Donnerstag, 14. Januar 2016

Rezension: A Place called Winter (Patrick Gale)

Tinder Press
Taschenbuch, 368 Seiten
ISBN: 978-1472205315
9,60 € (Stand: 14. Januar 2016)

Ein kurzer Einblick

England im frühen 20. Jahrhundert: Harry Cane wächst in guten Verhältnissen auf, sein Erbe als ältester Sohn sichert seinen Lebensunterhalt, so dass er nicht selbst arbeiten muss. Er heiratet schließlich und bekommt eine Tochter, doch mit einer verbotenen Affäre setzt er all dies aufs Spiel. Als diese aufzufliegen droht, sieht er sich gezwungen, seine Familie zurückzulassen und in die kanadische Provinz zu emigrieren. An einem Ort namens Winter kauft er sich ein Grundstück, errichtet sein Haus selbsttätig, findet schnell zwei neue wichtige Freunde in der Einöde und beginnt noch einmal ganz von vorne als Farmer, doch dann droht er doch wieder alles zu verlieren…

Bewertung

Das Buch ist grundsätzlich chronologisch aufgebaut, erzählt zunächst von Harrys Zeit in England, bis er nach Kanada auswandern muss, und dann von seinem Versuch, sich dort in der Einöde eine neue Existenz aufzubauen. Diese fortlaufende Handlung wird jedoch immer wieder von einzelnen Kapiteln unterbrochen, in denen Harry sich in einem Art Sanatorium wegen psychischer Probleme aufhält, wobei man als Leser zunächst nicht erfährt, wann sich dieser Handlungsstrang abspielt. Häppchenweise erhält man schließlich immer mehr Informationen, um auch diese Kapitel in die Gesamtgeschichte einordnen zu können. Interessanterweise beruht das Buch zum Teil auf einer wahren Geschichte. Patrick Gales Urgroßvater Harry Cane ist tatsächlich damals nach Kanada ausgewandert und hat Frau und Kind zurückgelassen, was Gale zu dieser Geschichte inspiriert hat. Das meiste ist jedoch fiktiv, da auch in Gales Familie nicht mehr viel darüber bekannt ist, warum Harry Cane damals auswanderte und wie er sein Leben in Kanada gestaltete. Das Werk ist bisher auch noch nicht auf Deutsch erschienen, bei Interesse müsstet ihr es erst einmal auf Englisch lesen.
Leider braucht das Buch aber eine Weile, bis die Handlung ein wenig in Fahrt kommt. Vor allem bei der Behandlung der Zeit in England musste ich mich hin und wieder wirklich durch das Buch schleppen, die Handlung wirkte oftmals unrealistisch, man baute nicht so wirklich Kontakt zu den Figuren auf, so dass einem ihr Schicksal einfach egal blieb, insbesondere da ihre Handlungen ziemlich unrealistisch daher kamen und sie dadurch mehr wie fiktive Personen als wir Menschen wie du und ich wirkten. Mit Harrys Überfahrt nach Kanada wird das Werk deutlich besser, wenn auch der Handlungsstrang in der Anstalt zum Teil etwas abstrus war, da viele Themen (die Cree, Umgang mit psychisch Kranken…) seltsam vermischt wurden, aber meist nur angerissen und nicht wirklich ausgearbeitet wurden. Dem Autor gelingt aber immerhin eine einfühlsame Darstellung der damaligen Vorstellungen zur Homosexualität, die sich auch in Harrys Entwicklung und Wandlung widerspiegelt, die sehr gelungen herausgearbeitet wird. So wächst einem Harry mit der Zeit auch ans Herz, als er mehr und mehr sein Leben selbst in die Hand nimmt. Sehr spannend wird auch die allmähliche Besiedlung Kanadas geschildert, das sehr bildhaft beschrieben wird, so dass man mit der Zeit selbst dort mit Harry zu leben scheint. Doch leider stinkt der erste Teil etwas gegenüber dem zweiten ab, so dass ich ein wenig enttäuscht zurückblieb.

Fazit

Etwas mehr hatte ich mir dann doch von diesem Buch erhofft. Leider beginnt es erst im zweiten Teil wirklich spannend zu werden und erst dann gelingt es, mit den Hauptfiguren eine Verbindung aufzubauen. Die Handlung in Kanada tröstet aber zumindest etwas über den schwachen ersten Teil hinweg, verbindet sie doch fesselnde historische Aspekte mit einer einfühlsamen und packenden Geschichte über den Versuch, in der tiefsten Provinz ein ganz neues Leben anzufangen.

3,5 von 5 Punkten

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