Samstag, 17. Oktober 2015

Filmkritik: Die Liebe in Zeiten der Cholera


Gabriel García Márquez‘ Werk „Die Liebe in Zeiten der Cholera“, welches er 1985 veröffentlichte, zählt heute zu den bekanntesten Bestsellern des Literaturnobelpreisträgers, welches erst nach seiner Auszeichnung mit dem Nobelpreis veröffentlicht wurde. 2007 wurde das Werk schließlich von Mike Newell verfilmt. Der Film erzählt von der mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Liebe Florentino Arizas für Fermina Daza, der nicht nur Ferminas Heirat mit Doktor Juvenal Urbino im Wege steht. Doch Florentino ist geduldig, wenn es sein muss, auch sehr lange…

Mike Newell gibt Gabriel García Márquez‘ Werk im Großen und Ganzen romangetreu wieder. Alle zentralen Personen und Ereignisse werden eingeführt, wenn auch das ein oder andere Mal sehr knapp. Dafür werden andere Dinge, auf die in filmischen Inszenierungen standardmäßig gesetzt wird, stärker hervorgehoben. So werden Florentino Arizas Liebschaften zwar nicht in ihrer Vielfältigkeit abgebildet, dafür jedoch einzelne Beziehungen ausführlicher behandelt, als sie im Roman eine Rolle spielen. Zudem ist Florentinos letzte Liebschaft zu einer Minderjährigen für den Film wohl zu heikel, so dass man die Geliebte kurzerhand in eine Studentin verwandelt hat. Neben der stärkeren Betonung von Sexualität setzt der Film auf das Katastrophale. Wird die Cholera im Roman nur nebenbei erwähnt, taucht sie im Film deutlich häufiger und dramatischer auf. Diese Überbetonung dieser beiden Aspekte ist insbesondere vor dem Hintergrund schade, dass die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Florentino Ariza und der jungen Fermina Daza nicht richtig entwickelt wird. Der Film verweilt nur kurz in dieser Zeitphase, so dass die besondere Verbindung der beiden, die im Roman sehr gut herausgearbeitet wird, nicht deutlich wird und sich der Zuschauer eher fragt, wie so etwas ein Leben lang prägend sein kann und warum Fermina Daza einen Heiratsantrag von einer Person, die sie kaum kennt, annimmt.
Da die Liebesgeschichte am Anfang wenig tiefgreifend aufgebaut wird, wirkt die Figur Florentino Arizas zu Beginn fast lächerlich in seiner Trauer über Ferminas Hochzeit. Dies wird dadurch verstärkt, dass die Filmemacher für Florentino Ariza im jugendlichen Alter einen anderen Schauspieler gewählt haben als ab dem jungen Erwachsenenalter. Fermina Daza wird dagegen den gesamten Film über von einer Schauspielerin gespielt. Die andere Handhabung bei Florentino Ariza ist wenig nachvollziehbar, da sich der Zuschauer so nach kurzer Zeit an einen anderen Schauspieler gewöhnen muss, mit dem man erst richtig warm wird, wenn Florentino Ariza im späteren Erwachsenenalter ist. Dadurch wirkt die Figur Florentino Arizas wenig sympathisch und seine Liebe, der er im Schreiben von Liebesbriefen zum Ausdruck bringt, nimmt man ihm nur schwer ab. Alle anderen Darsteller sind sehr gut gewählt und hätten so dem Roman entsprungen sein können, was man aufgrund der hochkarätigen Besetzung des Films mit Javier Bardem, Benjamin Bratt und Hector Elizondo auch nicht anders erwartet hätte. Dass insbesondere spanische und lateinamerikanische Schauspieler gewählt wurden, lässt den Film zudem stilecht wirken.
Das Älterwerden der Darsteller im Laufe des Films ist gut umgesetzt. Auch die Kulissen und Kostüme sind gut gewählt, so dass eindrucksvoll ein Bild gezeichnet wird, dass Anfang des 20. Jahrhunderts hätte spielen können.

Fazit

Mike Newell hat sich mit Gabriel García Márquez‘ großer Liebesgeschichte an ein schwieriges 500 Seiten starkes Werk herangetraut, dass aufgrund von García Márquez‘ wunderbarem Erzählstil und seiner Figurenentwicklung schwer filmisch zu inszenieren ist. Leider ist dies Nevell auch nicht vollumfänglich geglückt. Zwar wirken die Schauspieler sowie die Kulisse passend und auch der Inhalt stimmt abgesehen von den üblichen filmischen Hervorhebungen mit dem Roman überein, aber Gabriel García Márquez‘ Figuren sind nicht ansatzweise im Film wiederzuerkennen. Ihre Beziehungen werden nicht umfänglich entwickelt und insbesondere der Wechsel von Schauspielern macht es schwierig, sich mit ihnen zu identifizieren. Dieser Film sollte besser nicht der Romanvorlage vorgezogen werden!

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