Donnerstag, 19. November 2015

Rezension: Schattenwege (Arnaldur Indridason)

Lübbe Verlag
Hardcover, 427 Seiten
ISBN: 978-3-431-03928-3
22,99 €

Ein kurzer Einblick

Der neue Krimi „Schattenwege“ von Arnaldur Indridason erscheint unabhängig von dessen Reihe um den Kommissar Erlendur. Darin wird in Reykjavik ein alter Mann in seiner Wohnung ermordet aufgefunden. Dort befinden sich zudem einige Zeitungsausschnitte aus den Kriegsjahren über einen brutalen Mord: Ein Mädchen wurde damals an der Stelle erdrosselt gefunden, wo seinerzeit das amerikanische Militärlager war. Als Konráð, ein pensionierter Polizist, davon erfährt, ist seine Neugier geweckt, denn er hat früher bereits von dem Mädchen gehört. Doch warum hebt jemand Berichte über ihren Tod so lange auf? Und warum trachtete jemand dem alten Mann nach dem Leben?

Bewertung

Der Roman spielt abwechselnd in der Gegenwart, in der Konráð ermittelt, und in der Vergangenheit des Jahres 1944, als das Mädchen ermordet und der Fall vom isländischen Polizisten Flóvent und vom kanadischen Militärpolizisten Thorson untersucht wurde. Indriðason verknüpft beide Fälle dabei sehr geschickt, wenn Konráð etwa neue Erkenntnisse gewinnt, werden diese meist im folgenden Kapitel so dargestellt, wie sie sich Flóvent und Thorson damals präsentierten. So erhält man häppchenweise immer mehr Informationen über die beiden Mordfälle, begleitet Konráð auf der einen und Flóvent und Thorson auf der anderen Seite bei ihren Nachforschungen, die, ganz typisch für Indriðason, vor allem aus Zeugenbefragungen, Tatortbesichtigungen und logischem Schlussfolgern bestehen. Das Privatleben der Polizisten spielt dabei, im Gegensatz zu den Erlendurbänden, keine wirkliche Rolle, die Charaktere werden nicht weiterentwickelt, so dass dieser Roman wohl einen Einzelband darstellt und nicht mit den Erlendurbüchern verbunden wird.
Ansonsten hat dieser Krimi jedoch wieder alles, was die Werke von Indriðason ausmacht und so lesenswert macht, dass ich seit Jahren sehnsüchtig auf jedes neue Buch von ihm warte. Er entwickelt sympathische, etwas zerbrechliche Hauptfiguren, denen das Leben nicht immer gut mitgespielt hat, die zu dieser melancholischen Stimmung beitragen, die allen Romanen des Autors innewohnt. Er stellt wieder dieses typische Islandflair her und gibt spannende Einblicke in die Geschichte dieses abgelegenen Landes, diesmal zur Unabhängigkeit Islands von Dänemark und zum Aufbau eines Polizeisystems in der neu entstandenen Republik. Eine interessante Geschichtsstunde wird somit mit einem fesselnden Krimi kombiniert, den man mit der Zeit schlichtweg nicht mehr aus der Hand legen kann.

Fazit

Auch ohne den mir so sympathischen Ermittler Erlendur, den ich bereits in vielen Fällen begleitet habe, ist dieser neue Roman von Arnaldur Indriðason wirklich lesenswert. Man bekommt alles geboten, was einen spannenden Krimi ausmacht, und kann vor allem in der Geschichte versinken und mit den Polizisten mitknobeln. Wer noch nach einer Lektüre für ein verregnetes Wochenende sucht, sollte hier unbedingt zugreifen!

4 von 5 Punkten

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