Montag, 21. Dezember 2015

Rezension: The Thief of Time (John Boyne)

Black Swan
Taschenbuch, 528 Seiten
ISBN: 978-0552776158
8,90 € (Stand: 21. Dezember 2015)

Ein kurzer Einblick

Matthieu Zela wird 1743 in Paris geboren und flieht bereits mit 15 Jahren nach Dover, nachdem seine Mutter nach dem frühen Tod des Vaters brutal ermordet wird. Seinen kleinen Halbbruder Tomas nimmt er mit und auf der Reise trifft er auf die kaum ältere Dominique, die sich ihnen anschließt und seine eine große Liebe wird. Er führt ein ereignisreiches Leben, erlebt die französische Revolution mit und bemerkt mit der Zeit, dass er seltsamerweise nicht altert. Im Jahr 1999 sieht er auf seine vergangenen 256 Jahre zurück, auf Liebschaften, Kriege, seine Erfahrungen in Hollywood in den 1920er Jahren, die Weltwirtschaftskrise 1929, seine Arbeit in der Fernsehbranche und auf die Nachfahren seines Bruders, die einer nach dem anderen sehr früh starben…

Bewertung

„The Thief of Time“ ist der erste Roman von John Boyne, der allerdings nicht in deutscher Übersetzung erschienen ist. Er ist dreigeteilt. Ein Fokus der Handlung liegt auf der Geschichte des jungen Matthieu und Dominique, wie diese Frankreich verlassen und versuchen, sich in England ein neues Leben aufzubauen. Der zweite wichtige Handlungsstrang spielt im Jahre 1999, als Matthieu auf sein Leben zurücksieht und versucht, den einen lebenden Nachfahren seines Bruders, Tommy, davor zu bewahren, das gleiche Schicksal wie seine Vorfahren zu erleiden und sehr früh zu sterben. Unterbrochen werden diese zwei Hauptstränge immer wieder durch Rückblenden auf wichtige Ereignisse in Matthieus langem Leben, wie etwa seine Zeit in Hollywood, seine Mithilfe an den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit oder seine Arbeit in der Fernsehbranche. Diese Ausschnitte werden jedoch nicht chronologisch erzählt, sondern sind durcheinander, so dass man ein wenig Schwierigkeiten hat, zumindest zu Anfang, Matthieus Erlebnisse und Ehefrauen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Dies legt sich jedoch mit der Zeit, auch da die Ausschnitte nicht wirklich von Bedeutung für die Haupthandlungsstränge sind und ziemlich isoliert stehen.
Als ich das erste Mal auf diesen Roman aufmerksam wurde, fand ich die Idee an sich sehr originell, mehrere Jahrhunderte aus der Sicht einer Person, die schlichtweg nicht altert, zu erzählen, doch die Umsetzung lässt dann leider ein wenig zu wünschen übrig. Zum einen ist das Buch in vielen Punkten (mal abgesehen davon, dass ein Mensch natürlich nicht so alt werden kann) sehr unrealistisch. Matthieu kommt aus armen Verhältnissen, muss völlig auf sich allein gestellt sein Leben von ganz unten aufbauen und wird dann natürlich sehr, sehr erfolgreich und das auch noch in vielen verschiedenen Branchen wie Film und Fernsehen und lernt zusätzlich selbstverständlich viele berühmte Persönlichkeiten einfach mal zufällig kennen. Zum anderen hat das Buch das Problem, dass die Geschichten zu unzusammenhängend sind. Die Handlung aus seiner Jugend ist wirklich berührend und spannend und lässt den Leser das Buch weiter lesen, während die anderen vor allem den Lesefluss stören und oftmals wirklich langweilig sind, weil sie eben so gut wie nichts mit der zweiten Haupthandlung im Jahr 1999 zu tun haben. Auf diese könnte man gut und gerne verzichten. Auch die Handlung in 1999 ist über weite Strecken eher schwach, die ganzen Geschichten aus der Fernsehwelt konnten mich überhaupt nicht fesseln, was immerhin gegen Ende etwas besser wird. Doch leider ist auch das Ende bereits sehr früh sehr genau vorhersehbar, was ich oftmals bei Boynebüchern kritisieren muss, und irgendwie noch seltsam kitschig und simple, so dass dieser Roman mich ein wenig enttäuschte. Hätte der Autor die Geschichte um Matthieu und Dominique ausgeweitet und sich nur auf diese fokussiert, hätte ich dem Buch durchaus 5 Punkte geben können, so muss ich leider einige Abstriche machen.

Fazit

Nach den vielen geäußerten Kritikpunkten ist deutlich geworden, dass Boynes erster Roman einige Schwächen aufweist. Aus der originellen Idee hätte der Autor mehr machen können. Ein großer Lichtblick ist aber seine Handlung um den jungen Matthieu, die den Leser wirklich berührt und fesselt und bereits Boynes großes Schreibtalent in so frühen Jahren aufblitzen lässt. Ein erster Roman muss ja vielleicht auch nicht gleich perfekt sein.

3,5 von 5 Punkten

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