Sonntag, 20. Dezember 2015

Rezension: Nur über deine Leiche (Dan Wells)

Piper
Kartoniert, 384 Seiten
ISBN: 978-3-492-28024-2
12,99 €

Ein kurzer Einblick

John und Brooke sind die einzigen, die das Massaker in Fort Bruce überlebt haben. Seitdem haben sie sich vom FBI abgesetzt und trampen allein durchs Land, um die Verwelkten aufzuspüren und zu eliminieren. Das gelingt ihnen gut, auch wenn ihr Leben dadurch aus beständigem Geldzählen und Übernachten unter freiem Himmel besteht. Doch als die beiden auf ihrer Jagd in der Kleinstadt Dillon in Oklahoma eintreffen, passieren dort nach Jahrzehnten friedlichen Zusammenlebens der Kirchengemeinde erstmals rätselhafte und teilweise bestialische Morde. Hätten Sie diesen Ort lieber meiden sollen?

Bewertung

Die Optik des Buches entspricht wieder dem typischen Serienkiller-Stil und reiht sich somit perfekt neben den anderen Bänden ein. Sogar der deutsche Titel entspricht dieses Mal dem Original „Over your dead body“. Soviel zur Pflicht…
Zur Kür ist zu sagen, dass anders als in „Du bist noch nicht tot“, wo eher die Verwelkten in den (psychologischen) Mittelpunkt gestellt wurden, hier jetzt ganz klar das Augenmerk auf John und Brooke ruht. Insbesondere die vielfältigen Persönlichkeiten der Mädchen, die Niemand im Laufe der Jahrhunderte eingenommen und getötet hat und nun durch Brooke agieren, kommen gut zur Geltung. Zudem tritt auch eine alte Bekannte von John wieder in Erscheinung, was mich persönlich sehr gefreut hat. Denn dadurch konnte auch von John wiederum eine andere Seite gezeigt werden. Die Entwicklung der beiden kommt klasse durch den Text zum Vorschein und man merkt gerade John an, dass er immer erwachsener wird. Auf seine Art und Weise… 
Mich hat vor allem die persönliche Einschätzung unserer alten Bekannten über John fasziniert und beeindruckt, weil es ihn in vortrefflicher Weise beschreibt: 

„Ich habe mich nicht mit dir getroffen, weil du gefährlich warst. Aber du warst der einzige Junge der Schule, der wusste, wie gefährlich er war. Und du hast aktiv etwas dagegen unternommen.“ (Seite 152)

Das ist ein wunderbarer Bezug zur heutigen Zeit. Ich denke, jeder hat mal dunkle Gedanken oder spürt Gefühle, die totgeschwiegen werden, weil sie einfach nicht in die Gesellschaft gehören sollen und sich aus diesem Grund immer mehr aufstauen und irgendwann heraus wollen. Für mich ist John damit ein klasse Spiegelbild aller Menschen, der es geschafft hat, sich selbst zu beherrschen. 
Insgesamt geht es im Vergleich zu den Vorbänden viel ruhiger zu. Nichtsdestotrotz entwickelt sich die Geschichte überraschend und überaus wendungsreich. Der Leser erlebt zwar keine großen Schlachten und auch das Showdown in Dillon scheint man eher wie von weitem und sehr neutral zu betrachten. Aber genau das hat mir an diesem Band total gefallen. Es ist einfach das Gesamtpaket, das hier stimmt. Dass das Ende dann auch noch wieder einen gelungenen Abschluss zu diesem Band darstellt und gleichzeitig auch als offenes Ende fungiert, setzt dem Ganzen dann noch das i-Tüpfelchen auf.

Fazit

Dieses Mal liegt der Fokus nicht auf vielen Charakteren, sondern Brooke und John werden in den Mittelpunkt gerückt. Action gibt es nur gedämpft und recht neutral beschrieben, doch ist es gerade dieser Gegensatz zum letzten Band, der „Nur über deine Leiche“ so faszinierend macht. 

5 von 5 Punkten


Wir danken Piper für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen