Donnerstag, 17. Dezember 2015

Rezension: Hundert Jahre Einsamkeit (Gabriel García Márquez)

Fischer Verlage
Taschenbuch, 480 Seiten
ISBN: 978-3-596-16250-5 
9,95 €


Ein kurzer Einblick

„Hundert Jahre Einsamkeit“ erzählt, wie der Titel schon vermuten lässt, die hundertjährige Geschichte der Familie Buendía und ihren schließlichen Untergang. Der magische Realismus des Romans zeigt Siege und Niederlagen, Stolz und Zerstörungswut sowie Vitalität und Zerfall auf. Dabei spiegelt sich vieles der Entwicklung Lateinamerikas in dem fiktiven Dorf Macondo wider.

Bewertung

„Hundert Jahre Einsamkeit“ ist ein sehr verworrener Roman, den man mit aller Konzentration lesen sollte, um ihm angemessen folgen zu können. Gabriel García Márquez hat ein Meisterwerk der Literatur geschaffen, das seine Erzählkunst eindrucksvoll verdeutlicht. Der Roman spielt über 100 Jahre lang und ist von einer Reihe von Vor- und Rückblenden geprägt. Abgesehen vom ersten Kapitel, bei dem deutlich vorgegriffen wird, gliedern sich diese Vor- und Rückblenden jedoch in den Erzählverlauf ein. Einzige Schwierigkeit bei diesen Blenden ist, dass im Roman fünf Generationen der Buendías auftreten, deren Namen sich nur unwesentlich bis gar nicht unterscheiden, sodass häufig nicht von vornherein eindeutig ist, wer nun gemeint ist.
Generell ist die Anzahl an Charakteren die große Herausforderung des Romans. Ihre wenig unterscheidbaren Namen machen es dem Leser häufig schwierig zu folgen. Daher sei jedem geraten, beim Lesen einen Stammbaum zu erstellen, um dem Roman besser folgen zu können. Die Verbindungen und Verwirrungen zwischen den Personen gepaart mit den magischen Elementen des Romans tragen ihr Übriges zum schwierigen Verständnis bei. Dennoch ist gerade das auch das Faszinierende des Romans. Innerhalb der verschiedenen Generationen finden sich immer wieder Personen, die einander vom Charakter her ähnlich sind bzw. bei denen sich Schicksale in ähnlicher Weise wiederholen. So existieren mindestens zwei Charakterstränge im Roman, die diesen entscheidend prägen. Zudem gibt es innerhalb der Familie zentrale Personen wie Oberst Aureliano Buendía und die Stammmutter Ursula, deren Handeln die gesamte Familiengeschichte am stärksten beeinflussen. Daneben tauchen immer wieder sogenannte „Zigeuner“ auf, die die Familiengeschichte prägen.
Doch der Roman erzählt nicht nur die Geschichte der Familie, sondern zugleich die des Dorfes, das die Familie gemeinsam mit anderen gründet und dessen Schicksal an das der Familie gekoppelt ist. Das Dorf macht die Entwicklung hin zu einer Etablierung durch, bei der sich viele Parallelen zur Geschichte Lateinamerikas erkennen lassen. Nach der Gründung wird Macondo ins System eingegliedert. Dies führt zu Bürgerkriegen, bei denen Oberst Aureliano Buendía sich zentral hervorhebt. Der Wohlstand kommt durch die Ansiedlung einer Bananenfirma im Dorf an und bringt einen Bahnhof, der zugleich den Untergang des Dorfes bereitet. Damit wird Macondo auf das gleiche Schicksal zurückgeworfen, das es zu Beginn der Geschichte hatte, ebenso wie die Familie Buendía selbst. Die magischen Elemente des Romans sind dabei klug gewählt und passen sich sehr gut in die Erzählstruktur ein. So wirkt es bei allem Schein, dass eine reale Geschichte erzählt wird, nicht störend, dass etwa einzelne Personen außergewöhnlich lange leben, sondern die magischen Momente unterstreichen vielmehr bestimmte Entwicklungen, indem etwa der Untergang mit einem vier Jahre langen Regen angekündigt wird.

Fazit

Gabriel García Márquez hat mit „Hundert Jahre Einsamkeit“ ein Meisterwerk der Erzählkunst geschaffen. Der Roman ist durch seine vielen Charaktere und deren Verbindungen verworren geschrieben, doch kann der Leser einiges entdecken, wenn er sich auf den magischen Realismus einlässt. Wer konzentriert liest und sich gegebenenfalls Unterstützung beim Folgen der Handlung schafft, kann in der Geschichte Macondos und der Familie Buendía viel zum Nachdenken erkennen.

4 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Huhu,

    ich habe dich mit dieser Rezension auf meiner Weltreiseseite in Kolumbien verlinkt. Ich hoffe, dass das ok ist. Ansonsten sag mit bitte einfach bescheid, dann nehme ich den Link direkt wieder raus :)
    Das mit dem konzentrierenmüssen kann icch voll nachvollziehen. Alleine, dass die Namen sich immer wieder wiederholen hat mich immer ein bisschen durcheinander gebracht.

    Liebe Grüße
    Ciri

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