Mittwoch, 2. Dezember 2015

Rezension: Das Kolosseum (Keith Hopkins, Mary Beard)

Reclam Verlag
Taschenbuch, 251 Seiten
ISBN: 978-3-15-018611-4
6,80 €

Ein kurzer Einblick

Auch heute noch, beinahe 2000 Jahre nach seiner Fertigstellung im Jahre 80 n. Chr., ist das Kolosseum, das größte Amphitheater der Welt, eins von Roms bekanntesten Sehenswürdigkeiten, das jährlich immer noch etwa drei Millionen Touristen besuchen. Dieses Bändchen der angesehenen englischen Altertumswissenschaftler Keith Hopkins und Mary Beard führt in seine Geschichte ein, berichtet von seinem Bau durch den Kaiser Vespasian und seiner Nutzung für Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen während der Antike und von seinen späteren Funktionen etwa als Festung, eine Art Kirche und botanischen Garten, während es immer wieder Plünderungen ausgesetzt war, bis es endlich ab den 1870er Jahren allmählich als archäologische Stätte anerkannt wurde, die es zu schützen galt.

Bewertung

Dieses Buch ist in Gemeinschaftsarbeit von Mary Beard und Keith Hopkins entstanden, jedoch nicht, wie man sich dies üblicherweise vorstellt. Hopkins plante ein Werk über das Kolosseum, konnte dieses allerdings vor seinem Tode nicht vollenden, so dass Beard seine Vorarbeiten nutzte und das Buch fertig stellte. Es ist weitestgehend chronologisch aufgebaut, fängt aber zunächst im ersten Kapitel mit der Frage an, wie das Gebäude im 19. Jahrhundert etwa in Reiseführern und anderer Literatur behandelt wurde, welche Aspekte die Menschen interessierten und wie wir heute im 21. Jahrhundert auf das Kolosseum reagieren, insbesondere im Spannungsverhältnis zwischen Bewunderung des herausragenden Bauwerks und Abscheu angesichts seiner blutigen Nutzung in der Antike. Das zweite Kapitel beschäftigt sich dann mit dem Bau des Kolosseums und der Zeitumstände um 80 n. Chr., im dritten Kapitel folgt die Eröffnung des Amphitheaters mit Gladiatorenkämpfen und Tierhetzen, die außerdem ausführlicher erläutert werden. Der nächste Teil widmet sich stärker den Menschen, die im Kolosseum arbeiteten oder zusahen, wie Gladiatoren, Jäger und Tierhetzer, auch die „Bereitstellung“ und „Beschaffung“ der Tiere für die Kämpfe werden näher dargestellt wie auch das Publikum und der Kaiser und wie diese auf die Vorstellungen reagierten. Das fünfte Kapitel schildert die baulichen Aspekte des Kolosseums, insofern wir diese kennen, und das letzte Kapitel stellt noch dar, wie das Kolosseum nach dem Untergang des Weströmischen Reiches bis heute genutzt wurde und wie es zu seinem heutigen Zustand kam. Dabei werden alle Ausführungen immer wieder mit aufschlussreichen Abbildungen ergänzt, es gibt am Ende des Buches hilfreiche Tipps für eine Besichtigung der Stätte wie auch viele weiterführende Literaturhinweise.
Alles in allem erhält man somit ein informatives und meist spannend zu verfolgendes Einstiegswerk, das zu einer tieferen Beschäftigung mit der Gebäude einlädt und vor allem auch all die wissenschaftlichen Debatten um das Kolosseum gut herausarbeitet, da im gesamten Text offen zugegeben wird, was Wissenschaftler noch nicht wissen oder auch nicht mehr erschließen können aufgrund der schwierigen Quellenlage, und da mit zahlreichen Mythen rund um das Amphitheater aufgeräumt wird. Mir persönlich wurde ein zu großer Fokus auf die Gladiatorenkämpfe und die Tierhetzen gelegt, das Gebäude an sich hätte stärker im Zentrum des Buches stehen sollen, da insbesondere das Kapitel über die baulichen Aspekte mit das interessantste war. Wenn ich es mit dem Buch über den Parthenon von Mary Beard vergleiche, das deutlich mehr Informationen zu dem Gebäude an sich bot, fällt das Kolosseumbuch im Vergleich dazu ein wenig ab, aber vielleicht war dies auch etwas der schwierigen Quellenlage geschuldet. Beim Kolosseum scheint wirklich einiges unsicher zu sein. Dafür war aber insbesondere das letzte Kapitel zum Kolosseum durch die Jahrhunderte bis heute wieder sehr gut gelungen. Es ist immer wieder interessant zu sehen, was diese antiken Gebäude alles durchmachen mussten und wie unterschiedlich sie genutzt und auch gedeutet wurden, bis sie in ihrem heutigen Zustand ankamen.

Fazit

Ein gelungenes Einstiegswerk für die Beschäftigung mit dem Kolosseum, das wissenschaftlich fundiert und gut lesbar in all die Diskussionen rund um dieses bedeutende Bauwerk einführt und das das, was wir bereits wissen, gekonnt zusammenfasst. Aufgrund der knappen Seitenzahl wird vieles nur angerissen, doch dieses kleine Bändchen lädt dafür umso mehr zu einer weiteren Beschäftigung mit diesem beeindruckenden Amphitheater ein.

3,5 von 5 Punkten

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