Montag, 2. November 2015

Rezension: Career of evil (Joanne K. Rowling / Robert Galbraith)

Sphere Books
Broschiert, 512 Seiten
ISBN: 978-0751563580
14,95 € (Stand: 02.11.2015)

Ein kurzer Einblick

In „Career of evil“ ermittelt der Privatdetektiv Cormoran Strike in seinem dritten Fall mit seiner Assistentin Robin Ellacott. Zu Beginn erhält Robin ein mysteriöses Paket, das ein abgetrenntes Bein einer Frau enthält. Strike macht sich sofort auf die Suche nach dem Absender des Pakets, hält er doch vier Personen aus seiner Vergangenheit einer solchen Tat für fähig. Während die Polizei sich auf einen Verdächtigen konzentriert, den Strike auf keinen Fall für den Täter hält, widmen sich Strike und Robin den drei anderen Männern. Doch es läuft ihnen die Zeit davon, als weitere entsetzliche Dinge geschehen und der Täter es offensichtlich auch auf Robin abgesehen hat…

Bewertung

Die ersten beiden Bände mit Strike und Robin als Ermittlerduo habe ich bereits mit großem Vergnügen gelesen, so dass ich mit Spannung den nächsten Teil erwartet habe, der seine sehr guten Vorgänger noch einmal übertrifft. Der Roman ist wie zuvor auch aus der Sicht von Robin und Strike geschrieben, doch diesmal gibt es auch ein paar Kapitel, die vom Täter aus geschildert werden. Zudem ist jedem Kapitel ein Zitat aus Songtexten der Hardrockband Blue Öyster Cult vorangestellt, die im Buch eine kleine Nebenrolle spielen. Insgesamt ist der Roman wesentlich düsterer und blutiger als seine Vorgänger, vor allem durch die Kapitel aus Sicht des Täters, die seine Art zu morden sehr intensiv schildern, und durch die Gefahr, in der Robin schwebt, auch wenn man sich natürlich denken kann, dass ihr wahrscheinlich nichts wirklich Schlimmes passieren wird. Man erfährt zudem noch einiges Erschütterndes aus ihrer Vergangenheit, etwa warum sie ihr Studium abbrach, und insgesamt liegt der Fokus des Buches zum ersten Mal stärker auf Robin, die kurz vor ihrer Hochzeit mit Matthew in einer großen Beziehungskrise steckt. In diesem Rahmen wird der Frage, ob zwischen ihr und Strike mehr als nur ein berufliches Verhältnis sein könnte, breiter Raum gegeben, so dass die reine Ermittlungsarbeit noch um die spannende und gefühlvolle Weiterentwicklung der Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren erweitert wird. Abgesehen von der Entwicklung der sehr realistisch gezeichneten Hauptcharaktere erhält man einen klassischen Detektivkrimi, der wie seine Vorgänger zum Mitknobeln einlädt und mehrere potentielle Täter liefert, wobei Strike diesmal einen persönlichen Fall zu lösen hat, der uns auch in seine Arbeit vor seiner Tätigkeit als Privatdetektiv zurückführt.
Für mich stellte dieser dritte Teil das bisher beste Buch der Reihe dar, er ist noch fesselnder und berührender als seine Vorgänger. Ich konnte ihn schlichtweg nicht aus der Hand legen und wäre beinahe zu spät zur Arbeit gekommen, so sehr war ich in die Geschichte versunken, was mir sonst nur bei den Harry Potter-Büchern passiert ist. Joanne K. Rowling hat mich wieder einmal mit ihrem Erzähltalent eingefangen, wie auch immer sie dies jedes Mal von neuem wieder schafft. Sobald man zu lesen anfängt, vergisst man alles andere um sich herum, London taucht vorm geistigen Auge auf, das so bildlich durch die Autorin beschrieben wird, so dass man wirklich das Gefühl hat, dort zu sein und mit Strike und Robin den vier Verdächtigen nachzuspionieren. Auch war das Ende kein bisschen vorhersehbar, auch wenn sich nach und nach die Indizien auf eine Person zuspitzen. Wirklich sicher kann man sich jedoch erst am Ende bei der Aufklärung sein.
Der Roman liegt bisher nur in der englischen Originalausgabe vor, erscheint aber Anfang März kommenden Jahres mit dem Titel „Die Ernte des Bösen“ im Blanvalet Verlag auch auf Deutsch.

Fazit

Der dritte Band mit Strike und Robin bietet alles, was man von einem sehr guten Krimi erwarten darf: enorme Spannung, einen gefährlichen Täter, einen Fall, der das Ermittlerduo persönlich berührt, realistische und sympathische Hauptfiguren, die Chance zum Miträtseln und ein unvorhersehbares Ende, das mit einem kleinen Cliffhanger abschließt. Für mich war es der beste Krimi, den ich seit langer Zeit gelesen habe und den ich somit ohne Bedenken weiterempfehlen kann. Man ist mit dem dritten Teil endgültig richtig in der Geschichte drin, ähnlich wie damals mit dem dritten Harry Potter-Buch. Ich fiebere jetzt schon völlig ungeduldig dem vierten Band entgegen, der hoffentlich die Geschichte ähnlich gut weiterführt!

4,5 von 5 Punkten

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