Montag, 11. Mai 2015

Rezension: Waterloo (Bernard Cornwell)

Wunderlich
Hardcover, 480 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5083-2
24,95 €

Ein kurzer Einblick

Zur Zeit sprießen unzählige Bücher zur Schlacht bei Waterloo aus dem Boden, die sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt, so auch das neue Werk von Bernard Cornwell, der sich bereits mit historischen Romanen einen Namen gemacht hat. In seinem ersten Sachbuch, das so spannend wie ein Roman geschrieben ist, stellt er eine der bekanntesten Schlachten der Weltgeschichte bis ins kleinste Detail dar. Unter der Verwendung von Briefen, Tagebüchern, Depeschen und Erinnerungen von Schlachtteilnehmern lässt er den Leser hautnah Napoleons letzte Schlacht gegen Briten und Preußen miterleben und zeigt eindrucksvoll die Schrecken auf dem Schlachtfeld auch vor dem Zeitalter der industriellen Kriegsführung auf.

Bewertung

Cornwell hat sich in seinem Buch sehr auf die drei Tage umfassenden Kampfhandlungen, die in der Schlacht bei Waterloo gipfelten, fokussiert. Nach einem kurzen Vorwort, in dem er einige hilfreiche Erläuterungen zu Armeebegriffen gibt, erzählt er nur kurz von Napoleons Flucht aus seinem Exil auf der Insel Elba und seinen Weg zurück auf den französischen Thron und dem gleichzeitig statt findenden Wiener Kongress, um dann direkt auf die Vorbereitungen der Kampfhandlungen der Briten und Preußen auf der einen und der Franzosen auf der anderen Seite zu sprechen zu kommen. Die Armeen der Russen und der Österreicher sollten nicht rechtzeitig zu den Kämpfen ankommen. Die Schlacht bei Waterloo (etwas südlich von Brüssel gelegen) und die Schlachten der Vortage (bei Quatre-Bras und bei Ligny) werden nun sehr ausführlich dargestellt und auch taktisch und strategisch analysiert. Der Leser erhält zahlreiche Hintergrundinformationen zur damaligen Kriegstaktik und -führung, den verschiedenen Waffen und Gefechtsaufstellungen, den Hauptakteuren der Schlachten wie Wellington, Blücher und Napoleon, den verschiedenen Regimenter innerhalb einer Armee, die nicht in einheitlichen Uniformen kämpften und nicht einmal alle die gleiche Nationalität hatten. So umfasste etwa die britische Armee auch niederländische und deutsche Regimenter. Dies wurde allerdings selbst für einen Einsteiger wie mich sehr verständlich geschildert und überaus fesselnd erzählt. Durch die Verwendung sehr vieler Zeitzeugenberichte und Cornwells unnachahmlichem intensiven Erzählstil fühlte man sich selbst als Teilnehmer dieser Schlachten und sah das Grauen auf dem Schlachtfeld bildlich vor sich. Unterstützt wurde dies durch zahlreiche großartige und qualitativ hochwertige Bilder zur Schlacht, die immer zwischen den Kapiteln abgebildet waren, und bildlichen Darstellungen der Gefechtsaufstellungen während der jeweiligen Schlachten, die halfen, dem sehr verwirrenden Schlachtablauf zu folgen. Zum Schluss folgen auch noch einige Literaturtipps, die zur weiteren Beschäftigung mit der Schlacht bei Waterloo einladen.
Herausgekommen dabei ist eine sehr gelungene Darstellung der Kampfhandlungen rund um den 18. Juni 1815, die man sicherlich nicht besser hätte darstellen und nachvollziehbar hätte machen können. Dem Ablauf der Schlacht bei Waterloo, der unzählige Seiten gewidmet werden, war zwar ab und zu nicht mehr so gut zu folgen, was aber sicherlich auch an der Größe der Schlacht und den verschiedenen Kampforten lag, wo überall gleichzeitig gekämpft wurde, was jedoch nur schwer gleichzeitig nacherzählt werden kann. Was mich zusätzlich ein wenig störte, war die ein klein wenig zu starke Fokussierung auf Wellington und die Darstellung der Schlacht vor allem aus englischer/britischer Sicht. Dies kann man bei einem englischen Autor zwar nachvollziehen, eine etwas stärkere neutralere Position hätte ich mir trotzdem gewünscht. Was mir ein wenig fehlte, war die Herausstellung der Bedeutung der Schlacht für Europa. Diese Bedeutung betont Cornwell zwar durchweg, was nach der Schlacht passierte und was sich dadurch alles in Europa änderte, wird aber nur sehr kurz erläutert. Dies gehört für mich bei einem Buch über solch einen Wendepunkt der europäischen Geschichte einfach dazu. Hätte er dies in der gleichen Qualität wie den Rest des Buches dargestellt, hätte ich auch die volle Punktzahl vergeben.

Fazit

Bernard Cornwells erster Vorstoß in den Sachbuchbereich ist schlichtweg gelungen. Er präsentiert sich wie bereits in seinen Romanen als exzellenter Schlachtenerzähler, der fesselnd und zugleich informativ eine Schlacht analysieren kann. Besser kann man einem Leser die Schlacht bei Waterloo nicht verständlich machen, auch eignet das Buch sich hervorragend zum Einstieg in die Thematik. Einzig allein die Darstellung der Bedeutung der Schlacht hätte ausführlicher ausfallen können.

4 von 5 Punkten


Wir danken dem Rowohlt Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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