Sonntag, 10. April 2016

Rezension: Bis ans Ende aller Tage (Jodi Picoult)

Piper Verlag
Taschenbuch, 640 Seiten
ISBN: 978-3-492-24830-3
10,99 €

Ein kurzer Einblick

Kurz vor der Geburt ihrer Kinder lernen sich die Golds und die Hartes kennen, als die Golds ins Haus nebenan ziehen. Seitdem verbindet beide Familien eine enge Freundschaft, ihre fast gleichaltrigen Kinder Chris und Emily wachsen beinahe wie Geschwister auf und sind bereits früh unzertrennlich. Als sich aus dieser innigen Freundschaft während ihrer Pubertät eine Liebesbeziehung entwickelt, ist niemand überrascht, für die Eltern war diese Entwicklung schon lange vorhersehbar. Alle beneiden Chris und Emily für ihre innige und glückliche Beziehung, doch ist alles so rosig, wie es scheint? Warum werden die Eltern plötzlich eines Abends ins Krankenhaus gerufen und müssen sich mit dem versuchten Doppelselbstmord ihrer Kinder auseinandersetzen?

Bewertung

Ich habe nun bereits einige Werke von Jodi Picoult gelesen, die sich immer super dafür eignen, mal zwischendurch an einem verregneten Wochenende in einer spannenden und rührenden Geschichte zu versinken. Dies gelingt ihr auch wieder sehr gut mit „Bis ans Ende aller Tage“, das bereits im Jahr 1998 in der amerikanischen Originalausgabe erschienen ist. So spielt auch die Haupthandlung bereits im Jahr 1997, die durchgehend von Rückblenden in die Kindheit und frühe Jugend von Chris und Emily unterbrochen wird, die chronologisch verlaufen, so dass sich beide Handlungsstränge zeitlich sukzessive annähern. Erzählt wird die Geschichte meist aus der Sicht von Chris, doch einzelne Szenen erlebt man auch aus der Sicht von Emily, ihrer Eltern und Chris’ Eltern, so dass man die Auswirkungen, die die Tat der Jugendlichen auf ihre Familien und die Freundschaft ihrer Eltern zueinander hat, hautnah und aus verschiedenen Blickwinkeln miterleben kann. Picoult gelingt es sehr einfühlsam, gerade die Dynamiken, die sich in den Familien und zwischen ihnen entwickeln, herauszuarbeiten, und kann die Reaktionen der Eltern sehr realistisch schildern. Es ist schwer für mich, diesen Aspekt ausführlicher zu behandeln, da man dafür zu viel über die Handlung verraten müsste, insgesamt zeichnet die Autorin aber wirklich lebensnahe und realistische Figuren, in deren Gefühlswelt man abtauchen kann und mit denen man von der ersten bis zur letzten Seite mitfiebert und mitfühlt.
Dies führte auch mit dazu, dass sich der Roman überaus spannend liest, auch wenn er keinesfalls ein Krimi oder Thriller ist. Ich saß oftmals stundenlang wie gebannt vor dem Buch und musste immer weiterlesen, um mehr über das Schicksal der Figuren zu erfahren. Dies wurde auch dadurch gefördert, dass es immer wieder neue Wendungen gibt, auch wenn der Ausgang des Buches für mich sehr früh zu erkennen war. Dies tat dem Lesevergnügen aber keinerlei Abbruch, da man trotzdem erfahren möchte, wie es zu diesem Ende kam. Dieses weist dann aber doch ein paar Schwächen auf, es wirkte einerseits ziemlich konstruiert und unrealistisch und andererseits auch viel zu simple. Zudem störten mich die häufigen Wechsel von Chris’ Aussagen, was sich in der entscheidenden Nacht zwischen ihm und Emily zugetragen hat, seine Wankelmütigkeit war in einigen Punkten dann auch wirklich nicht glaubhaft. Somit wurden die Hinführung zum Ende und dieses selber dem ansonsten guten Roman nicht komplett gerecht.

Fazit

Insgesamt ist Jodi Picoult aber ein spannender, mitreißender Roman über die erste große Liebe, Kindheitstraumata und die Frage, wie gut Eltern wirklich wissen können, was in ihren Kindern vorgeht, gelungen, der von seinen lebensnahen Hauptfiguren und der überzeugenden Herausstellung der Familiendynamiken angesichts der Tragödie lebt. „Bis ans Ende aller Tage“ ist ein toller Schmöker für ein ruhiges Wochenende, an dem man es sich nur mit einem Buch gemütlich machen möchte.

4 von 5 Punkten

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