Freitag, 9. Oktober 2015

Rezension: Onkel Toms Hütte (Harriet Beecher Stowe)

dtv
Taschenbuch, 544 Seiten
ISBN: 978-3-423-14060-7  
9,90 €


Ein kurzer Einblick

Arthur Shelby ist ein Plantagenbesitzer in Kentucky und ihm gehören einige Sklaven, die er jedoch gut behandelt. Als er in eine finanzielle Not gerät, sieht es sich gezwungen, zwei dieser Sklaven zu verkaufen, seinen Plantagenverwalter Onkel Tom und den fünfjährigen Harry. Harrys Mutter erfährt dies und ihr gelingt gemeinsam mit Harry die Flucht. Onkel Tom beugt sich dagegen seinem Schicksal, um keine anderen Sklaven zu gefährden. Er wird bald an einem guten anderen Herrn verkauft, der ihm schließlich die Freiheit verspricht. Doch als sein Herr unerwartet stirbt, kommt Tom auf eine Baumwollplantage im Süden und lernt die Qualen des Sklavendaseins kennen…

Bewertung

„Onkel Toms Hütte“ ist ein wichtiges Werk, das jeder einmal lesen sollte. Es ist schön zu sehen, dass solche Werke, die die Sklaverei anprangerten und ihre Ungerechtigkeit eindrücklich aufzeigten, in Zeiten der Sklaverei geschrieben wurden. Doch auch wenn die Zustände, die im Roman beschrieben werden, heute zum Glück nicht mehr herrschen, sollte dieses Werk niemals in Vergessenheit geraten und die Menschen sollten sich immer daran erinnern, wie die schwarze Bevölkerung der USA (und nicht nur diese) früher behandelt wurde. Dazu kann dieses Werk entscheidend beitragen und zugleich denjenigen, die diese Verhältnisse nicht mehr erleben mussten, ein differenziertes Bild der damaligen Zeit vermitteln.
„Onkel Toms Hütte“ zeigt zahllose Grausamkeiten der Sklaverei auf. Dies führt dazu, dass der Leser bei weiten Teilen der Lektüre so ergriffen und schockiert ist, dass das Weiterlesen schwer fällt. Häufig werden solch traurige Begebenheiten geschildert, dass man das Buch erst einmal zuklappen und durchatmen muss. Bei anderen Kapiteln ist es so, dass man, obwohl Harriet Beecher Stowe auf die detaillierte Darstellung von Gewaltszenen verzichtet, am liebsten nicht weiterlesen möchte, da man bereits die nächste Grausamkeit erahnt. Dass dem Leser dieses Buch so nah geht und man mit Tom, aber auch mit anderen Personen mitfühlt, wird durch Harriet Beecher Stowes liebevolle Zeichnung der Charaktere begünstigt.
Der Autorin ist es gelungen, mit Tom solch eine herzensgute und liebevoll Person zu schaffen, in dessen Geschichte und Gefühle man zugleich intensiv eingeführt wird, dass man gar nicht anders kann, als Tom von Anfang an in sein Herz zu schließen. Auch viele andere Personen sind so detailliert beschrieben, dass man nur für sie hoffen kann bzw. vielfach auch die Vielschichtigkeit von Personen erkennt. Diese Erleichterung der Identifikation mit den Figuren wäre jedoch gar nicht nötig gewesen, denn die Autorin stellt die damaligen Verhältnisse so realistisch dar, dass man sich automatisch am liebsten lautstark und selbst eingreifend gegen diese Grausamkeiten wenden möchte.
Mit Hilfe der Geschichte von Onkel Tom, aber auch anderen Schicksalen von Sklaven, ist es Harriet Beecher Stowe gelungen, die Sklaverei realistisch darzustellen. Dabei überwiegen insbesondere die Vergehen, die an Sklaven verübt wurden, obwohl die Autorin die Fülle an Grausamkeiten nur zum Teil darstellen kann. Aber sie zeigt darüber hinaus auch ein sehr differenziertes Bild auf. So wird dem Leser vermittelt, dass es durchaus sehr unterschiedliche Behandlungen von Sklaven gab und dass einige Sklavenbesitzer ihren Sklaven sogar die Freiheit schenkten. Zugleich wird auch dargestellt, dass unter der weißen Bevölkerung sehr kontroverse Meinungen über die Sklaverei herrschten. Neben denen, die Sklaverei ablehnten und denen, die sie befürworteten, gab es eben auch jene, die Sklaven aus Bequemlichkeit hielten, obwohl sie es eigentlich nicht gut fanden. Auch das Leben der Sklaven und ihr Verhalten ist sehr differenziert dargestellt und es wird eindrücklich aufgezeigt, wozu die Grausamkeiten die Menschen führten und dass Sklaven auf der anderen Seite aber auch beste Freunde ihrer Herren sein konnten. Zugleich stellt die Autorin sehr stark die Rolle der Religion als Anker für grausam behandelte Menschen dar, was zum Teil etwas zu sehr überhandnimmt.
Mit zwei unterschiedlichen Handlungssträngen verdeutlicht Harriet Beecher Stowe zudem zwei mögliche Lebenswege von (ehemaligen) Sklaven, macht aber auch deutlich, dass die Familie immer das wichtige ist, es aber nicht immer ein Happy End geben kann. Auch wenn dies den Leser sehr schmerzt, ist es eben doch ein realistisches Abbild der damaligen Verhältnisse, die Harriet Beecher Stowe mit diesem Roman anprangern wollte. Dass es ihr dabei um eine realistische Darstellung ging und sie sich daher auf wahre Begebenheiten bezogen hat, verdeutlicht der umfangreiche Anhang, der den aufgewühlten Leser zugleich die Erzählungen in die Geschichte der Sklaverei in den USA einordnen lässt.

Fazit

„Onkel Toms Hütte“ ist ein wichtiger und absolut empfehlenswerter Roman, der nicht in Vergessenheit geraten sollte, da er eindrücklich zeigt, wozu Menschen gegenüber anderen Menschen in der Lage waren. Obwohl der Tenor des Buches nur die absolute Ablehnung der Sklaverei sein kann, zeichnet Harriet Beecher Stowe solch ein differenziertes Bild der Sklaverei, dass der Leser einen sehr guten Zugang erhält und erkennt, dass es solche Sklaven sowie solche Sklavenbesitzer und immer verschiedene Alternativen gab, mit denen verschiedene Menschen mehr oder weniger gut klar gekommen sind.

5 von 5 Punkten


Wir danken dtv für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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