das Rad dreht sich und wird sich weiterhin drehen. Die Zukunft kann niemand aufhalten, auch kein Revolvermann.
»Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolverheld folgte ihm.«
Dieses Zitat wird mir für immer im Gedächtnis bleiben. Danke Sai King, danke Roland, möge sich das Rad auch für euch immer weiterdrehen.

Fazit

Stephen King hat mit »Der Dunkle Turm« ein Epos hinterlassen wie man es nur einmal schreiben kann. Nicht jeder Roman war großartig, jeder Roman hatte seine Höhen und Tiefen. Es war das unglaublichste Abenteuer, das ich jemals erleben durfte. »Der Turm« gipfelt in einem Ende, das jeder Leser für sich selbst interpretieren muss und entscheiden soll, ob es zufriedenstellen ist. Die Reise dorthin aber soll jeder machen. Pilgert zum Dunklen Turm, liebe Leser.

4,5 von 5 Punkten

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