Sonntag, 21. Februar 2016

Rezension: Die Elbenhandtasche (Kelly Link)

Heyne
Taschenbuch, 416 Seiten
ISBN: 978-3-45352-276-3
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Menschen verschwinden für Jahre in einer Handtasche. Charaktere einer Fernsehsendung müssen sich plötzlich im wahren Leben zurechtfinden. Kaufen Untote im 24-Stunden-Supermarkt ein? Willkommen in der Fantasy von Kelly Link. Neun Kurzgeschichten der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Autorin sind in »Die Elbenhandtasche« enthalten.

Bewertung

Der Klappentext, die Autorenbeschreibung und die Lobeshymnen anderer Autoren fixten mich an, als ich das Buch auf dem Grabbeltisch fand. Wahre Magie, Geschichten, die zum Leben erwachen, die beste Kurzgeschichten-Autorin der Welt, so wurde die Sammlung der vorliegenden Stories angepriesen. Kelly Link selbst wurde u.a. mit dem World Fantasy Award, dem Hugo Award und dem Nebula Award ausgezeichnet. Die Zusammenfassung wiederum versprach Fantasy abseits der immer wieder gleichen Ideen. Hervorragend, genau das, worauf ich stehe; etwas, was mutig neue Wege geht. Jetzt sitze ich hier, schreibe diese Rezension und stehe in Hassliebe der Sammlung gegenüber. Einerseits sind die Erzählungen total faszinierend, andererseits total langweilig.

Neun Kurzgeschichten liegen in diesem Band vor. Alle sind dem Genre Urban Fantasy zuzuordnen und immer mit einem weiteren Genre wie Science-Fiction, Märchen oder Horror durchdrungen. Abwechslung ist vorhanden, Ideenreichtum auch, Abstrusitäten gibt es en masse und Alltäglichkeit steht irgendwie stets im Vordergrund. Diese Mischung macht die Faszination der Stories von Kelly Link aus. Ausgehend von der Normalität bekommen die Geschichten einen zunehmenden fantastischeren Einschlag. Teilweise ist es schwer der Handlung zu folgen, einen Sinn abzuringen. Doch trotz der Vertracktheit der Erzählweise, ist ein roter Faden erkennbar. An der Gewöhnlichkeit muss der Leser sich festhalten. Die Exzentrik der Erzählungen hingegen fordert zum Mitdenken auf, fordert auf eine tiefere Bedeutung hinter der scheinbaren Sinnlosigkeit zu finden.

Die Settings wirken wie unvollständige Baustellen. Die Bagger, Monteure, Bauarbeiter und Zulieferer rücken nur dann an, wenn es notwendig wird, das Bild zu vervollständigen. Diese Zerfranstheit der kleinen, in sich geschlossenen Welten, führt dazu, dass der Leser sich auf das Vorhandene, auf die Figuren und die tiefere Bedeutung konzentrieren muss, lässt die Story zugleich aber auch seltsam in der Leere schweben. Spannung existiert nur im Sinne von Faszination - und das ist der größte Knackpunkt. Die Geschichten sind viel zu anstrengend zu lesen, als das Spannung fehlen dürfte. Manch einer kann vielleicht mit dieser Erzählart etwas anfangen, ich hingegen nicht.

Enthalten sind die Geschichten:
Die Elbenhandtasche (Hugo and Nebula Award für die Beste Novelle 2005)
Hortlak
Die Kanone
Steintiere (2005 veröffentlicht in der jährlich erscheinenden »Best American Short Stories«-Sammlung)
Katzenfell
Ein paar Zombie-Notfallpläne
Die große Scheidung
Magie für Anfänger (Nebula Award für die Beste Novelle 2005)
Eingelullt

Fazit

Freunde extravaganter Fantasy und mit Sinn für eine tiefere Bedeutung, die keinen Spannungsbögen benötigen, kommen voll auf ihre Kosten. Alle anderen, die zumindest einen Ansatz von Zielstrebigkeit und leicht nachverfolgbarem Storyverlauf fordern, lassen bitte die Finger von der Sammlung.

2 von 5 Punkten

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