Dienstag, 16. Februar 2016

Rezension: Joona Linna 1. Der Hypnotiseur (Lars Kepler)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 656 Seiten 
ISBN: 978-3-404-27113-9
5,00 €

Ein kurzer Einblick

Eher durch Zufall wird der finnischstämmige Kommissar Joona Linna in einen bestialischen Mordfall verwickelt, der fast eine gesamte Familie ausgelöscht hat. Nur der 15-jährige Sohn hat das Massaker überlebt, ist aber aufgrund der schweren Verletzungen nicht vernehmungsfähig. Als Linna erfährt, dass es auch noch eine erwachsene Tochter gibt, entschließt er sich, alles zu unternehmen, um dennoch vom Sohn eine Täterbeschreibung zu erhalten. Dazu überredet er den Traumaspezialisten Erik Maria Bark, sein vor 10 Jahren gegebenes Versprechen, nie wieder jemanden zu hypnotisieren, zu brechen. Und tatsächlich finden die beiden heraus, wer die Familie getötet hat, doch mit diesem Täter hätten sie niemals gerechnet. Aber dies soll nur der Anfang sein von schrecklichen Ereignissen, die ihren Ursprung weit in der Vergangenheit haben…

Bewertung

Krimis und Thriller sind jetzt nicht meine Lieblingsgenres, doch dieser Roman hat mir wieder vor Augen geführt, warum ich diese ab und an doch sehr gern lese. Das Autorenpaar Ahndoril, welche unter dem Pseudonym Lars Kepler mit „Der Hypnotiseur“ ihr Krimidebüt schrieben, hat hier ganze Arbeit geleistet. Im Mittelpunkt der mit diesem Band angefangenen Krimireihe soll der aus Finnland stammende Kommissar Joona Linna stehen. Doch im Gegensatz zu anderen Büchern des Genres wird er nicht in den Vordergrund gedrängt, sondern alle anderen wichtigen Personen um ihn herum kommen in einer gut ausgewogenen Mischung zu Wort. Das finde ich eine sehr gelungene Abwechslung, wird somit nicht etwa zum größten Teil die Polizeiarbeit beschrieben, sondern das Hauptaugenmerk liegt wirklich bei den übrigen handelnden Personen. Dies ist in diesem Fall Erik Maria Bark nebst seiner Familie.
Bei ihm wird dem Leser schnell klar, dass es in seiner Vergangenheit einen Vorfall gegeben haben muss, dass ihn zu einem tablettenabhängigen seelischen Wrack hat werden lassen. Durch sein Zusammentreffen mit Joona Linna wird er in den oben beschriebenen Fall hineingezogen, der nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie gefährlich wird. Dadurch hat er sehr schnell viele Sympathiepunkte gesammelt. Jetzt ist der Roman aber so aufgebaut, dass der geschilderte Fall nicht der einzige bleibt und beide werden im Laufe der Geschichte immer ausgeklügelter miteinander verwoben, so dass es für Bark am Ende doch von Vorteil ist, mit Linna zusammengetroffen zu sein. 
Dazu kommt ein mörderisch toller Erzählstil, der gekonnt zwischen der teils witzigen Art des Kommissars und den tragischen und sehr grausigen Details der vorkommenden Taten hin und her gleitet. 
Was mir leider nicht so gut gefallen hat, war die Rückblende in die Vergangenheit von Bark. In über 100 Seiten am Stück wird von jetzt auf gleich die Vergangenheit aufgerollt und am Ende das Geheimnis gelüftet, warum er das Versprechen gab, nie mehr jemanden zu hypnotisieren. Dies hat zwar für den Fall in der Gegenwart sehr hohe Brisanz und hat mir indirekt auch bereits verraten, wer der zweite Täter ist, doch aufgrund der Fülle und Kompaktheit habe ich mich regelrecht überrumpelt gefühlt. Kleinere häppchenweise Portionen hätten mir persönlich hier besser gefallen. 
Nichtsdestotrotz werden die beiden Fälle regelrecht spektakulär aufgeklärt, was gerade am Ende nicht einiger Ungereimtheiten entbehrt. Wie etwa der Bus, der einfach so anspringt, obwohl er wer weiß wie lange schon bei Minusgraden mit offenem Fenster herumsteht. Aber vielleicht haben die Schweden einfach bessere Technik in ihren Fahrzeugen…

Fazit

Dies war meine erste Leseerfahrung mit Lars Kepler und wird definitiv nicht die letzte gewesen sein. Von den wahnsinnig realistisch beschriebenen grausigen Taten (und der ewig langen Rückblende) einmal abgesehen, macht dieser Roman einfach Spaß und ich finde es schade, dass ich derzeit den zweiten Fall von Joona Linna nicht zur Hand habe. 

4,5 von 5 Punkten

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