Dienstag, 26. Januar 2016

Filmkritik: Brooklyn



Die Romanverfilmung „Brooklyn“ zu Colm Tóibíns gleichnamigem Werk lief letzte Woche in den deutschen Kinos an, worüber wir euch bereits informiert hatten. Regie führte dabei John Crowley nach dem Drehbuch von Nick Hornby. Erzählt wird im Film die Geschichte der jungen Eilis Lacey (Saoirse Ronan), die von Irland in den 1950er Jahren in die USA auswandert und versucht, sich in Brooklyn ein neues Leben aufzubauen. Ihr anfängliches Heimweh kann sie schnell durch eine Liebesbeziehung abstellen, doch bald schon wird ihr neues Leben auf eine harte Probe gestellt, als ihre Familie in Irland ein Schicksalsschlag ereilt, und sie muss sich zwischen zwei Ländern und auch zwischen zwei ganz verschiedenen Lebensweisen entscheiden.

Ich habe leider nicht die Buchvorlage gelesen, so dass ich nicht die Verfilmung mit ihr vergleichen kann, aber ich kann sagen, für sich genommen hat mir der Film wirklich sehr gut gefallen. Dies lag vor allem an der sehr, sehr tollen Hauptdarstellerin, der man von Anfang an ihre Rolle voll und ganz abgenommen hat. Ronan hat ihrer Rolle Eilis so viel Wärme eingehaucht, dass sie einem direkt ans Herz wächst und man ganz gebannt ihr weiteres Schicksal verfolgt. Es fühlte sich beinahe so an, als würde man selbst seine Heimat verlassen und in den USA der 1950er Jahre ein neues Leben beginnen. Allein durch ihre Blicke oder Gesichtszüge konnte Ronan bereits so viel ausdrücken, so dass Eilis als wirklich lebendige Person wirkte. Auch ihre Wandlung konnte Ronan wirklich gelungen herausarbeiten, wie sie sich zunächst in Brooklyn ganz fehl am Platz fühlte, von ihrem Heimweh beinahe zerfressen wurde und soziale Kontakte mied, bis sie sich mehr einlebte, im Job lockerer wird, ausgeht, einen Abendkurs beginnt und schließlich Tony kennen lernt.
Als Eilis schließlich kurze Zeit nach Irland zurückkehrt, nimmt der Film noch einmal richtig Fahrt auf. Durch die Gegenüberstellung ihres Lebens in den USA zu dem in Irland, das durch tolle Landschaftsaufnahmen dargestellt wird, werden spannende Fragen nach Heimat und Ferne, dem Finden seines eigenen Platzes auf der Welt aufgeworfen, so dass man sich genauso schwer wie Eilis entscheiden kann, wo sie wirklich hingehört. Beide Länder und ihre Lebensweise dort haben ihr Für und Wider, Eilis hält an beiden Orten etwas. Doch wie sie sich dann entscheidet, also warum, aus welchem konkreten Auslöser, dies wurde leider sehr unrealistisch und wenig glaubwürdig dargestellt. Ansonsten ist der Film wirklich gelungen, doch ihre Entscheidungsfindung war für mich leider nicht schlüssig, wenn ich auch mit ihrer Entscheidung an sich einverstanden war. Doch auch so wird man wirklich sehr gut unterhalten, obwohl eigentlich nicht sehr viel passiert, ist diese Verfilmung sehr spannend, berührend und auch lustig.

Fazit

Den Machern ist ein absolut schönes Gesamtkunstwerk gelungen. Mich hat der Film auf ganzer Linie begeistert, was wirklich hauptsächlich an seiner herausragenden Hauptdarstellerin lag, die ich bisher nur als Kind in „Abbitte“ kannte. Gefühl, Spannung, Abenteuerlust, Humor, dieser Film bietet wirklich alles, was man sich als Kinozuschauer nur wünschen kann. Bei mir hat er auch noch Interesse an weiteren Werken des Autors der Buchvorlage geweckt, die sollte ich mal bei Gelegenheit lesen, wenn aus ihnen so schöne Verfilmungen entstehen können.

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