Sonntag, 8. November 2015

Rezension: Die Auserwählten 0. Kill Order (James Dashner)

Chicken House im Carlsen Verlag
Hardcover, 448 Seiten
ISBN: 978-3-551-52076-0
19,99 €


Ein kurzer Einblick

Thomas und Teresa sind bereit, sich selbst den Experimenten im Labyrinth auszusetzen. Ein komisches Gefühl, doch sie sind der festen Überzeugung, dass es für eine gute Sache ist…
13 Jahren zuvor: Mark und seine heimliche Liebe haben die Sonneneruptionen und die daraus resultierenden Naturkatastrophen überlebt. Nach der tödlichen Strahlung wanderten sie monatelang mit Gleichgesinnten durch die Gegend und haben endlich so etwas wie ein neues Zuhause gefunden, als eines Tages plötzlich ein Berk am heiteren Himmel auftaucht und die Leute mit Pfeilen beschossen werden, die mit einem tödlichen Virus geladen sind. Das Virus sollte den Menschen einen raschen und schmerzfreien Tod bescheren, um die knappen Ressourcen zu schonen. Doch der Virus mutiert und nicht alle Menschen sterben…

Bewertung

In „Kill Order“ wird nunmehr die Vorgeschichte zu Dashners Die Auserwählten-Trilogie um Thomas und Teresa erzählt und wie es zu der Epidemie kam. Zwar hat die Geschichte insgesamt nicht allzu viel Handlung, doch um die Vorgeschichte zu den von ANGST durchgeführten Experimenten zu erzählen, hat es vollkommen gereicht. Als großen Pluspunkt sehe ich hier vor allem an, dass die Vorgänge realistisch gestaltet sind und tatsächlich so ablaufen könnten – was ich mir für meine Lebzeit nicht erhoffe…
Dashners Erzählstil ist wie gewohnt flüssig und bescheiden unaufdringlich, aber gleichzeitig auch energiegeladen. Besonders die Rückblenden, die dem Leser durch Marks Albträume vermittelt werden, sind sehr intensiv und verdeutlichen den Überlebenskampf nach den Sonneneruptionen auf eindringliche Art und Weise. Auch sind die Kämpfe mit den am Brand erkrankten Menschen sehr mitreißend und stark beschrieben und haben bei mir regelmäßig für eine Gänsehaut gesorgt.
Ist die Trilogie aus der Sicht von Thomas geschrieben, finden wir hier Mark als Hauptcharakter. Seine Entwicklung vom eher schüchternen Jungen vor der Katastrophe bis hin, dass er sich mutig kämpfend durch die Horden kranker Menschen schlägt, um seine Freunde zu retten, kommt sehr lebensnah rüber, getreu dem Motto „was einen nicht umbringt, macht einen stärker“. Dazu finde ich seine Selbsteinschätzung sehr faszinierend, wenn er merkt, dass auch er sich mit dem Virus angesteckt hat und langsam aber sicher den Verstand zu verlieren scheint. Er ist dabei eine gute ausgeglichene Mischung aus starkem jungen Erwachsenen (Hätte man selbst dieses Ende gewählt?) und einfach ein Junge, der einem Leid tut. Denn er ist mir, genauso wie die anderen Charaktere, von Anfang an schnell sympathisch gewesen.
Das ist auch das Gemeine an diesem Buch: Es gibt kein Happy End. Schon der Prolog hat bittere Untertöne, vor allem wenn man die Trilogie vorweg gelesen hat, und der Epilog um den jungen Thomas setzt dem Ganzen am Ende noch die Krone auf.

Fazit

Wer auf finstere und hoffnungslose Dystopien steht und auch mit Happy Endings nichts anfangen kann, der wird mit „Kill Order“ einen Glücksgriff landen. Man könnte bemängeln, dass die Story wenig Tiefgang hat, aber das hat mir persönlich nichts ausgemacht, da das Drumherum einfach stimmt und James Dashner einen klasse Schreibstil hat.

4,5 von 5 Punkten


Wir danken Chicken House für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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