Dienstag, 15. Dezember 2015

Rezension: Wild Cards 2. Der Sieg der Verlierer (George R. R. Martin (Hrsg.))

Penhaligon
Klappenbroschur, 576 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3129-4
15,00 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-641-17123-0


Ein kurzer Einblick


Eine Atomexplosion vernichtet Pyote, Texas. Der Junge Drake ist nicht in der Lage sein Wild-Cards-Talent zu beherrschen und löschte seinen Heimatort aus. Währenddessen rast ein Hurrikan auf New Orleans zu und im Nahen Osten werden die Medien von der Ölkrise gefüttert. Die ehemaligen Helden aus American Hero haben alle Hände voll zu tun, um größere Katastrophen zu verhindern oder einzudämmen.

Bewertung

Einmal mehr prangt der Name George R. R. Martin auf dem Cover. Einmal mehr fungiert der Schöpfer von »Game of Thrones« als Herausgeber. Die Kurzgeschichten stammen alle aus fremder Feder. Band 1-6 veröffentlichte Heyne (teils aufgesplittet in 2 Bücher). Mit Band 19 erschien »Wild Cards 2. Der Sieg der Verlierer« im Penhaligon Verlag. Die Nummernvergabe ist etwas irreführend, doch liest sich die Reihe auch ohne Vorwissen. Niemals hatte ich das Gefühl, dass mir Wissen fehlen würde. Wenn bei euch, liebe Leser, Fragen aufgekommen sein sollten: Für den Juni ist »Wild Cards. Die erste Generation 1. Vier Asse«, der erste Band der Reihe angekündigt. Spätestens dann dürften alle Fragen zur Entstehung der Wild Cards geklärt werden.

Die Asse sind die Helden unter den Virusopfern. Physisch unversehrt stehen ihnen ungeahnte Fähigkeiten zur Verfügung. Teils gefürchtet, teils verehrt genießen die Asse die mediale Aufmerksamkeit und mischen sich in politische Angelegenheiten ein. Die ehemaligen Kandidaten aus der Casting Show »American Hero« arbeiten mittlerweile für die UNO. Da hätten wir u.a. ...
  • Drummer Boy, das lebende Schlagzeug mit sechs Armen
  • Jonathan Hive, der sich in Millionen von Wespen verwandelt
  • Amazing Bubbles, die Blasen aus ihrem Körper formt und Geschossen gleich abfeuert
  • Earth Witch, die Frau, die mit Gedanken Löcher gräbt
... und natürlich ein paar neue Helden. Alle suchen sie ihre Position in der konfusen Story. Bevor ich diesen Punkt vertiefe, möchte ich eine der großen Stärken des ersten Bandes loben: »Das Spiel der Spiele« hat es mühelos geschafft, eine Vielzahl von Charakteren unterzubringen, niemals den Überblick zu verlieren und die Geschichte gleichsam zielstrebig wie auch charaktervertiefend auszubreiten. Die Erzählungen lasen sich wie aus einem Guss. Die Autoren warfen sich die Handlungsfäden geschickt zu und woben einen faszinierenden Roman. Hiervon ist nur der Hauch einer blassen Ahnung geblieben. Die Handlungsfäden driften auseinander, die Helden verteilen sich über die Kontinente. Letztendlich ist es unglaublich schwer einen Überblick zu behalten. In New Orleans retten Bugsy alias Jonathan Hive, Amazing Bubbles und Earth Witch die Menschen vor einem gewaltigen Hurrikan. John Fortune versucht in Afrika einen Bürgerkrieg zu verhindern. Drummer Boy und Curve Ball haben im Nahen Osten den Auftrag die Ölkrise zu beenden. Mit Sicherheit habe ich nicht alle Charaktere aufgezählt, die neuen habe ich noch gar nicht genannt. Neben den bereits genannten Schauplätzen, gibt es einen weiteren: den der Haupthandlung.

Das BICC ist eine Forschungseinrichtung, die die Fähigkeiten von Jokern und Assen untersucht. Dorthin wird Drake eingeliefert. Aus einem Wutanfall heraus löste er eine Atomexplosion aus und vernichtete damit seinen Heimatort Pyote. Er ist der einzige Überlebende, eine wandelnde Bombe, die ihr Wild-Cards-Talent nicht unter Kontrolle hat. Gemeinsam mit Niobe alias Genetrix gelingt ihm die Flucht. Niobes Fähigkeit ist so faszinierend wie traurig: Wenn sie Sex hatte, ist sie in der Lage Eier zu legen aus denen Homunkuli schlüpfen. Deren Lebensspanne beschränkt sich auf ein paar Tage. Was diese kleinen Wesen so besonders macht, ist die hohe Wahrscheinlichkeit ein Ass zu ziehen. Jedes ihrer Kinder besitzt damit eine einzigartige Fähigkeit.

Trotz der konfusen Handlung lesen sich die Storys verdammt spannend. Kleinere Durchhänger sind schnell ausgemerzt. Überraschungen, die die Geschichten zwar nicht komplett umkrempeln, aber stets einen interessanten neuen Faktor verleihen, geben eine leichte Würze. Glaubwürdig ist die Story, vielfältig sind die Charaktere. Die Autoren geben ihr Bestes um Charaktere zu erschaffen, die ihrer Persönlichkeit treu bleiben, und eine Welt aufzubauen, die in sich stringent ist. Leider, leider (!) können die wirklich hervorragend geschriebenen Geschichten die zerstreuten Handlungsstränge nicht beisammenhalten. Dafür sind es einfach zu viele Figuren an zu vielen Orten. Der Überblick geht verloren.

Fazit

Trotz fantastischer, spannender und mitreißender Geschichten gelingt es »Wild Cards« nicht zu überzeugend. Es wäre klüger gewesen sich auf einen Handlungsstrang zu konzentrieren als Handlungen weltweit agieren zu lassen. Das geht besser, das hat »Das Spiel der Spiele« bewiesen. Hoffen wir auf Besserung und seien wir gespannt, wie die Abenteuer der liebgewonnenen Asse weitergehen.

2,5 von 5 Punkten

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