Freitag, 1. April 2016

Legimus trifft... die Leipziger Buchmesse

Liebe Leserinnen und Leser,

Sascha hatte euch ja bereits über die Leipziger Buchmesse informiert, die vom 17. bis 20. März gemeinsam mit dem Literaturfest „Leipzig liest“ statt gefunden hat. Ich konnte diesmal zum ersten Mal am Samstag und Sonntag mit dabei sein und mich bei vielen Verlagen über all die Neuheiten rund ums Buch informieren.
Als Information für diejenigen, die noch nicht bei der Messe dabei waren: Das Messegelände im Norden von Leipzig besteht aus fünf Hallen, die alle durch die Glashalle, die sich in der Mitte befindet und zum Beispiel das Blaue Sofa beherbergt, von wo aus das ZDF von der Messe sendet, verbunden sind. In Halle 1 findet die Manga-Comic-Con statt, neben den gängigen Mangaverlagen kann man hier auch alles rund um Mangakostüme finden, an verschiedenen Workshops teilnehmen oder es sich im Japanischen Teegarten gemütlich machen, wobei gemütlich machen eher relativ war, die gesamte Halle war total überlaufen, gefühlt jeder zweite Besucher kam in Kostümen seiner liebsten Manga-, Herr der Ringe- oder Star Wars-Figuren und hielt sich in Halle 1 auf. In Halle 2 waren dann hauptsächlich Kinder- und Jugendbuchverlage vertreten, die Hallen 3 und 4 waren vor allem den großen Belletristikverlagen gewidmet, beherbergten aber auch zum Beispiel den Bereich Fach-/Sachbuch, Reisebuch und die internationalen Verlage. In Halle 5 waren neben weiteren Belletristikverlagen auch viele unabhängige Verlage vertreten wie auch extra ein Bereich für Blogger.
Wir waren am Samstag direkt um 10 Uhr vor Ort, als die Messe öffnete, was sich als Glücksgriff entpuppte, da spätestens ab 12 Uhr alle Hallen beinahe komplett überlaufen waren und man sich keine Stände und keine Veranstaltung mehr in Ruhe ansehen konnte. So hatten wir zumindest noch Zeit, Halle 4 und 5 einigermaßen ungestört anschauen zu können, bevor der Besucherstrom auch diese Hallen erreichte. Leider waren zu dieser Zeit keine Autoren an den Verlagsständen, die wir hätten treffen können, bloß beim dtv-Stand konnten wir einen Blick auf Dora Heldt erhaschen, die von Menschen umringt Bücher signierte. Dafür schafften wir es zur Lesung von Kiera Brennan, die ihr neues Werk „Die Herren der grünen Insel“ in einem Gespräch mit einer Verlagsvertreterin vorstellte. Untermalt wurden ihre Ausführungen dabei von zahlreichen Bildern, die sie von ihren Recherchereisen in Irland mitgebracht hatte. Sie erzählte ein wenig von ihren Reisen, wie abgeschieden einige Gegenden beispielsweise waren, bevor sie näher auf ihr Buch zu sprechen kam, was anscheinend hin und wieder als „Game of Thrones“ im Irland des Hochmittelalters bezeichnet wird. Dieser Vergleich treffe zwar auf die Machtkämpfe zu, ihr Buch beinhalte aber keine Fantasyelemente, betonte Brennan hierzu. Außerdem hob sie hervor, dass es ihr wichtig sei, komplexe Charaktere in ihren Büchern zu schaffen und sich sehr eng an die historischen Tatsachen zu halten, soweit diese bekannt seien, was angesichts ihres Geschichtsstudiums nicht verwundert. Nachdem sie kurze Hinweise, was die Quellenlage zu der Zeit, in der sie ihren Roman ansiedelt, betrifft, gegeben hatte, las Brennan einen kurzen Abschnitt aus ihrem Buch vor und entpuppte sich dabei auch als sehr angenehme Vorleserin, wie auch ihr Vortrag generell sehr interessant und angenehm gestaltet war, da sie sehr sympathisch rüber kam und mit ihren Reiseanekdoten immer wieder für Lacher im Publikum sorgte. Am Ende konnten die Zuschauer dann noch Fragen stellen und sich ihre Bücher signieren lassen.
Wir versuchten uns in der Folge die Hallen 2 und 3 näher anzusehen, was sich angesichts der Menschenmassen leider als eher schwierig und anstrengend herausstellte. Etwas Platz und Zeit, sich einmal über die verschiedenen Neuerscheinungen der Verlage zu informieren und Bücher wirklich in die Hand zu nehmen oder ins Gespräch zu kommen, war kaum gegeben, im Grunde genommen fühlte man sich wie Vieh, das zum Schlachten getrieben wird, vor allem auch in Halle 1, die wir uns aus Neugierde auch ansehen wollten, aber schnell wieder zum Ausgang strömten, da sie schlichtweg komplett überfüllt war. Zum Glück gab es auch einen kleinen Außenbereich um einen kleinen See herum, wo man sich ein wenig von den Massen und all dem Lärm erholen konnte. ;-)
Wenn sich das Anschauen der Stände dann doch als eher schwierig herausstellte, so wollten wir uns zumindest nicht das Blaue Sofa entgehen lassen, von wo wie gesagt das ZDF sendet und wo immer wieder Autorengespräche statt fanden. Natürlich war hier auch alles extrem überfüllt, auch gab es nicht einmal annähernd genug Stühle für alle Zuschauer, doch wir setzten uns einfach am Rand auf den Boden und hörten zunächst Anna Katharina Hahn zu, die ihr neues Buch „Das Kleid meiner Mutter“ vorstellte, das sich mit der Krise in Spanien und der Generation Zero beschäftigt. Außerdem konnten wir beim sogenannten „Krimi Speed Dating“ dabei sein, bei dem Dora Heldt, Elisabeth Herrmann, Sebastian Fitzek und Friedrich Ani gemeinsam im Gespräch jeweils ihr neuestes Werk vorstellten. Die Autoren wurden dabei zunächst nach ihren Erfahrungen mit Leipzig gefragt und ob ihrer Meinung nach die Frankfurter Buchmesse besser sei. Insbesondere Fitzek verneinte dies, könne man in Leipzig schließlich jederzeit Bücher erwerben, das Lesepublikum habe immer Zugang und Frankfurt sei zudem noch voller. Daraufhin wurden alle vier Bücher kurz näher besprochen und etwa darüber gesprochen, warum sich die Autoren denn gern mit Mord und Totschlag beschäftigen.
Wir haben somit zwei spannende und abwechslungsreiche Tage bei der Leipziger Buchmesse erlebt und konnten viele Anregungen für neue Bücher gewinnen, auch wenn ich ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht wieder nach Hause gefahren bin. Wer nichts gegen Menschengedränge, Lärm und oberflächliches Ansehen von aktuellen Neuerscheinungen hat, der mag sich vielleicht auf der Messe wohl fühlen, für eine wirklich intensive Beschäftigung mit aktuellen Werken und Autoren ist die Messe jedoch kaum geeignet, zumindest nicht am Wochenende. Ich würde eher das nächste Mal nach Möglichkeit lieber Donnerstag und Freitag hinfahren und generell eher Lesungen von Autoren außerhalb von Messen empfehlen, bei denen man viel mehr Zeit hat, den Autor zu hören und Fragen zu stellen. Es ist zwar schön zu sehen, wie die gesamte Stadt Leipzig diese Buchmesse lebt, wie unzählige Veranstaltungen über die ganze Stadt verteilt statt finden (für die man sich jedoch möglichst frühzeitig anmelden sollte, die meisten, die uns interessierten, waren bereits Wochen vor Messebeginn ausverkauft), doch meinen Geschmack einer Beschäftigung mit Büchern hat sie nicht ganz getroffen, nach ein paar Stunden hatte man gar keinen brainspace mehr, um sich noch immer mehr anzusehen, aufgrund des stetigen Geräuschpegels, dem man ununterbrochen ausgesetzt war. Demnach würde ich eher einen Besuch, der sich natürlich trotzdem sehr lohnt, in der Woche empfehlen.

Eure Kim

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