Mittwoch, 30. Dezember 2015

Rezension: Uns gehört die Welt! (Klaus Werner-Lobo)

dtv
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-423-62452-7
9,95 €

Ein kurzer Einblick

Im Zeitalter der Globalisierung sind viele Menschen unermesslich reich geworden, doch die Mehrheit der Erdbevölkerung ist durch unser Wirtschaften in einer vernetzten Welt noch ärmer geworden. Dies liegt zu großen Teilen an großen Konzernen, sogenannten Multis, die ihrem Hauptziel, dem maximalen Profit ethische Grundsätze, menschenwürdige Arbeitsverhältnisse und Umweltschutz deutlich unterordnen. Warum dies so ist, hat Klaus Werner-Lobo in diesem Buch eingehend untersucht. Es klärt über die gegenwärtige Weltwirtschaft auf, erläutert Ursachen für Armut, Hunger, Kinderarbeit und Umweltzerstörung und zeigt zudem, was wir jeder für uns allein dagegen unternehmen können…

Bewertung

Ich habe vor einiger Zeit erst damit angefangen, mich eingehend mit dieser Thematik zu beschäftigen, so dass ich auf der Suche nach einem guten Überblickswerk war, das ich hiermit gefunden habe. Es gibt einen ersten Einblick in unser heutiges Weltwirtschaftssystem, bei dem wenige sehr reich werden, aber umso mehr Menschen dafür auf der Strecke bleiben, ausgebeutet werden und an Hunger sterben, während wir im absoluten Überfluss leben. Der Autor widmet sich dabei kapitelweise verschiedenen Themen und Branchen. Er stellt das Verhältnis zwischen Reichen und Armen auf der Welt dar, geht dann stärker auf die Multis, also die multinationalen Konzerne ein, deren Einfluss und Reichtum sukzessive steigt, zeigt in einem gesonderten Kapitel auf, wie diese im Grunde genommen die Ausbeutung des Südens weiterführen, die während der Kolonialzeit begann, und Kriege aus wirtschaftlichen Erwägungen finanzieren, in denen auch Kindersoldaten zum Einsatz kommen. Ein Kapitel beschäftigt sich damit, wie fast alle unsere Konsumprodukte in Billiglohnländern produziert werden, wofür die Arbeiter extrem schlecht bezahlt werden, über keine gewerkschaftliche Vertretung verfügen und auch Kinder zur Arbeit gezwungen werden. Ein anderes zeigt eindrucksvoll, welche Zustände in der Lebensmittelproduktion herrschen, wo Kinderarbeit und sogar Sklaverei vorkommen, Tiere gequält werden, die Umwelt zerstört wird und die Nahrungsmittel so ungerecht verteilt sind, dass täglich 100000 Menschen weltweit an den Folgen des Hungers sterben! Die folgenden Kapitel handeln vom Erdöl, von Medikamenten und der Finanzwirtschaft, um dann zum zweiten Teil des Buches überzugehen, in dem Werner-Lobo über Alternativen und Verbesserungsmöglichkeiten zu unserem Wirtschaften nachdenkt und Anregungen gibt, wie wir jeder einzelne für sich ein klein wenig gegen die Missstände unternehmen können. Unterstützt werden seine Ausführungen mit zahlreichen Angaben wichtiger Homepages, auf denen man mehr Informationen zu den jeweiligen Themen erhalten und mehr darüber erfahren kann, wie man sich gegen unseren Weltkapitalismus zur Wehr setzen kann. Dem folgen noch Werner-Lobos 10 Forderungen an die Politik, die noch einmal seine Darstellungen kurz und kompakt zusammenfassen, und seine Firmenportraits von vielen großen Multis, die ihre Machenschaften darstellen und Homepages auflisten, auf denen man mehr über den jeweiligen Konzern erfahren kann. 
Allein an dem Aufbau merkt man bereits, dass dieses Buch vor allem als Überblickswerk für Jugendliche gedacht ist. Es ist sehr verständlich verfasst, erfordert kaum Vorkenntnisse, gibt immer einen ersten, noch nicht sehr tiefgehenden Einstieg in die verschiedenen Themen und soll zur weiteren Beschäftigung mit der Thematik einladen, wofür am Schluss des Buches auch noch Literatur- und Filmhinweise gegeben werden. Es ist trotzdem aber auch sehr für Erwachsene geeignet, die einen informativen Einstieg in diese Thematik suchen, denn es kann so richtig wachrütteln, wenn wir in unserem Alltagstrott mit kühler Coca-Cola aus dem Kühlschrank und mit einem Milka-Weihnachtsmann auf dem Tisch in H&M-Klamotten auf dem Sofa sitzen, unseren Laptop mit Windows vor uns, die Adidasschuhe im Flur, die Aspirin im Badezimmer, und uns nicht klarmachen, wie all diese Produkte etwas mit Menschenrechtsverletzungen zu tun haben. Das Buch hat wirklich mit meinen letzten Illusionen aufgeräumt, was die Erwirtschaftung unserer Konsumgüter angeht, und mich tief berührt, insbesondere die Darstellungen zur Kindersklaverei lassen mich nicht mehr los. Deshalb von mir der ganz eindringliche Appell: lest dieses Buch und/oder das von mir rezensierte von Kathrin Hartmann und lasst uns alle gemeinsam nicht mehr wegsehen, wenn unser Wohlstand mit der Ausbeutung der Menschen in den ärmeren Ländern der Welt einhergeht. Wir sollten uns immer bewusst machen, wie verschwenderisch wir mit unseren Gütern umgehen, für was für einen Schrott wir zum Teil unser Geld ausgeben, während etwa jede Sekunde ein Mensch auf der Welt an den Folgen von Hunger stirbt! 
„Lassen wir uns nicht verkaufen. Lassen wir uns vor allem nicht für dumm verkaufen. Dann gehört uns die Welt.“ (S. 11)
Fazit

Werner-Lobo bietet mit seinem Buch einen informativen, aufrüttelnden Einstieg in die Beschäftigung mit den weltweiten Missständen im Zuge der Globalisierung, den ich wirklich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann! Ich hätte mir zwar hin und wieder tiefergehende Informationen zu den einzelnen Themen gewünscht, als Überblickswerk eignet sich das Buch aber hervorragend, da es auch zahlreiche Tipps zur weiterführenden Lektüre gibt.

4 von 5 Punkten

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