Mittwoch, 10. Februar 2016

Rezension: Der Fluch der Spindel (Neil Gaiman)

Knesebeck
Hardcover, 72 Seiten
ISBN: 978-3-86873-872-8
16,95 €

eBook, 15,99 €
ISBN: 978-3-641-15895-8


Ein kurzer Einblick

Hochzeitsrobe gegen Kettenhemd und Schwert getauscht, die Zwerge als Wegbegleiter mitgenommen: Eine junge Königin macht sich auf, das Land vor dem drohenden Schlaf zu retten. Hinter den Bergen liegt ein Land, dessen Prinzessin in einen tiefen Schlaf gefallen ist. Dornenranken umschlingen die Schlossmauern. Neil Gaiman und Illustrator Chris Riddell verweben Schneewittchen und Dornröschen zu einem magischen Märchen.

Bewertung

Wundervoll. Wunderbar. Ein Kleinod einer illustrierten Kurzgeschichte.

Ok, ok, an ein paar mehr Worten soll die Rezension nicht scheitern. Mit den obigen Worten ist im Grunde aber schon alles gesagt. »Der Fluch der Spindel« versetzt euch in das Land der Märchen, verwebt Schneewittchen und Dornröschen miteinander und spielt mit eurer Erwartungshaltung klassischer Märchenfiguren und dem Friede-Freude-Eierkuchen-Ende.
Seit 80 Jahren liegt eine junge, blonde Frau in tiefem Schlaf versunken im Turm des Schlosses. Mit einer Spindel stach sie sich in den Finger. Dichte Rosenhecken umranken die Mauern, tapfere Ritter verenden in den reißenden Dornen. Der Schlaf breitet sich unaufhörlich aus. Alles Lebende verfällt ihm. Eines Tages droht die Zone die Berge zu erreichen, hinter der eine junge Königin und ihr Gefolge von Zwergen leben.
Geschickt verbindet Neil Gaiman Schneewittchen und Dornröschen zu einer zusammengehörigen Geschichte. Schneewittchen, selbst einst von einem Schlafzauber befallen, ist mit ihren Zwergen die geeignetste Kandidatin den Schlafzauber zu zerstören. Märchenhaft, leicht erzählt, mit auf den Kopf gestellten Klischees garniert, endet die Geschichte alsbald. Mit insgesamt 72 Seiten, wovon großräumige Illustrationen viel Platz einnehmen, ist die Kurzgeschichte ein Happen für zwischendurch. Einer, der dafür umso mehr mundet. Die Geschichte ist originell und endet unerwartet. Die Erwartungshaltung wird bedachtsam aufgebaut und im wirksamen Moment zerstört. Die Figuren mögen simpel sein, die Handlung mag bis zum Ende geradlinig sein, doch mit den Illustrationen von Chris Riddell, baut sich ein ganz eigener Zauber auf.
Schwarzweißzeichnungen ranken sich mal über die komplette Seite, verschönern mal den Rand, verzaubern aber stets. Einzelne Stellen mit Kupfer ausgefüllt, lassen die Illustrationen nicht nur Edel aussehen, sondern setzen Akzente. Die Zeichnungen sind detailliert und aufwendig und verstehen es zugleich den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Entdecker dürfen sich über die vielen Einzelheiten freuen. Wirklich erfreulich ist, dass die Illustrationen nicht nur die Geschichte wiedergeben, sondern auch eine eigene Geschichte erzählen, die im Text gar keine Erwähnung findet. So ergänzen sich und erzählen Illustrationen und Story im Einklang und jeder Teil hat etwas zu bieten.

Fazit

»Der Fluch der Spindel« ist nicht nur eine tolle Geschenkidee, sondern auch eine überraschend findungsreiche Kurzgeschichte, die geschickt die Erwartungshaltung stibitzt, dreht, wendet und neu zusammengesetzt zurückgibt. Für Buchliebhaber ein ganz heißer Tipp!

5 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Hi Benjamin, vielen Dank für diesen Tipp! Ich liebe Märchen-Neuinterpretationen und ich liebe schöne Illustrationen. Klingt also genau nach meinem Buch :-)

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