Dienstag, 18. August 2015

Rezension: Der Parthenon (Mary Beard)

Reclam Verlag
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-15-018593-3
6,80 €

Ein kurzer Einblick

Der Parthenon ist eines der bekanntesten antiken Bauwerke und begeistert auch heute noch, etwa 2500 Jahre nach seiner Erbauung, jeden Athenreisenden, wie er sich auf der Akropolis eindrucksvoll hoch über der Stadt erhebt. Die angesehene englische Althistorikerin Mary Beard widmet sich in diesem Reclam-Band seiner wechselhaften Geschichte über die Nutzung als Tempel für die Stadtgöttin Athene im antiken Griechenland, die Umwandlung in eine christliche Kirche im Mittelalter, die spätere Nutzung als Moschee und schließlich als Pulverlager und sein Zustand als Ruine nach einer verheerenden Explosion, der nach und nach vieler seiner Skulpturen und Steine beraubt wurde, um deren Rückgabe bis heute hitzige Diskussionen geführt werden.

Bewertung

Nach einem kurzen Vorwort, das sich mit Bewertungen der Größe des Parthenon über die Jahrhunderte beschäftigt und einen ersten Vorgeschmack auf die Diskussionen rund um die Elgin Marbles (jene Skulpturen, die Lord Elgin Anfang des 19. Jahrhunderts vom Parthenon entfernen ließ und schließlich dem British Museum in London verkaufte, wo sie auch heute noch ausgestellt werden) gibt, geht die Autorin zunächst chronologisch vor. Das erste Kapitel widmet sich dem Tempel während der Antike, wobei vor allem seine Erbauung im Fokus steht, die auch durch die stetige Verwendung antiker Quellen detailliert erläutert wird. Das nächste Kapitel behandelt die Umwandlung des Tempels in eine christliche Kirche vermutlich im 6. Jahrhundert n. Chr., was somit auch den Fortbestand des antiken Gebäudes sicherte, und schließlich in eine Moschee und während des Kampfes gegen Venedig die Nutzung des Parthenon als Munitionslager, der während des Kampfes getroffen und teilweise zerstört wurde. Das folgende Kapitel geht zunächst auf den Parthenon als Ruine ein, der zahlreicher Skulpturen und Marmorsteine beraubt wurde, die u.a. als Baumaterial wieder verwendet wurden, bis schließlich Elgin nach Athen kam und zahlreiche weitere Skulpturen, auch der Giebel des Tempels, mit nach England nahm, und fokussiert sich schließlich auf die große Aufräumaktion auf der Akropolis um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch verschiedene Archäologen, bei der alle nicht antiken Überreste entfernt und eingestürzte Elemente des Parthenon wiederaufgebaut wurden. Das nächste Kapitel widmet sich stärker dem Inneren und der Funktionen des Parthenon, seinem Fries, den Skulpturen der Giebel u.a., bevor Beard im letzten Kapitel noch intensiver auf die Elgin Marbles, ihre Ausstellung und die Diskussionen, ob diese Figuren nicht eher nach Griechenland gehören und zurückgegeben werden sollten, eingeht. Bei allen Ausführungen bezieht sie sich stets stark auf vorhandene Quellen und nutzt viele Bilder des Parthenon und einige Abbildungen zu seinem Inneren, was sehr zum Verständnis beiträgt. Zusätzlich werden dem Leser am Ende des Buches noch einige Hinweise gegeben, wo man Teile des Parthenon heute besichtigen kann. Außerdem folgen einige weiterführende Literaturtipps.
Man erhält somit mit diesem kleinen Bändchen einen informativen, sehr gut recherchierten Einstieg in die Thematik, der in einer lockeren, sehr verständlichen Sprache daherkommt und sich vor allem an geschichtsinteressierte Laien und Studenten richtet. Vorkenntnisse sind weitestgehend nicht vonnöten, schaden aber selbstverständlich auch nicht. Beard präsentiert sehr gelungen die verschiedenen Forschungsmeinungen zum Parthenon, gibt auch einen guten Einblick in die archäologische Arbeitsweise anhand des Parthenons und geht differenziert mit der hitzigen Diskussion um, die sich um die Rückgabe der Elgin Marbles entwickelt hat, wobei für meinen Geschmack zu viel über die Elgin Marbles berichtet wird. Dies mag bei einer englischen Autorin nicht verwundern, hätte aber auch etwas kürzer ausfallen können. Sonst kann ich rein gar nichts an diesem Band kritisieren, für Interessierte am antiken Griechenland ist er wirklich zu empfehlen.

Fazit

Dieses kompakte Bändchen erläutert wissenschaftlich fundiert und herausragend recherchiert die Geschichte des Parthenon und liest sich dabei noch wie ein spannender Roman. Vieles kann aufgrund der knappen Seitenanzahl natürlich nur recht kurz dargestellt werden, doch zum Einstieg zur Beschäftigung mit diesem bedeutenden Bauwerk eignet es sich wirklich sehr gut!

4 von 5 Punkten

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