Montag, 1. Juni 2015

Rezension: Die Heimkehrer (Jan Guillou)

Heyne Verlag
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 480 Seiten
ISBN: 978-3-453-26873-9
19,99 €

Ein kurzer Einblick

Schweden im Jahr 1918: Im dritten Teil der Brückenbauer-Reihe hat sich Lauritz mit seiner Familie in Saltsjöbaden in der Nähe von Stockholm hintergelassen und ist weiterhin als erfolgreicher Bauunternehmer tätig. Seine beiden Brüder Oscar und Sverre sind in Berlin geblieben, wo Oscar den deutschen Teil der Firma leitet und Sverre in der Werbung tätig ist. Sie erleben voller Hoffnung auf eine Normalisierung der Verhältnisse in Deutschland die Goldenen Zwanziger der Weimarer Republik, bis durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten all ihre Hoffnungen zunichte gemacht werden und sie beschließen, Berlin zu verlassen, was sich vor allem für Sverre als äußerst riskant herausstellt…

Bewertung

Ich habe die beiden Vorgängerbände vor einiger Zeit gelesen, doch nach einem sehr guten ersten Teil konnte mich bereits das zweite Buch nicht mehr so sehr überzeugen, doch meine Neugierde, wie die Geschichte um die drei Brüder Lauritz, Oscar und Sverre ausgeht, war dann doch stärker, so dass ich dem dritten Teil noch eine Chance geben wollte. Nun habe ich allerdings im Internet gelesen, dass es noch einen vierten Teil der Reihe, die anscheinend zunächst als Trilogie geplant war, gibt, der bereits in Schweden veröffentlicht wurde, was sehr gut passt, da der dritte Band etwas abrupt und nicht abgeschlossen endet. Er ist ähnlich wie seine Vorgänger aufgebaut. Es gibt längere Kapitel, die die Entwicklungen eines Jahres darstellen, aber auch immer wieder Zeitsprünge von oftmals mehreren Jahren zwischen den Kapiteln, die am Ende immer mehr werden. Die Handlung wechselt immer wieder zwischen Deutschland und Schweden hin und her, jedoch nicht so abwechselnd wie im ersten Teil die Handlung in Norwegen und Afrika. Sie sind stärker miteinander verbunden, da die Familien sich oftmals gegenseitig besuchen und Lauritz’ ältester Sohn Harald in Berlin zur Schule geht. Erzählt wird die Handlung meist aus der Sicht der Brüder, wobei Sverre deutlich weniger vorkommt als seine älteren Brüder, aber auch ihre Ehefrauen und Harald kommen zu Wort. Das Buch endet schließlich am 31. August 1939.
Wir erleben somit mit den drei Brüdern die harte Frühphase der Weimarer Republik, ihre kurzzeitige wirtschaftliche Erholung bis hin zum Börsencrash 1929 und dem Aufstieg des Nationalsozialismus, die Machtübernahme bis hin zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin und die Annektierung von Österreich und Böhmen und Mähren bis hin zum Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Die historischen Entwicklungen in Schweden werden zwar hin und wieder ebenso angerissen, im Fokus stehen aber eindeutig die Ereignisse in Deutschland. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern über die Weimarer Republik stehen bei Guillou die wirtschaftlichen Entwicklungen im Vordergrund, die anhand der Baufirma und Werbeagentur der Brüder verdeutlicht werden, die immer stärker zu einem Immobilienunternehmen umgewandelt werden und unter den Nationalsozialisten sukzessive „germanisiert“ werden mussten. Ebenso wird anhand der Figur des Haralds eindrucksvoll aufgezeigt, wie viele Jugendliche durch die rechte Bewegung verführt wurden und wie diese später schließlich in der SA oder der SS (wie in Haralds Fall) landeten. In diesem Rahmen wird dem Machtkampf zwischen SA und SS und dem damit verbundenen sogenannten Röhm-Putsch viel Raum geboten. Diese historischen Begebenheiten hat der Autor durchweg sehr gut recherchiert, wenn mir auch Haralds Einsatz als SS-Mann bei wichtigen historischen Ereignissen nicht immer gefiel. Damit tue ich mich jedoch immer etwas schwer, wenn fiktive Figuren Taten „vollbringen“, die historisch enorm bedeutsam sind und die natürlich eigentlich von historischen Personen begangen wurden. Man fühlt sich aber durchweg in diese wechselhafte Zeit ein, dies gelingt Guillou sehr, sehr gut, vor allem, da er die drei Brüder, die Deutschland immer für seinen Fortschritt bewundert haben, jahrelang auf sein Wiedererstarken hoffen lässt, um sie dann umso mehr durch den Aufstieg des Nationalsozialismus zu enttäuschen.
Die historischen Aspekte sind demnach sehr gut dargestellt, ansonsten konnte mich der Roman aber nicht wirklich fesseln. Das Ende ist wesentlich spannender und packender, da hatte ich auch wieder das Bedürfnis weiterzulesen, durch die ersten knapp 300 Seiten musste ich mich aber ziemlich durchkämpfen, auch weil man als Leser wenig emotionale Nähe zu den Figuren aufbaut. Insgesamt setzt sich somit der Trend vom zweiten Band fort. Die weiteren Teile erreichen nicht mehr die Klasse des ersten Romans, vor allem da Guillou kaum noch auf die Bautätigkeit der Brüder zu sprechen kommt, die den ersten Band so lesenswert machte.

Fazit

Ein insgesamt noch lesenswertes Buch, das durch die sehr gelungene Darstellung der historischen Begebenheiten im Deutschland der 1920er und 1930er Jahre überzeugt, aber leider nicht an den ersten Band der Reihe heranreicht. Da es anscheinend nicht das Ende der Reihe darstellt, kann ich immerhin noch auf den vierten Teil hoffen, der hoffentlich einen würdigen Abschluss der Geschichte von Lauritz, Oscar und Sverre darstellt.

3,5 von 5 Punkten


Wir danken dem Heyne Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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