Dienstag, 22. März 2016

Rezension: Header (Edward Lee)

Festa Verlag
Hardcover, 141 Seiten
Privatdruck, keine ISBN
39,99 €


Ein kurzer Einblick

Was ein Header ist? Nichts, worüber man sprechen sollte. Etwas, das die Fantasie in Stücke zerschmettert. Ein Header ist das, was mit perverser Freude in dunklen Kellern ausgeübt wird und jegliche Vorstellungskraft übersteigt.

Bewertung

»Header«, erschienen im Festa Verlag, limitiert auf 666 Exemplare, handnummeriert und von Jack Ketchum und Edward Lee signiert, gilt als Hardcore-Klassiker. Eine ISBN gibt es nicht und erhältlich ist die Novelle schon längst nicht mehr, obwohl sie erst im Februar erschien. Auf Ebay wird für »Header« über 100 Euro für das Sammlerstück verlangt. Berechtigterweise? Außerdem liegt der Novelle noch eine Verfilmung im amerikanischen Originalton bei.

Tief in den einsamen Wäldern im Westen Virginias gelten Gesetze, die kein Gericht der Welt akzeptieren würde. Hier werden Sexpraktiken ausgeübt, die weit über die Vorstellungskraft der Menschen hinausgeht. Der Header ist das ungeschriebene Gesetz, das Erwachsene Männer erfreut. Travis war als Kind fasziniert vom glühenden Gesicht seines Vaters, wenn er im Flüsterton vom Header sprach. Doch erst Jahre später, nachdem er den Knast verlässt, verrät ihm sein Opa, was ein Header ist. Zeitgleich verdient Special Agent Stewart Cummings mit seinem Job zu wenig Geld, um die Medikamente seiner Freundin bezahlen können. Im Dienstwagen schmuggelt er Drogen über die Grenze. Während einer Heimfahrt, findet er ein Opfer des Headers.

»Header« ist ein Hardcore-Thriller, so brutal und eklig, das mir beim Lesen die Hände zitterten. Es fliegen keine Fleischfetzen durch die Gegend. Niemand wird bei lebendigem Leib gehäutet. Edward Lees einfacher, direkter und schonungsloser Stil entwickelt eine eigenartige Faszination, die Erzählgeschwindigkeit tut ihr übriges. Auf den Header kann man nicht vorbereitet sein. Schockierend, abartig, wiederwärtig. Der Header mag eine überdrehte Darstellung einer (zum Glück nicht existierenden) Sexpraktik sein, doch mit dem Fokus darauf, verliert jeder Slasher den Gore-Faktor. Edward Lee reißt Grenzen des Anstands und der Fantasie nieder. Richard Laymon schreibt im Vergleich Kuschelkrimis, Stephen Kings Romane müssten der Komödie zugeordnet werden, wenn Lees Gewaltfantasie auf das normale Niveau brutaler Geschichten gesetzt würde.

Die Verfilmung kommt nicht einmal nahe an die Qualität der Novelle heran. Eine gewisse Authentizität muss dem Film jedoch zugestanden werden. Die Schauspieler und die Umsetzung sind jedoch so laienhaft, sodass so manche Szene, die in der Novelle Übelkeit erzeugte, eher zum Lachen anregt. Der Härtegrad wird angepeilt, aber bis auf schlechte Bluteffekte, bietet die Verfilmung in dieser Hinsicht gar nichts. Ok, den Header will man auch gar nicht sehen.

Fazit

Fans von Edward Lee und obszöner Gewalt würden vielleicht 5 Punkte vergeben. Für mich ist diese Novelle ein totaler Reinfall. Zugute halten muss ich, dass »Header« trotz seines Nichtgefallens auf schockierende Art faszinierend ist. Die letzte Seite blätterte ich sowohl glücklich, als auch traurig um. Selten schafft es eine Story mich so zwiegespalten zurückzulassen.

1 von 5 Punkten

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