Mittwoch, 9. März 2016

Rezension: Dark Universe (William F. Nolan)

Festa Verlag
Hardcover, 336 Seiten
Privatdruck, keine ISBN
39,99 €

Ein kurzer Einblick

19 Geschichten aus der Welt des Grusels, des Horrors und der Science-Fiction. Festa präsentiert eine Auswahl der besten Horrorgeschichten des Autors William F. Nolan.

Bewertung

William F. Nolan ist neben Ray Bradbury, Richard Matheson, Charles Beaumont und Robert Bloch einer der führenden Autoren in den Genres Science-Fiction und Horror. Unzählige Auszeichnungen erhielt er für seine Geschichten, die die 100 weit übersteigen. 1967 erschien der SF-Roman Logan’s Run, der von MGM unter dem deutschen Titel »Flucht ins 23. Jahrhundert« verfilmt wurde. In vorliegender Sonderausgabe sind 19 seiner Geschichten enthalten. Die Auflage ist auf 666 Exemplare limitiert und handnummeriert. Zudem ist die Ausgabe signiert von William F. Nolan und dem uruguayischen Künstler Alejandro Colucci, von dem das Cover und die Signiervignette stammt.

Jede Geschichte wird mit einem kleinen Vorwort von William F. Nolan eingeleitet. Hier verrät der Autor, warum er die Geschichte schrieb, wie er auf die Idee gekommen ist oder was ihn dazu veranlasst hat ein bestimmtes Thema aufzugreifen. Oft genug ist er auch einfach nur stolz darauf in einer weiteren Best-Of-Sammlung eine Geschichte unterbringen zu dürfen. Ein nettes Schmankerl, was den Einstieg in die Story erleichert und diese sowohl thematisch als auch zeitlich einordnet. Zugegebenermaßen ist keine der Stories schwer zu lesen. Vielmehr lassen sich diese runterlesen. Was jetzt vielleicht etwas abwertend klingen mag, ist keinesweg so gemeint. Die Leichtigkeit des Schreibstils darf nicht über die Tiefe oder die feine Spannung hinwegtäuschen. Harmlos mögen die Ideen sein (bluttriefende Gräueltaten sind vergebens zu suchen), doch der summende Klang, die Verlockung des Schauers lassen faszinieren. William F. Nolan ist ein Meister des Horrors, der mit leisen Tönen spielt und restlos überzeugt. In Zukunft darf es gerne mehr Storysammlungen des Autors geben!
Mal kürzer, mal länger nimmt Nolan den Leser mit auf ein Abenteuer, das nicht nur Abwechslung und Grusel bietet, sondern auch einen Effekt, den ich hauptsächlich aus dem Genre der rundenbasierten Videospiele kenne. Hier heißt es nicht, nur noch eine Runde, sondern: Nur noch ... eine ... Geschichte. Ein süchtig machender Sog. Alle Stories bleiben nicht im Gedächtnis hängen, doch jede vermag auf ihre Weise einen bestimmten Nerv zu treffen. Mal ist es der leichte Grusel, mal die Faszination der Idee, mal die Möglichkeit der Interpretation.
»In der Unterwelt« lässt die Erde von Außerirdischen überrennen und wartet mit einer fiesen Pointe auf. »Lonely Train A’Coming« vermischt Das Feeling der Eisenbahnen mit nächtlichen Horrorzügen, die dich schnappen und ... nun, lest selber! »Übertretung« ist die Geschichte, die mir am besten gefiel: Die Willkür der staatlichen Autorität, gepaart mit der Freiheit der Vergangenheit, kombiniert mit einem geradezu feinen Hauch SF. »Der Schrottplatz« greift die Thematik des ominösen Einsiedlers auf, der zugleich gruselig ist, als auch die Faszination der Kinder anregt. Woher er wohl die zu Schrott gefahrenen Autors herbekommt? Überzeugt? Dann greift zu, solange diese Sammlung noch erhältlich ist!

Übersicht der enthaltenen Geschichten:
In der Unterwelt, August 1956, The Underdweller
Samstagsschatten, Dezember 1977, Saturday’s Shadow
Lonely Train A’Coming, Dezember 1980, Lonely Train A’Coming
Und noch Meilen vor mir, bevor ich schlafe, März 1957, And Miles To Go Before I Sleep
Ein guter Tag, Dezember 1996, A Good Day
Herzblut, Juni 1999, Heart’s Blood
Stoner, März 1988, Stoner
Die Kur, Januar 1988, The Cure
Der Riesenmann, Juli 1991, The Giant Man
Am Diamond Lake, Dezember 1991, At Diamond Lake
Der Besuch, Mai 1991, The Visit
Die Partnerschaft, Juli 1979, The Partnership
Übertretung, November 1971, Violation
Der Schrottplatz, Januar 1986, The Yard
Zeremonie, Dezember 1983, Ceremony
Zufälliges Zusammentreffen, Januar 1972, Coincidence
Heute Abend große Vorpremiere, Dezember 1987, Major Prevue Here Tonite
Anruf eines Toten, Dezember 1974, Dead Call
Freunt, Februar 1992, Boyfren

Fazit

»Dark Universe« ist ein seichter Gruselschmöker, der durch hohe Qualität, Ideenreichtum und eine konstante Gruselspannung überzeugt. Die Stories machen regelrecht süchtig. Noch eine Geschichte? Nur ... noch  ... eine! William F. Nolan versteht sein Handwerk einzusetzen.

4 von 5 Punkten

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