Freitag, 6. November 2015

Rezension: In der Haut des Wolfes (George R. R. Martin)

Festa Verlag
Hardcover, 160 Seiten
ISBN: 978-3-86552-334-1
14,80 €


Ein kurzer Einblick

Fast 20 Jahre nach dem grausamen Tod ihres Vaters, der laut Ermittlungsbericht von einem wilden Tier zerfetzt wurde, arbeitet Randi Wade als Privatdetektivin. Als ihr Freund Willie sie bittet, Informationen über einen Mordfall zu sammeln, kriecht die Vergangenheit erneut ans Tageslicht. Gehäutete Opfer tauchen in der Stadt auf. Ist die Bestie zurückgekehrt?

Bewertung

»Game of Thrones«? Die Serie hat doch George R. R. Martin geschrieben! »In der Haut des Wolfes«? Das hat er auch verfasst? Allerdings. Die Novelle ist 1989 erschienen und erhielt den World Fantasy Award für den besten Kurzroman.Vorliegendes Büchlein ist mit 16 Illustrationen von Timo Wuerz ausgestattet und Christian Endres steuerte ein Nachwort bei. George R. R. Martin verbindet Elemente des Crime Noir mit dem Werwolfmotiv und erweckt den dräuenden Schrecken in der Nacht. Die Motive, der Werwolf, der Plot sind ausgelutscht, zumindest für heutige Verhältnisse, erzählerisch vereinnahmt die Geschichte mühelos.

Willie ist ein Werwolf. Als Mensch ist er von Asthma geplagt und verdient sein Geld als Geldeintreiber. In der Finsternis der Nacht verwandelt er sich in einen Werwolf, linkisch laufend, räudig aussehend, macht er keine besonders tolle Figur. Willi ist nicht von reinem Blut, er ist ein Außenseiter im Werwolfrudel, das friedlich unter den Menschen lebt. Der Mordfall einer verstümmelten Freundin treibt ihm die Angst in den Nacken und er wendet sich an Randi Wade, Freundin und Privatdetektivin, um mehr Informationen zu bekommen. Wer mag der bestialische Mörder sein? Gibt es eine Verbindung zur Vergangenheit? Ist Roy Helander, vor 20 Jahren als Mehrfachmörder verurteilt, zurückgekehrt? Hat Harmons geistesgestörter Sohn etwas mit dem Mord zu tun?

Silber verursacht schlimmste Verbrennungen. Verletzungen heilen besonders schnell. Die Werwölfe können sich zwar jederzeit verwandeln, an Vollmond wird der Wunsch jedoch verstärkt. Das Rudel passt auf sich auf, wahrt das Geheimnis.
In einer düsteren Kulisse erweckt George R. R. Martin einen uralten Schrecken: die Bestie in der Nacht. Der Mensch hat sich zu fürchten - oder doch nicht? Ein grausames, tödliches Wesen hat sich friedlich unter die Menschen gemischt. Der Autor zeichnet ein verlottertes Bild einer einst ruhmreichen Rasse, die nun selber zum Gejagten wird. Hier macht Martin sich die Klischees zunutze, um punktuell - und effektiv! - zu überraschen. Hieraus zieht die Novelle die gesamte erzählerische Stärke; hieraus und aus der gelungenen Figurenzeichnung.

Fazit

Die Story mag auf ausgetretenen Pfaden wandeln, die unkonventionelle Zeichnung des Hauptcharakters Willie und die düstere Grundstimmung sorgen aber dann doch dafür, dass die Novelle fesselt. Die Kürze der Geschichte und die Illustrationen tragend letztendlich ihr Übriges bei, um ein literarisches Kleinod zu erschaffen.

4 von 5 Punkten

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