Sonntag, 13. März 2016

Rezension: Die Nacht brennt (Sarah Butler)

Droemer Verlag
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-426-30444-0
14,99 €

Ein kurzer Einblick

Stick steht kurz vor seinem 18. Geburtstag, ist mit der Schule fertig und möchte nur noch weg aus Manchester, weit weg von seiner etwas gestörten Mutter und seinem ach so perfekten Vater mit seiner neuen Vorzeigefamilie. Gemeinsam mit seinem besten Freund Mac plant er nach Málaga zu fahren und einen tollen Sommer mit Partys, Alkohol und Mädchen zu erleben. Doch nach ihrer Abschiedsparty wird Mac plötzlich erstochen aufgefunden, Stick bleibt allein zurück und muss mit seiner Trauer, seinem Verlust und seiner Wut allein klarkommen, bis er J kennen lernt, ein geheimnisvolles Mädchen mit pinken Haaren. Endlich scheint es etwas bergauf zu gehen, als die Unruhen von London schließlich auch auf Manchester übergreifen.

Bewertung

Das Buch setzt mit einem kurzen Prolog ein, der am 9. August 2011 statt findet und einen kleinen Ausblick auf die Unruhen in Manchester gibt, um dann zwei Monate zurückzuspringen und im Juni vor der Abschiedsparty zu beginnen, als Stick und Mac noch ihren Urlaub planen. Durch den gesamten Roman zieht sich dabei ein sehr lockerer, umgangssprachlicher Schreibstil. Die Gespräche und die Gedanken von Stick, aus dessen Sicht wir die Handlung erleben, sind in Alltagssprache formuliert, tatsächlich so, wie die Jugendlichen miteinander reden würden, was sie generell sehr real wirken lässt. Zudem sind alle Figuren sehr psychologisch tiefgehend gezeichnet, sei es Stick oder auch seine Familie oder J oder auch Macs Mutter. In alle kann man sich durchweg sehr gut hineinversetzen und man nimmt ihnen ihre Emotionen und ihre Handlungen ab. Vor allem die Figur Stick, von dem man am meisten mitbekommt, zeichnete Butler sehr realistisch, all seine Wut auf seine Familie, insbesondere seinen Vater, auf den Täter, der Verlust seines Freundes und seiner Fluchtmöglichkeit nach Málaga, wie auch seine erste Liebe und sein allmähliches Erwachsen werden fühlt man sehr intensiv mit. Dabei fand ich die Herausstellung der Dynamik in seiner Familie als wesentlich besser gelungen als die Auseinandersetzung mit dem Verlust von Mac. Dieser berührte mich während des Lesens nicht so sehr, er kam halt kaum vor, so dass sein Verlust nicht so schwer wog bzw. seine Bedeutung für Stick nicht so deutlich wird. Stärker gelingt dies in den Szenen, in denen Macs Mutter vorkommt. Als die besten Szenen des Buches empfand ich jedoch vielmehr Sticks Konflikte mit seiner Familie, die Zwangsstörungen seiner Mutter, der Vater mit seiner neuen Familie, die wirklich sehr realistisch herausgearbeitet wurden.
Verbunden wurde diese fiktive Geschichte dann am Ende noch mit den Unruhen in London zu dieser Zeit, die dann schließlich auch in Manchester beginnen. Diese Verbindung gelang aber nicht besonders gut in meinen Augen. Die Hoffnungslosigkeit von Jugendlichen insbesondere aus bildungsfernen Schichten, hier am Beispiel von Stick, auch von J und Sticks Clique, wird sehr glaubhaft dargestellt, dies wird dann jedoch eher schwach mit den Unruhen verbunden, die nur am Rande vorkommen und nicht sehr detailliert ausgeführt werden. Sie wirken ein wenig fehl am Platz, die Geschichte käme auch gut ohne sie aus, vielmehr scheinen sie nur im Buch mit vorzukommen, um ihm einen aktuellen Anstrich zu geben. Daher gelingt das Ende des Romans mitten in den Unruhen auch nicht so ganz, die Geschichte endet sehr abrupt, man erfährt nicht einmal, wie der Prozess wegen Mac endet, was wiederum auch zur Handlung passt, Stick steht nun schließlich auch vor etwas Unbekannten, aber mir persönlich war das Ende zu offen. Die Unruhen hätten zudem ausführlicher und tiefgehender behandelt und mehr mit der Handlung des Romans verbunden werden müssen, um im Buch nicht irgendwie fehl am Platz zu sein.

Fazit

Ein insgesamt gelungener Roman über Verlust, Trauer, die erste Liebe, das Erwachsen werden inmitten der Unruhen in England in 2011, der insbesondere durch die tiefgehende Zeichnung seiner Hauptfigur und dessen Familienkonflikte überzeugt, gegen Ende mit der Vermischung der fiktiven Handlung mit den Unruhen jedoch auch ein paar Schwächen aufweist. Alles in allem ist Butler jedoch ein berührender, spannender Pageturner gelungen, in den man von der ersten Seite an eintauchen kann.

4 von 5 Punkten


Wir danken der Droemer Knaur Verlagsgruppe für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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