Freitag, 4. Dezember 2015

Filmkritik: Schändung


Im zweiten Teil der Thrillerreihe über das Sonderdezernat Q von Jussi Adler-Olsen, welcher Anfang 2015 in die deutschen Kinos kam, sind wieder Nikolaj Lie Kaas als Carl Mørck und Fares Fares als Assad zu sehen. Unterstützung bekommen sie dieses Mal von Johanne Louise Schmidt als Rose Knudsen. 
Dieses Mal geht es wie in der Vorlage um einen Doppelmord an einem Geschwisterpaar im Jahre 1994. Obwohl der Verdacht auf die Clique um Ditlev Pram und Kirsten-Marie Lassen, Kimmie genannt, aus einem Eliteinternat fällt, wird ein anderer für die Tat verurteilt. Da dies jedoch alles nicht mit rechten Dingen zugeht, spielt der Vater der ermordeten Geschwister Carl Mørck den Fall 20 Jahre später zu.


Es ist nun schon eine Weile her, seit ich den zweiten Fall um Carl Mørck gelesen habe, so dass kleine Details nicht mehr so gut im Gedächtnis sind. Eins wurde mir bei diesem Film jedoch schnell klar, Johanne Louise Schmidt als die Neue im Team wird ihrer Vorlage nicht gerecht. Darstellerisch ist das noch kein Problem, hat Rose Knudsen in der Vorlage zu Beginn auch eher eine kleine Sekretärinnenrolle inne, doch vom visuellen sind die Produzenten des Films eklatant vom Buch abgewichen. Das finde ich sehr schade, habe ich mich nicht zuletzt über diesen Neuzugang gefreut und auf eine „1-zu-1-Umsetzung“ gehofft.
Was im Vergleich zum ersten Film auffällt, ist, dass er mit 115 min zwar länger ist, aber die Hintergründe auch hier zügig aufgedeckt werden und man dann wieder in einen regelrechten Wettlauf gegen die Zeit hineingerät. Viele Kleinigkeiten wurde dabei abgeändert, insbesondere das Ende um Kimmie, welche hervorragend durch Danica Curcic dargestellt wird. Doch da der Film die düstere Atmosphäre der Vorlage perfekt eingefangen hat und die Hauptdarsteller grandios interagieren, sind die Änderungen durchaus verkraftbar. 
Was ich beim ersten Teil „Erbarmen“ kritisiert habe, kommt jetzt so langsam in Fahrt, nämlich die Charakterentwicklung an sich und die Beziehungen der Personen untereinander. So lernen wir hier z.B. Carl Mørcks Stiefsohn kennen und auch die Interaktionen zwischen Mørck und Assad lassen mehr Raum für Zwischenmenschliches. Doch leider wurde Mørcks Kollege Hardy komplett weggelassen, was ebenfalls sehr schade ist, glänzen die Bücher nicht zuletzt durch die fast beiläufigen alltäglichen Themen, wie die Pflege von Angehörigen/Freunden, mit denen sich der Leser sehr gut identifizieren kann. Hier wird das Augenmerk wahrlich hauptsächlich auf den ausschweifenden Lebensstil der Reichen gelegt, die sich mit Geld und Beziehungen das Leben so angenehm und komfortabel wie möglich gestalten wollen.

Fazit

Über die schauspielerischen Leistungen kann ich durchaus nicht meckern und auch die tragische und düstere Atmosphäre der Vorlage wurde perfekt eingefangen. Doch sollten die Produzenten bei der Verfilmung des dritten Teils nun endlich den Charakterbeziehungen mehr Raum geben, wie es in den Büchern der Fall ist. Sonst könnte es trotz der jeweils tollen Story schnell langweilig für die Buchfans werden. Und das wäre wirklich sehr schade.

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