Sonntag, 25. Oktober 2015

Rezension: Die geheim gehaltene Geschichte Deutschlands (Frank Fabian)

Bassermann Verlag
Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
ISBN: 978-3-8094-3469-6
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Das Werk von Frank Fabian, der sich bereits öfters mit Geheimnissen, Fälschungen und Lügen in der Geschichte beschäftigt hat, will sich den größten Geheimnissen in der deutschen Geschichte widmet. Das Buch soll den Leser über Irreführungen, Unwahrheiten und Halbwahrheiten der deutschen Geschichte aufklären, beginnend mit den wahren Gründen für den Aufstieg der Germanen, über die Biografien von Karl dem Großen, Martin Luther und Otto von Bismarck, bis hin zu den  beiden Weltkriegen und Deutschland nach 1945.

Bewertung

Das Buch ist chronologisch aufgebaut und beginnt im ersten Kapitel mit der Untersuchung des Ursprungs des Wortes „Deutsch“ und der Frage danach, was als typisch deutsch gilt. Im zweiten Hauptkapitel wird die Zeit vom Untergang des Weströmischen Reiches bis zum Ende des Mittelalters behandelt. Der Autor widmet sich u.a. den Gründen für den Untergang Roms, dem Aufstieg der Germanen, dann ausführlicher Karl dem Großen, dem Christentum, den Kreuzzügen und dem Aufstieg des Hauses Habsburg. Das dritte Hauptkapitel beginnt mit Martin Luther und endet vor dem Ersten Weltkrieg. Martin Luther wird dabei sehr ausführlich behandelt, wie auch der Dreißigjährige Krieg, die Entwicklung von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Musik über die Jahrhunderte, der Aufstieg Preußens, der Kampf gegen Napoleon, die Revolution von 1848 und wieder sehr ausführlich Otto von Bismarck. Das letzte Hauptkapitel befasst sich mit dem Ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik, der Frage, wie Adolf Hitlers Machtergreifung hätte verhindert werden können, dem Zweiten Weltkrieg, einer Gegenüberstellung der konstruktiven und destruktiven Persönlichkeit im politischen Raum und Deutschlands Entwicklung nach 1945 bis hin zur Wende 1989.
Dies hört sich für Geschichtsinteressierte erst einmal sehr gut an. Doch leider wurde ich von der Umsetzung dann doch sehr enttäuscht. Zum einen legt das Buch wie so viele andere wieder einmal den Fokus sehr stark auf die politische Geschichte, außerdem werden alle Thematiken sehr knapp behandelt, was angesichts der rund 400 Seiten, auf denen etwa 1500 Jahre Geschichte erläutert werden sollen, sicherlich nicht anders zu machen war. Dies sind allerdings noch eher geringe Schwachstellen des Buches, wenn man sich im Vergleich dazu Fabians Methodik genauer ansieht. Zum einen werden etwa beim Untergang Roms (mit dem ich mich am besten auskenne, demnach am ehesten Schwächen und Fehler erkennen kann) bloß die gängigsten Thesen wiederholt, es wird sehr monokausal argumentiert und aktuelle Forschungsergebnisse anscheinend gar nicht beachtet. Das einzige Werk, aus dem Fabian zitiert, ist das jahrhundertealte Werk „Verfall und Untergang des Römischen Reiches“ vom sehr angesehenen englischen Historiker Edward Gibbon, das immer noch ein Standardwerk ist, jedoch in einigen Punkten auch heute längst überholt ist. Generell wird kaum aus Werken anderer Historiker zitiert, das Anmerkungsverzeichnis umfasst zwei Seiten, ist somit keinesfalls wissenschaftlich. Zudem betont Fabian über das gesamte Buch hinweg die Wichtigkeit der Neutralität des Historikers, was er, der selbst Geschichte studiert hat, selbst aber kein bisschen einhält. Er benutzt durchweg eine sehr wertende und nicht professionelle Sprache.
Somit würde ich die Lektüre keinem empfehlen, im Notfall vielleicht noch Schülern als ersten groben Überblick über die deutsche Geschichte. Denn auch der Anspruch des Buches, aufzuklären, was bis heute von Historikern verschwiegen wird, wie der Untertitel des Werkes verspricht, wird auf keinen Fall eingehalten. Es werden keine bis heute geheim gehaltenen Geheimnisse gelüftet, die Historiker angeblich verschwiegen haben. Er kritisiert immer wieder etwa das zu positive Bild, das wir von Luther oder Bismarck haben, was sich in den Werken angesehener Historiker, die sich mit diesen Personen beschäftigt haben, aber gar nicht finden lässt, denn diese setzen sich durchaus kritisch mit ihrem Untersuchungsgegenstand auseinander. Zudem sind die allgemeinen Muster, die man aus der Geschichte lernen kann, die Fabian über das Buch hinweg allmählich aufstellt und die bei der Beschäftigung mit Hitler in einer Gegenüberstellung von konstruktiven und destruktiven Personen in der Geschichte gipfelt, auch eher kritisch zu sehen. Sicherlich treffen einige Punkte durchaus zu, sie wurden aber ziemlich versimpelt bzw. pauschalisiert und dabei wurde zu wenig auf Besonderheiten der einzelnen Epochen geachtet, die man nicht immer eins zu eins auch auf andere Zeitalter übertragen kann. Aus Interesse, wie das Buch von anderen Lesern angenommen wurde, habe ich mir einmal die Bewertungen bei Amazon angesehen und war doch wirklich erschrocken, wie positiv dieses Werk ankam, wenn auch nicht sehr viele Rezensionen vorhanden waren. Dies wirft ein wirklich schwaches Bild auf unser Geschichtsverständnis, denn mit guter Geschichtswissenschaft hat dieses Werk überhaupt nichts zu tun und ich würde es mit absoluter Vorsicht lesen und seine Behauptungen sehr kritisch hinterfragen.

Fazit

Meine Meinung sollte deutlich geworden sein. Ich war von diesem Werk sehr enttäuscht und empfehle die Lektüre auf keinen Fall, höchstens für einen schnellen Überblick über die deutsche Geschichte und für Hinweise darauf, wie man solch ein Buch nicht schreiben sollte. Es hat mehr als heiße Luft nicht zu bieten, lüftet keine wohlgehüteten Geheimnisse und widmet sich auch sonst der deutschen Geschichte mit mehr als fragwürdigen Methoden. Definitiv Finger weg!

2 von 5 Punkten


Wir danken dem Bassermann Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Dem kann ich nur Recht geben!

    auch ein Leser
    HB

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  2. Dem stimme ich zu. Unter anderem auch viel zu viele Ausrufezeichen, mehr als man in einem Sachbuch erwarten sollte.

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