Mittwoch, 6. Mai 2015

Filmkritik: Das letzte Einhorn



1982 kam einer der Weihnachtsfilmklassiker schlechthin in die Kinos: der Zeichentrickfilm „Das letzte Einhorn“ nach der gleichnamigen Buchvorlage von Peter S. Beagle, der für den Film auch das Drehbuch schrieb. Im Original liehen Mia Farrow (Einhorn), Alan Arkin (Schmendrick), Tammy Grimes (Molly), Christopher Lee (König Haggard) und Jeff Bridges (Prinz Lír) den Hauptfiguren ihre Stimme. Der Film erzählt die Geschichte eines Einhorns, das in seinem immergrünen Wald lebt und eines Tages von zwei Reitern hört, es sei das letzte Einhorn auf der Welt. Verwundert darüber befragt es einen Schmetterling, der ihm vom Roten Stier erzählt, der all die anderen Einhörner ans Ende der Welt getrieben hat. So macht sich das Einhorn auf den Weg, seine Artgenossen wiederzufinden, trifft auf dem langen Weg den Zauberer Schmendrick und die Frau eines Räubers, Molly, die sich ihm anschließen und es zum Schloss des Königs Haggard begleiten, der die Einhörner gefangen halten soll. Als das Einhorn vorm Schloss vom Roten Stier angegriffen wird, verwandelt Schmendrick es in eine junge Frau namens Amalthea, die sich am Hof in den Prinzen Lír verliebt und allmählich ihre Mission vergisst. Doch kann das Einhorn seine ursprüngliche Gestalt wiedererlangen und die anderen Einhörner retten?

Der Film hält sich im Großen und Ganzen sehr genau an die Buchvorlage, einige Dialoge wurden sehr wortgetreu übernommen. Allerdings wurden ein paar Aspekte der Handlung, die nicht entscheidend für die Geschichte sind, nicht mit in den Film übernommen. So kommen etwa das Einhorn, Schmendrick und Molly, bevor sie das Schloss erreichen, noch in das Dorf Hagsgate, das die Handlung rund um König Haggard und den Roten Stier noch etwas erweitert, was meiner Meinung nach auch in den Film hätte eingebaut werden können, aber auch nicht wirklich fehlt. Ein paar Szenen wurden etwas verändert, wie etwa die Gefangennahme von Schmendrick durch die Räuber, die nicht wie im Buch in einem Dorf, sondern im Wald statt findet, was jedoch die Handlung nicht entscheidend verändert. Somit sind alle wesentlichen Handlungsstränge des Buches mit in den Film übernommen worden, was nicht verwundert, wenn Beagle selbst das Drehbuch geschrieben hat.
Ich habe den Film seit meiner Kindheit wirklich geliebt, immer an Weihnachten habe ich ihn nach Möglichkeit gesehen und dann vor ein paar Jahren auch die Buchvorlage gelesen. Da dies etwas her ist, kann es sein, dass mir nicht mehr alle Veränderungen im Vergleich zum Film geläufig sind, doch im Großen und Ganzen ähneln sich Roman und Verfilmung stark. Dem Film gelingt es, das Wesentliche der Romangeschichte herauszuarbeiten, insbesondere wird sehr gut dargestellt, wie den Menschen ihre Phantasie abhanden gekommen ist. Sie erkennen Fabelwesen wie das Einhorn nicht mehr, halten es für ein gewöhnliches Pferd, wenn es nicht durch Magie ein falsches Horn aufgesetzt bekommt. Zusätzlich ist der gesamte Film liebevoll gezeichnet, ich empfand die bildliche Gestaltung des Einhorns, der Menschen und der Landschaft als sehr treffend und gelungen, auch wenn man es natürlich nicht mit den modernen computeranimierten Filmen vergleichen kann, denen ich persönlich sowieso weniger abgewinnen kann. Die Verfilmung hat einen gewissen „Old school-Charme“, geht aber, was die Handlung angeht, auch immer wieder ins Kitschige, was mir als Kind so noch nicht aufgefallen ist und auch im Buch nicht vorhanden ist. Dies wird unterstützt durch die zwar passende Musik der Band America, die ich als Kind auch immer geliebt habe, doch mittlerweile, vor allem in Bezug auf die Lír-Amalthea-Geschichte, als kitschig empfand. Auch habe ich inzwischen die DVD gekauft und den Film das erste Mal im Original gehört, was mir zusätzlich nicht besonders gefallen hat. Auf mich wirkten die Stimmen meist nicht sehr passend, vor allem die des Einhorns, Christopher Lee als König Haggard konnte mich noch am meisten überzeugen. Vielleicht bin ich einfach zu sehr an die deutschen Stimmen gewöhnt, doch im Englischen gefiel mir der Film gar nicht. Er hat leider ein wenig an Charme verloren, der mich als Kind noch so fesseln konnte.

Fazit

„Das letzte Einhorn“ ist trotz der erwähnten Mängel immer noch ein liebevoll gestalteter Fantasyfilm, der das Wesentliche der Handlung des Romans gelungen umsetzt, aber auch immer wieder ins Kitschige abdriftet. Er ist stärker als das Buch vor allem für Kinder gemacht, bietet somit nette und etwas zum Nachdenken anregende Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger. Die Romanvorlage würde ich Erwachsenen viel eher empfehlen, diese konnte mich auch im Erwachsenenalter noch absolut überzeugen.

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