Dienstag, 21. Juli 2015

Rezension: Erinnerung an meine traurigen Huren (Gabriel García Márquez)

Fischer Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-596-17259-7  
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Ein 90-Jähriger, der in seinem Leben nur käufliche Liebe erfahren hat, schenkt sich selbst zu seinem Geburtstag eine Nacht mit einer jungfräulichen Prostituierten. Dieser Nacht folgen noch viele weitere, in denen er bloß das schlafende Mädchen betrachtet. Nun lernt er zum ersten Mal kennen, was Liebe ist, und auf einmal beginnt er, sein Leben ganz anders zu führen…

Bewertung

In „Erinnerung an meine traurigen Huren“ erzählt Gabriel García Márquez in seinem unverkennbaren spannenden und einfühlsamen Erzählstil von einem einsamen alten Mann, der in seinem Leben keine Liebe erfahren und seine Mutter früh verloren hat. Da ihm die wahre Liebe nie begegnet ist, flüchtet er sich zu Prostituierten, zu denen er zum Teil fast ein langes freundschaftliches Verhältnis pflegt. Als ihm die Liebe schließlich begegnet, erinnert er sich an die Frauen in seinem Leben, von denen er die erste sitzen ließ, so dass er sich anschließend endgültig den Prostituierten zuwandte. Seine Erinnerungen durchziehen die gesamte Novelle und werden immer wieder an passender Stelle eingeflochten. Zwar gibt es eine Frau, die den Alten sein Leben lang begleitete, doch auch mit ihr sollte es nie richtig klappen und so blieb er sein Leben lang allein. Das einzige, auf was er sich sein Leben lang stützen konnte, waren seine Prostituierten und seine Kolumne in der örtlichen Zeitung.
Als er nun zu seinem 90. Geburtstag auf das jungfräuliche Mädchen trifft, dessen Namen er nicht kennt, verändert sich sein Leben. Obwohl er dem Mädchen nur beim Schlafen zuschaut, entwickelt er Liebe zu ihr. Diese Liebe lässt ihn im hohen Alter sein Leben umkrempeln. Er schöpft neuen Elan und hört auf, sein Leben einfach nur vor sich hin zu leben. Dinge, die er seit Jahren in der gleichen Art und Weise getan hat, wie seine Kolumne, stellt er völlig um und erfährt dafür die Zustimmung, die ihm so viele Jahre gefehlt hat.
Zudem gibt ihm das Mädchen mit der Zeit etwas zurück, so dass er nicht nur lernt, Liebe zu fühlen, sondern sie auch entgegenzunehmen. Der Alte findet so im Alter seine Muse und einen Sinn des Lebens, ohne seine moralischen Vorstellungen über Bord zu werfen, und erkennt, dass Liebe viel mehr ist als Sex.

Fazit

Gabriel García Márquez‘ lässt den Leser in dieser Novelle mittels seines unverkennbaren Erzählstils erleben, die ein alter Mann die Jugend und mit ihr die Liebe entdeckt. Pointiert zeigt er auf, wie ein einsamer Mann erst im Alter Erfüllung und Lebensfreude erfährt. Eine Hommage an die Liebe!

4 von 5 Punkten

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