Sonntag, 6. März 2016

Rezension: Die Ländersammlerin (Nina Sedano)

Eden Books
Taschenbuch, 320 Seiten
ISBN: 9783944296203
14,95 €

Ein kurzer Einblick

Nina Sedanos große Leidenschaft fürs Reisen beginnt im Alter von 13 Jahren mit einem Sprachaufenthalt in England, in der Folge versucht sie all ihre freie Zeit zum Reisen zu nutzen, ihre Urlaubstage möglichst gut auszunutzen. Doch ihr Alltagsleben mit Job in Frankfurt kann sie auf Dauer nicht zufrieden stellen, so dass sie sich entscheidet, ihren Job aufzugeben und das Reisen zu ihrem Hauptberuf zu machen. Sie nimmt sich vor, alle 193 UN-Staaten zu bereisen, taucht dabei in viele fremde Kulturen ein, trifft unzählige Menschen, stößt auch hin und wieder an ihre Grenzen, lernt aber auch viel über die Welt und sich selbst.

Bewertung

Ich hatte das Buch geschenkt bekommen, interessiere mich sehr für Reisen und empfand es demnach als passendes Geschenk, mit dem ich mir mehr Inspirationen holen kann. Nach der Lektüre muss ich diese Vorannahme leider ein wenig revidieren. Sedano erzählt darin chronologisch von ihren Reisen, angefangen im Jahr 1971 im Alter von vier Jahren mit einem Skiurlaub in Österreich und endend mit Turkmenistan im Jahr 2011. In diesen 40 Jahren hat sie tatsächlich all die 193 UN-Staaten bereist, man erhält jedoch nicht in alle Einblick, fokussieren tut sich die Autorin eher etwa auf eine Reise nach Südfrankreich während der Ausbildung, Reisen nach Australien und Neuseeland, Vietnam, Bangladesch, in den Nahen Osten, Kreta, Jemen, Nordkorea, Liberia und Sierra Leone. Wer nun aber auf spannende Reisetipps und –eindrücke gewartet hat, wird leider ein wenig enttäuscht. Die Autorin schreibt viel zu viel über sich selbst, Probleme im Job etwa, so dass ein Kapitel regelrecht zur Abrechnung mit alten Kollegen mutiert, kritisiert immer wieder Mitreisende, die ihr den Urlaub etwas vermiest haben, anstatt mehr und tiefgehender über die bereisten Länder, ihre Menschen und ihre Kultur zu erzählen. Es gibt zwar bei einigen Kapiteln am Ende kurze Tipps, was man sich im jeweiligen Land ansehen kann oder etwa was man bei Einreisen beachten muss, alles jedoch nur sehr oberflächlich und sehr an Unesco-Weltkulturerbestätten orientiert, wobei es doch eigentlich so viel mehr zu entdecken gibt. So liest man sich eben durch das Buch hindurch, nicht gelangweilt zwar, aber doch enttäuscht, dass man so oberflächliche Eindrücke erhält. Nur das Kapitel über Nordkorea fand ich wirklich sehr interessant.
Dabei finde ich es generell sehr bewundernswert, wie Sedano ihren eigenen Weg geht, auch als ihr erster Plan mit Familie nicht klappte, wie sie mutig ihren Job kündigt und einen individuellen Weg für sich findet, von dem viele vielleicht reden, aber doch sehr wenige ihn tatsächlich auch in die Tat umsetzen, wie sie außerdem in viele unsichere Gebiete der Erde reist, allein, als Frau, was ich persönlich mich nicht getraut hätte. Insgesamt bleibt aber einfach das auf der Strecke, was sie wirklich vom Reisen mitgenommen hat, wie sehr sie all die Erlebnisse in sich aufgenommen hat, wie sehr eben Reisen sie gebildet hat. Viele Kapitel wirken eher so, als hätte sie viele Länder bloß bereist, um eben wirklich alle 193 Länder der UN zu schaffen, um etwas vorweisen und sich herausstellen zu können. Auch fehlten mir Hinweise darauf, wie sie überhaupt all die Reisen finanzieren konnte, ich bin auch sparsam, kann mir aber trotzdem keine Weltreise leisten. Okay, in vielen Ländern ist es natürlich viel günstiger als bei uns, doch trotzdem muss jahrelanges Reisen nun wirklich einiges kosten.

Fazit

Das Buch hat mich leider enttäuscht. Als kurzer Einblick in einige Länder unserer Erde mag es in Ordnung sein, viel mehr bietet es einfach nicht, bloß lange Schilderungen über die Autorin selbst, was sehr selbstdarstellerisch wirkte. Was sie bei ihren Reisen lernte, wie sie ihr Blickweise erweiterten, bleibt leider auf der Strecke. Vielleicht mag es daran liegen, dass Sedano keine geborene Schreiberin ist, vieles einfach nicht gut rüberbringen kann. Weiterempfehlen würde ich es so aber nicht!

3 von 5 Punkten

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