Sonntag, 10. Mai 2015

Rezension: Warten auf Godot (Samuel Beckett)

Suhrkamp
Taschenbuch, 242 Seiten
ISBN: 978-3-518-36501-4
8,00 €


Ein kurzer Einblick

Die beiden Landstreicher Estragon und Wladimir treffen sich an einer Landstraße an einem Baum. Eigentlich haben beide nichts zu tun und so bleiben sie an diesem Baum stehen und verbringen ihre Zeit damit, über alles Mögliche zu sprechen, aber quasi nichts zu tun. Außerdem können sie nicht von diesem Baum fortgehen, da sie dort auf Godot warten. Allerdings sind sie Godot noch nie begegnet und im Grunde wissen sie auch gar nicht, ob es ihn überhaupt gibt und ob er jemals erscheinen wird…

Bewertung

„Warten auf Godot“ ist eines jener Stücke, die man zwar irgendwie gelesen haben sollte, die den Leser aber auch unbefriedigt zurücklassen. Es ist nicht so ganz einfach herauszulesen, was Samuel Beckett dem Leser mit diesem Stück sagen bzw. vermitteln wollte. Dies wird zusätzlich dadurch erschwert, dass sich Beckett zu Lebzeiten weigerte, eigene Interpretationen des Stückes vorzunehmen. So ist der Leser quasi mit seinen Gedanken zum Stück auf sich allein gestellt und muss sich fragen, was ist die Botschaft und was sind die Inhalte dieses Stückes.
Samuel Beckett hat mit „Warten auf Godot“ einen doppelten Einakter geschaffen. Das etwa 100 Seiten lange Stück besteht demnach ausschließlich aus zwei Akten, die quasi identisch ablaufen. Sie finden beide am gleichen Ort statt, die gleichen Personen treten auf und auch was, das passiert, unterscheidet sich nicht in großem Maße. Der einzige Unterschied scheint zu sein, dass der zweite Akt einen Tag später als der erste Akt spielt. Neben dieser Besonderheit findet sich bei Beckett eine Vielzahl an Regieanweisungen, die es dem Leser erleichtern, dem Handeln der Protagonisten zu folgen.
Doch was möchte Beckett dem Leser bzw. dem Zuschauer mit seinem Stück nun sagen? Man begegnet dort den beiden Landstreichern Estragon und Wladimir. Sie führen ein trostloses Leben, das keinen Sinn zu haben scheint. Die beiden leben einfach in den Tag hinein, ohne etwas Bestimmtes vor zu haben, unternehmen oder erreichen zu wollen. Ihre Trostlosigkeit wird noch dadurch verstärkt, dass sie irgendein Grund immer wieder zu der gleichen Stelle führt, an der sie vergebens auf Godot warten. Ob sich diese Misere jemals ändert, ist unklar. Godot scheint derjenige, der sie aus der Misere erlösen könnte, und so hoffen sie ewig weiter, ihn zu treffen.
Das einzige, was die beiden auf der Welt haben, sind sie selbst. Sie verfügen über eine besondere Verbindung und halten stets zusammen. Doch ansonsten scheinen sie sich ihr Leben nur selbst zu erschweren. Da ihnen alles egal ist, drehen sich ihre Diskussionen häufig im Kreis, behandeln Absurdes und führen ständig ins Leere. So tun sie im gesamten Stück quasi nichts und das Stück tritt auf der Stelle. Zusätzlich auftretende Personen sorgen eher für noch mehr Verwirrung, als das Stück voran zu bringen.

Fazit

„Warten auf Godot“ ist eines jener Stücke, das man gelesen haben sollte, allein um über Becketts Intension zu grübeln. Es demonstriert Trostlosigkeit und den fehlenden Sinn des Lebens. Zugleich wird die Hoffnung auf einen Erlöser und die Wichtigkeit des menschlichen Miteinanders dargestellt.

4 von 5 Punkten

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