Montag, 25. Januar 2016

Rezension: Biss-Jubiliäumsausgabe - Biss zum Morgengrauen / Biss in alle Ewigkeit (Stephenie Meyer)

Carlsen
Hardcover, 848 Seiten
ISBN: 978-3-551-58500-4
24,99 €


Ein kurzer Einblick

10 Jahre ist es bereits her, dass „Bis(s) zum Morgengrauen“, der erste Teil der Reihe um Bella und Edward, erschienen ist. Dieses Jubiläum hat die Autorin, Stephenie Meyer, zum Anlass genommen, eine Doppelsonderausgabe herauszugeben, in der neben „Bis(s) zum Morgengrauen“ eine Neuerzählung des Romans enthalten ist. Darin sind die Geschlechter vertauscht, alle Frauen sind Männer und umgedreht, und zudem hat die Autorin noch ein paar spannende Veränderungen vorgenommen…

Bewertung

Da „Bis(s) zum Morgengrauen“ bereits ausreichend bekannt sein sollte und schon vielfach rezensiert wurde, bezieht sich dieser Text nur auf die neue Hälfte der Doppelausgabe, die mit „Bis(s) in alle Ewigkeit“ überschrieben ist. Im Grunde ist es eine schöne Idee, alle den Fans der Geschichte von Bella und Edward zum Jubiläum des Erscheinens des ersten Bandes etwas Neues zu bieten. Doch leider wirkt die Idee etwas halbherzig umgesetzt und das gemeinsame Veröffentlichen beider Geschichten in einem Band unsinnig, da die meisten Leser wohl schon eine Ausgabe von „Bis(s) zum Morgengrauen“ besitzen und so unnötig viel Geld bezahlen, um den Roman im Anschluss doppelt zu haben. Wie die Autorin selbst in ihrem Vorwort schreibt, war nicht genug Zeit, um sich etwas Neues auszudenken oder die Geschichte aus Edwards Sicht zu erzählen, wovon bereits mal ein Kapitel veröffentlicht wurde. Dieses Eingeständnis verstärkt leider noch mehr den Eindruck, dass dieser Band veröffentlicht wurde, um noch mehr Profit aus der Geschichte zu schlagen, anstatt sich frühzeitig darüber Gedanken zu machen, wie man den Fans etwas Angemessenes bereiten könne.
Zudem wirken die vertauschten Geschlechter aufgesetzt und der Leser wird nicht wirklich mit ihnen warm. Man hat immer die ursprüngliche Geschichte im Hinterkopf und das Schöne an dieser verdrehten Version ist insbesondere, dass man sich wieder an die Zeit zurückerinnern kann, als man die ursprüngliche Variante las. Doch das hat sich nach einer Weile gegeben und so ist die Geschichte doch arg zäh zu lesen, insbesondere, da man sowieso schon weiß, was passiert.
Leider funktioniert Stephenie Meyers Rollenwechsel einfach nicht. Bei allem Idealvorstellungen, dass Frauen genauso gut bestimmte Rollen wie Männer einnehmen können und dass Männer auch die gleichen Interessen und Verhaltensweisen wie Frauen haben können, ist es einfach doch viel zu viel außergewöhnliches Rollenverständnis. Stephenie Meyer lässt Charlie und Renée ihre Geschlechter behalten, mit der Begründung, es sei quasi unvorstellbar, dass Männer damals das Sorgerecht zugesprochen worden wäre, aber sie lässt Frauen Häuptlinge von Indianerstämmen sein. Wenn sich gleichzeitig noch Frauen ans Reparieren von Autos machen, kampffreudig sind, sich für schnelle Autos interessieren und Männer stattdessen zu Hause bleiben und kochen, dann ist es doch ein wenig zu viel Idealismus.
Leider wird man auch so ganz und gar nicht mit den neuen Personen warm und erinnert sich viel zu gerne an die liebgewonnenen Charaktere des ursprünglichen Bandes zurück. Höhepunkt des Bandes ist das Ende. Hier zeigt Stephenie Meyer Alternativen auf, die einen doch noch einmal über die eigentliche Geschichte, ihren Ausgang und deren Konsequenzen nachdenken lassen. Doch leider wird dieses veränderte Ende weder im Klappentext, noch im Vorwort angedeutet und so muss man doch viel Glück haben, wenn der Leser bis zum Ende durchgehalten hat und dieses neuen Impuls erfährt.

Fazit

Die Idee, etwas zum Jubiläum zu bieten, ist gut, doch die Umsetzung ist leider wenig gelungen. Der Rollentausch funktioniert einfach nicht und lässt den Leser sich nur noch mehr in die ursprüngliche Geschichte zurückhoffen. Doch allein die Erinnerung macht es schwer, einen ganzen Roman durchzuhalten, was schade ist, da das Ende durchaus noch einmal großes Potential bietet.

2 von 5 Punkten


Wir danken Carlsen für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen