Mittwoch, 23. Dezember 2015

Rezension: Zu schnell (John Boyne)

Fischer KJB
Taschenbuch, 112 Seiten
ISBN: 978-3-596-81127-4
6,99 €

Ein kurzer Einblick

John Boynes kurzer Roman erzählt eindrucksvoll, wie ein kurzer Moment unser Leben und das unser nächsten Angehörigen für immer verändern kann. Dies passiert in Dannys Familie, als seine Mutter einen kleinen Jungen anfährt, der plötzlich auf die Straße läuft. Der Junge liegt schwer verletzt im Krankenhaus und Dannys Mutter wird von ihren Schuldgefühlen zerfressen, Dannys Familie droht zu zerbrechen. Da lernt er die Schwester des kleinen Jungen kennen und erfährt mehr über den Unfall...

Bewertung

So allmählich lese ich mich durch das gesamte Werk vom irischen Autor John Boyne, da durfte sein knapper Roman „Zu schnell“, der zum Teil eher an eine Kurzgeschichte erinnert, natürlich auch nicht fehlen. Die Geschichte wird, wie so oft bei Boyne, aus der Sicht des Kindes erzählt, in diesem Fall der zwölfjährige Danny, für den sich sein Leben drastisch ändert, als seine Mutter den kleinen Jungen anfährt und plötzlich nicht mehr ihre Aufgaben innerhalb der Familie wahrnehmen kann. Auch sein Vater konzentriert sich komplett auf seine Frau und vernachlässigt seinen Sohn, der zumindest ein wenig Trost durch die Mutter eines Freundes erfährt, die nebenan wohnen. Dannys älterer Bruder Pete, der mittlerweile in Edinburgh studiert, ist auch nicht da, da er entgegen seiner Versprechungen seine Ferien nicht bei der Familie, sondern lieber mit Freunden in Europa verbringt. So zeichnet Boyne ein eindringliches Bild dieser kleinen Familie, die durch den einen Schicksalsschlag auseinanderzubrechen droht. Er beschreibt eindrucksvoll die Dynamik innerhalb der Familie, der es nicht gelingt, über ihre Gefühle zu kommunizieren, was bisher nur unterschwellig existierende Konflikte hervorbrechen lässt und die Familie zusätzlich belastet.
All dies schildert der Autor sehr emotional und mitfühlend. Boyne zeigt wieder einmal, dass er sich sehr gut in Kinder und ihre Gefühlswelt hineinversetzen kann. Man stellt sehr schnell eine Verbindung zu Danny her und leidet mit ihm mit, kann sich sehr gut in ihn hineindenken, während die Reaktionen der Eltern, vor allem auch die von seiner Mutter insbesondere an seinem Geburtstag, doch zum Teil etwas heftig und unrealistisch sind. Danny geht in meinen Augen für sein Alter schon recht erwachsen mit der ganzen Situation um, im Gegensatz zu seinen Eltern. Einige Punkte hätten vielleicht noch ausgeweitet werden können, die Geschichte funktioniert durchaus so auf wesentliche Aspekte komprimiert, liest sich wirklich sehr schnell runter, doch ein längerer Roman wäre auch möglich und wünschenswert gewesen. Das Ende enttäuschte mich dann doch ein wenig, es war etwas schwach und simple, dies passte nicht zur ansonsten komplexen Handlung.

Fazit

Ein fesselndes und berührendes kleines Bändchen von einem meiner gegenwärtigen Lieblingsautoren, das interessante Fragen nach Schuld und Vergebung aufwirft und trotz seiner knappen Seitenanzahl wirklich viel zu sagen hat. John Boyne ist wieder eine eindrucksvolle Geschichte um ein Kind gelungen, das dem Leser direkt ans Herz wächst. Somit kann ich es bedenkenlos weiterempfehlen.

4 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen