Dienstag, 28. April 2015

Rezension: Ruinen – Partials III (Dan Wells)

Piper ivi
Gebunden mit Schutzumschlag, 480 Seiten

ISBN: 978-3-492-70284-3
19,99

Ein kurzer Einblick

In „Fragmente“ haben Kira, Samm und Heron in Denver ein Reservat mit überlebenden Menschen gefunden. Aufgrund der von Dr. Vale, einem ehemaligen Trustmitglied, gefangen gehaltenen zehn Partials und dem von ihnen geernteten Pheromon konnten in den letzten Jahren alle Neugeborene im Reservat das RM-Virus überleben. Doch ehe Kira auf alle ihre Fragen eine Antwort finden kann, wird sie von Dr. Morgan aufgegriffen und zum Hauptquartier der Partials im Osten des Landes mitgenommen, da das ebenfalls ehemalige Trustmitglied der Überzeugung ist, mit Hilfe von Kiras DNA das Verfallsdatum der Partials aufhalten zu können.
Währenddessen erkranken in „Ruinen“ immer mehr Partials auf Long Island an einer urplötzlich aufgetretenen tödlichen Seuche und ein roter Riese verkündet die Ankunft des Schnees. Dass der „Blutmann“ sowohl auf Partials, als auch auf Menschen Jagd macht, ist dabei noch das kleinere Problem, als es der Anführerin der Widerstandskämpfer gelingt, eine Atombombe in die Nähe des Partial-Hauptquartiers zu schleusen und damit scheinbar jedwede Chance auf einen Frieden zwischen den beiden Völkern zunichtemacht.

Bewertung

Wie im Einblick angedeutet, geht es in diesem Abschluss der Trilogie spannend, mysteriös und auch schockierend weiter. „Ruinen“ hat mich dabei von der ersten Seite an gefesselt. Für alle diejenigen Leser, die aufgrund der längeren Zeitspanne zwischen „Fragmente“ und diesem Band die Vorgänger nicht nochmals gelesen haben, hat Dan Wells die bisherigen Ereignisse gekonnt kurz und knapp im ersten Kapitel zusammengefasst.
Wie gehabt wechselt er die Erzählperspektive auch hier wieder zwischen Kira und der Gruppe um Marcus auf Long Island. Hinzu kommen dieses Mal noch die Gruppe um Samm und Heron, welche in Denver verblieben sind und die im Koma gehaltenen Partials befreien, und der Zusammenschluss von Kiras Schwestern und deren Ziehmutter Nandita, die versuchen, die auf Long Island beiden einzig überlebenden Kindern zu beschützen.
Insgesamt wartet Wells wieder mit allen bisher aufgetretenen Menschen und Partials auf, sofern sie noch leben. Dazu kommen weitere Akteure, von denen aufgrund der allgemeinen Fülle allerdings nicht alle eine Tiefgründigkeit entwickeln wie z.B. Ariel, in deren Gefühls- und Gedankenwelt der Leser dieses Mal sehr ausführlich eintauchen kann. Kira kommt in diesem Band für mich eher kühl und distanziert herüber, was aber einfach an der Konstellation der Ereignisse liegt. Als gewaltiger Gegenpol dazu fungiert Marcus, der mich mit seiner unerschütterlichen optimistischen Art immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Auch lässt Wells ihn, gerade im Gespräch zwischen Kira und Marcus über den Sinn des Lebens jedes Einzelnen, schöne tiefgründige Sachen sagen wie:

„Dein fehlender Daseinszweck ist das größte Gut, das du besitzt, denn es bedeutet, dass du alles sein kannst, was du willst.“ (S. 392)

Obwohl Wells Partials-Trilogie zum Fantasy/SciFi-Genre zählt, hatte ich gerade bei diesem Abschlussband über weite Strecken das Gefühl, einen Kriegsbericht zu lesen. Dies lässt sich bereits im ersten Kapitel erahnen und baut sich im Laufe der Geschichte immer weiter aus. So schonungslos und erschütternd Kiras Reise und die ihrer Freunde dadurch teilweise ist, fand ich es trotzdem erfrischend. Denn diese Erzählweise gibt dem Thema eine Realitätsnähe, die über andere Fantasyromane hinausgeht. Sie lässt mich regelrecht an unsere realen Krisen denken. Egal ob weltweite (Glaubens-)Kriege oder Fremdenfeindlichkeit gegen Flüchtlinge in der Nachbarschaft, mit einem Satz hat Dan Wells die ganze Problematik wunderbar zusammengefasst:

„Alles, was […] misslang, ist darauf zurückzuführen, dass eine Spezies die Oberhand über die andere gewinnen wollte.“ (S. 360)

Solange sich einige Menschen für besser als andere halten oder sich von der Angst vor Andersartigkeit überwältigen lassen, werden immer wieder Konflikte aufbrechen und ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Nationen und Glaubensgemeinschaften schwierig machen.
Wie Dan Wells diese Konflikte zwischen seinen Partials und den Menschen zum Ende hin löst, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel sei erwähnt, dass er offene Fragen beantwortet und auch die von mir im zweiten Band vermeintlich entdeckte Ungereimtheit wird aufgeklärt. Allerdings muss ich gestehen, dass ich das Ende, was natürlich ein sehr offenes ist, zu abrupt finde. Hier hätte ich mir ein wenig mehr „Abklingzeit“ gewünscht.

Fazit

Sind denkende und fühlende Wesen fähig, aus Ruinen eine neue friedliche Welt zu erschaffen? Philosophische Gedanken treffen hier auf genmanipulierte Menschen, eiserne Entschlossenheit und die Grausamkeiten von Kriegen. Packender und realistischer hätte Wells seinen Trilogie-Abschluss meiner Meinung nach nicht schreiben können. Ein würdiges Ende, das sehr zum Nachdenken anregt.

4 von 5 Punkten 


Wir danken Piper ivi für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

1 Kommentar:

  1. Band 1-3 liegt noch ungelesen bei mir rum. Aber der Abschluss klingt gut und lesen werde ich die Trilogie auch endlich im Sommer. Schönes Fazit!

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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