Sonntag, 28. Juni 2015

Rezension: Englands Krone (Bettina Musall, Eva-Maria Schnurr)

DVA
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 304 Seiten
ISBN: 978-3-421-04674-1
19,99 €

Ein kurzer Einblick

Die englische Monarchie gilt als die älteste in Europa und dies gerade in einem Land, das als Vorreiter des Parlamentarismus bekannt ist. Ihre knapp 1000jährige Geschichte haben nun Spiegel-Autoren und Historiker in diesem Band zusammengestellt. In einem Überblick von den Angelsachsen über Wilhelm den Eroberer, die Tudor-Linie mit Heinrich VIII. und Elizabeth I., die kurzzeitige Abschaffung der Monarchie unter Oliver Cromwell, die deutschen Könige aus Hannover, Victoria, nach der ein ganzes Zeitalter benannt wurde, bis hin zu den heute regierenden Windsors mit Elizabeth II. an der Spitze wird aufgezeigt, wie sich die englische Monarchie über die Jahrhunderte wandelte und sich immer wieder den wechselnden politischen Verhältnissen anpasste, um so lange überleben zu können…

Bewertung

Ich kannte bisher von der Spiegel-Buchreihe nur „Die Erfindung der Deutschen“, das ich vor einigen Jahren mit Freude und Interesse gelesen habe, so dass ich mir nun auch einmal den Band zur englischen Monarchie vornehmen wollte. Er ist chronologisch aufgebaut und setzt nach einem kurzen Einleitungsteil mit einer Übersicht über die verschiedenen Herrschergeschlechter, die England über die Jahrhunderte bis heute regiert haben, mit den Angelsachsen zu Beginn des 9. Jahrhunderts n. Chr. ein. In der Folge werden einzelne Könige wie Wilhelm der Eroberer und Richard Löwenherz und ihre Regierungszeit vorgestellt, aber auch etwa die Artus-Legende, der Hundertjährige Krieg und die Funktionen des Londoner Towers über die Jahrhunderte untersucht. Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um die Tudor-Linie mit Kapiteln zu Heinrich VIII. und seiner Tochter Elizabeth I. und die nachfolgende Stuart-Linie, deren König Karl I. 1649 als einziges englisches Oberhaupt exekutiert wurde, worauf die Herrschaft von Oliver Cromwell folgte. Ebenso werden William Shakespeare, der Hofmaler Hans Holbein und der Philosoph John Locke vorgestellt und es wird detailliert auf die religiösen Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten eingegangen. Der dritte Teil steht im Zeichen von Englands Rolle als Weltreich und vom stetigen Machtverlust der Monarchie unter den deutschen Georgs aus Hannover, die bis 1830 regierten. Außerdem werden Georg Friedrich Händels Wirken in England und die Entwicklung Londons im 18. Jahrhundert in Einzelkapiteln behandelt. Der letzte Teil setzt mit der Regentschaft Victorias ein, die ihrem Zeitalter ihren Stempel aufdrückte, und beschäftigt sich in erster Linie mit dem aktuellen Stand der Monarchie in England unter Elizabeth II., die vor allem nur noch repräsentative Aufgaben hat. Auch die Behandlung der Royals durch die Medien und die Zukunftsfähigkeit der Monarchie in England werden behandelt. So bietet das Buch einen spannenden Überblick über den allmählichen Wandel der englischen Monarchie, die nach und nach immer mehr ihrer Rechte und Pflichten verlor, während das Parlament sukzessive eine stärkere Rolle einnahm, und trotzdem auch heute kaum aus dem englischen Regierungssystem wegzudenken ist. Abgerundet werden die Texte noch mit einer Zeittafel am Ende des Buches, der Vorstellung der Autoren der verschiedenen Kapitel und einigen Literaturtipps zum Thema. Außerdem finden sich im Text immer wieder Bilder zu vorgestellten Monarchen oder Ereignissen und der vordere innere Einband zeigt einen Lageplan Londons des Jahres 1783 mit Erläuterungen und der hintere innere Einband den Buckingham Palace mit Erklärungen und Bildern zu den einzelnen Räumen des Palastes.
Das Buch bietet somit einen gut recherchierten und interessant zu lesenden Überblick über 1000 Jahre englische Monarchie, der sich vor allem als Einstieg in die Thematik eignet. Die Texte sind durchweg sehr verständlich und eher locker verfasst, Vorkenntnisse sind kaum vonnöten, wobei aufgrund der recht geringen Seitenanzahl die dargestellten Begebenheiten meist nicht besonders detailliert erläutert werden können. Mir persönlich gefielen in erster Linie der zweite Teil zur Tudor- und Stuart-Linie besonders gut und seltsamerweise insbesondere auch der letzte Teil zum gegenwärtigen Stand der Monarchie in England, obwohl ich eher wenig an Zeitgeschichte interessiert bin. Der letzte Abschnitt machte aber noch einmal überzeugend deutlich, inwiefern und warum sich die englische Monarchie bis heute so entwickelt hat, wie sie es getan hat. Somit kann ich so gut wie nichts an diesem Überblickswerk kritisieren, außer die eher oberflächliche Darstellung, die aber bei knapp 1000 Jahren, die auf 300 Seiten dargestellt werden sollen, zu erwarten war. Zur Vertiefung erhält man aber immerhin ein paar Literaturtipps, die zur weiteren Beschäftigung mit den englischen Königen und Königinnen einladen.

Fazit

Jedem auch nur entfernt historisch Interessierten kann ich dieses Buch wirklich wärmstens ans Herz legen. Es gibt einen spannenden, verständlichen und leicht zu lesenden Überblick über die Monarchie in England, beschäftigt sich eingehend mit den Zukunftsaussichten im überwiegend demokratischen Europa und eignet sich vor allem zum Einstieg in die Thematik. Es wäre schön, wenn die Beschäftigung mit Geschichte immer derart spannend und aufschlussreich wäre!

4 von 5 Punkten


Wir danken DVA für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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