Donnerstag, 10. März 2016

Filmkritik: Der Hypnotiseur


Tobias Zilliacus muss als Kommissar Joona Linna in Stockholm sowohl den Mord an der Familie Ek, als auch die Entführung von Benjamin Bark aufklären. Dafür hat er in diesem 2012 erschienenen Krimi gute zwei Stunden Zeit. Ihm zur Seite stehen Lena Olin als Simone Bark und Mikael Persbrandt als Benjamins Vater Erik Maria Bark, welcher als Traumaspezialist praktiziert und früher auch als Hypnotiseur gearbeitet hat. Mit seiner Hilfe findet Joona Linna heraus, dass der überlebende Sohn der ermordeten Familie wahrscheinlich selbst der Mörder ist. Dass die Entführung von Barks Sohn ebenfalls mit diesem Jungen zusammenhängt, finden die beiden ebenso bald heraus…

Generell kann ich sagen, dass der Regisseur Lasse Hallström einen ordentlichen Krimi mit passender düsterer Atmosphäre und interessanten Charakteren geschaffen hat. Der Schwenk über Stockholm mit grau verhangenen Wolken lässt den Zuschauer bereits zu Beginn die kommenden Ereignisse erahnen. Leider wurde diese Atmosphäre den ganzen Film über beibehalten und keinerlei Abwechslung hineingebracht. Spätestens beim Happy End hätte ich mir ein paar Lichtblicke erhofft. 
Mit einem „leider“ muss ich leider auch fortfahren, denn als Buchverfilmung kann es kaum noch bezeichnet werden. Zwar wird die Familie Ek bis auf den Jungen Josef und die ältere Schwester umgebracht und Barks Sohn wird ebenfalls entführt, aber das Wie und Warum der Hintergrundgeschichte wurde komplett umgestellt. So fehlt beispielsweise der komplette Handlungsstrang um Benjamins Freundin Aida und deren Bruder, welche von einer Kinderbande bedroht werden. Das finde ich besonders dahingehend schade, da dadurch keine Vertiefung von Benjamins Charakter möglich war und er hier eher als Nebendarsteller und Mittel zum Zweck verkommt.
Auch kommt Simones Vater nicht vor, Eriks ehemalige Hypnosepatientin Eva Braun wird zum Mann und innerhalb von ein paar Minuten abgehandelt und die generelle Hintergrundgeschichte mit Eriks Seitensprung ist erst 2 Jahre her, statt wie in der Vorlage 10 Jahre. 
Besonders drastisch finde ich aber die Tatsache, dass zu keiner Zeit erwähnt wird, warum Bark nicht mehr hypnotisieren will. Sein einziger Kommentar zu dem Thema war, dass seine Kollegin doch wisse, dass er im Krankenhaus nicht mehr hypnotisieren darf. Punkt. Aus. Ende. Das hat die ganze Problematik des Romans zunichte gemacht. Damit einhergehend wurde es so gedreht, dass Lydia Ehler nicht vorgibt, Benjamins leibliche Mutter zu sein, um sein Vertrauen zu gewinnen, sondern dass sie wirklich die Mutter von Josef Ek ist und ihn zu seinen Taten anstachelt. Auch wird sie keineswegs so diabolisch wie in der Vorlage dargestellt und handelt zudem allein, statt ihre ehemaligen Mitpatienten in der kalten Schneelandschaft Nordschwedens um sich zu scharen. 
Zwar hat man sich aufgrund der kompletten Umstellung der Hintergründe die Rückblenden in Eriks Vergangenheit erspart – welche ich in meiner Buchrezension bemängelt habe – doch kann ich mich insgesamt nicht so richtig mit diesem Film anfreunden. Die Schauspieler tun zwar ihr Bestes, um diesen Krimi mit Leben zu füllen und es gelingt ihnen auch perfekt, den psychischen Druck und die Höllenqualen einer Familie darzustellen, dessen Kind entführt wurde. Doch irgendwie fehlt an allen Ecken und Enden das gewisse Etwas.

Fazit

Trotz all der für mich vorhandenen Mängel und Änderungen zu Lars Keplers Vorlage ist „Der Hypnotiseur“ ein grundsolider Krimi, den man aber nur schauen sollte, wenn man den Roman nicht kennt oder nichts gegen einschneidende Änderungen hat.

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