Montag, 1. Februar 2016

Rezension: Die Magie der tausend Welten 2. Der Wanderer (Trudi Canavan)

Penhaligon
Hardcover, 704 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3106-5
19,99 €

eBook, 15,99 €
ISBN: 978-3-641-15895-8

Ein kurzer Einblick

Das magische Artefakt Pergama - einst ein Mensch, von einem mächtigen Zauberer in ein Buch verwandelt - birgt das Wissen von Jahrtausenden zwischen den Seiten. Auf der Suche nach einem Zauber, der Pergama zurück in einen Menschen verwandelt, durchstreift Tyen die tausend Welten und geht einem Pakt mit dem mächtigsten Zauberer ein, dem Raen.

Rielle ist vom Engel Valhan Vergebung gewährt worden. Dieser bietet ihr ein Angebot an, das sie nicht ausschlagen kann. Als Künstlerin nimmt er sie mit in seine Welt. Als sie entdeckt, das Valhan mehr ist als er vorgibt zu sein, muss sie sich zwischen ihrem Glauben an den Engel und der Nutzung von Magie entscheiden. Es ist die Wahl, die ihr Leben für immer verändern wird.

Bewertung

Tyen
Tyen musste aus seiner Welt fliehen. Eine Wahrheit, abgestempelt als ketzerische Lüge, brandmarkte ihn als Verräter. Mit Pergama in der Tasche fand Tyen ein neues Zuhause in Liftre. An der dortigen Universität studiert er zunächst als Schüler, bevor er selbst als Lehrer Studenten die mechanische Magie beibringt. Aus allen Welten kommen Lehrer und Studenten an die Fakultät. Als der Raen nach vielen, vielen Jahren zurückkehrt, schließt die Akademie. Tyen, der noch immer keinen Zauber gefunden hat, um Pergama menschlich zu machen, geht mit dem Raen einen Handel ein: Als Spion soll er sich den Rebellen anschließen, die den mächtigsten Zauberer aller Welten stürzen wollen. Als Gegenleistung ist der Raen bereit einen Zauber für Pergama zu finden.
Tyen ist in einer Zwickmühle gefangen. Als Spion soll er dem Raen alle Informationen über die Rebellen zukommen lassen. Als Rebell muss er alles erdenkliche Tun, um gegen den Raen und seine Verbündeten vorzugehen. Es ist eine Balanceakt, der beiden Gruppierungen gerecht werden muss. Niemanden darf er zu sehr schaden, niemanden darf er zu sehr bevorteilen. Eine schwierige Aufgabe, die Tyen des Öfteren vor heikle Entscheidungen stellt. Eigenständigkeit und ein Gewissen für Gerechtigkeit und Zielstrebigkeit leiten ihn.

Rielle
Aus ihrer Heimatstadt ausgestoßen, findet Rielle in Schpeta als Lehrling in einer Weberwerkstatt ein neues Heim. Doch die wenigen Jahre friedvollen Lebens sind schnell vorbei, als der Engel Valhan sie aufsucht und ihr ein einmaliges Angebot unterbreitet: Er bietet ihr einen Platz in seiner Welt, der Welt der Engel an, wo sie fortan zwischen anderen Künstlern ihre kreative Ader ausleben darf. Rielle nimmt an, strandet durch unglückliche Umstände in einer Welt, die aus einer endlosen Wüste besteht. Das Volk der Fahrenden findet sie und nimmt sie auf.
Rielle ist nach wie vor ein naives Mädchen, das aus den aktuellen Situationen stets das Beste herausschlagen möchte, aber nicht für eine Zukunft kämpft, die ihr tatsächlich gefallen könnte. Erst spät in der Entwicklung des Romans, entwickelt Rielle sich, wird selbstbewusst, selbständig und vertritt ihre eigene Meinung. Sie fängt an, auf ihr Gefühl für richtig und falsch zu hören.

Charaktere
Tyens und Rielles Entwicklung im ersten Band »Die Begabte« hat sich zwar entwickelt, dennoch sind sie anfangs gutmütige Charaktere, die stets hoffen in einer Welt zu Leben, in der alle glücklich sind. Ihre Entwicklung läuft abermals stereotyp und parallel ab. Beide gehen einen Pakt ein. Rielle mit dem Engel Valhan. Tyen mit dem weltenbeherrschenden Zauberer, dem Raen. Beide müssen Entscheidungen treffen, die ihr Leben verändern werden. Beide begehren schließlich gegen das Bild auf, in das Menschen, Freunde, Verbündete und Feinde sie pressen wollen.
Trotz einer sehr ähnlichen Fortentwicklung könnte sich ihr Werdegang kaum differenter gestalten. Rielle überwindet ihr Unbehagen Magie zu verwenden. Tyen akzeptiert, dass Tote in einer Rebellion unumgänglich sind. Es sind die kleinen Elemente, die Elemente, die beiden Charakteren eine eigenständige Natur verleihen, die Rielle und Tyen zu authentischen Charakteren werden lassen. Ihre charakterliche Entwicklung wird erfreulich glaubwürdig geschildert und lässt die Handlung zügig voranschreiten. Das Groß der Nebenfiguren blieb im ersten Band seltsam blass. Hieran ändert sich nicht viel. Nur wenig mehr Charaktere werden detailliert ausgearbeitet. Ein schattenhafter, kaum greifbarer Gegenspieler und engste Freunde ohne Persönlichkeit hätten die Glaubwürdigkeit der Beziehungen zerstört. Trudi Canavan hat alles richtig gemacht.

Welten
Rielles und Tyens Welt bleiben zurück. Kein Wunder, dass diese nicht weiter ausgearbeitet und gerade die letzten Stationen kaum näher gebracht wurden. Wirklich schade ist aber, dass die durchaus interessanten Ansätze durch die Industrie hervorgerufenen Rohstoffprobleme hinlänglich sind. Auch der Ursprung der Magie findet keinerlei Erwähnung mehr. Die Rebellion gegen den Raen steht vollkommen im Mittelpunkt. So werden viele Welten zwar schillernd, abenteuerlich, fremdartig beschrieben, punktuell werden Probleme auf und zwischen den Welten ausgebreitet, aber nie wirklich weiter darauf eingegangen. Es wäre wünschenswert gewesen, dem Einerlei der Welten zu entkommen und Frisches zu erschaffen. Trudi Canavan bleibt sich weiterhin treu und setzt auf Authentizität, Abenteuer und reibungslosen Lesespaß, statt Experimente einzugehen. Schade, das wird sich dann wohl im dritten Band nicht mehr ändern. Andererseits hätte es vermutlich auch den Rahmen dieses Romans gesprengt.

Fazit
Zu klassisch, zu gängig, zu altbekannt liest sich »Der Wanderer«, als das verblüffende Welten und Abenteuer konzipiert werden könnten. Im Vergleich zum Vorgänger steigert sich die Autorin jedoch und hebt ein Weltengebilde auf die Bühne, dass es tatsächlich schafft, das komplette Universum zu erwecken und einer Gefahr auszusetzen, die glaubhaft ist, und zugleich darauf verzichtet, das Böse schlechthin als Gegner zu entwerfen.

4 von 5 Punkten

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