Montag, 20. April 2015

Rezension: Die Wegwerfkuh (Tanja Busse)

Blessing Verlag
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-89667-538-5
16,99 €

Ein kurzer Einblick

Tanja Busse, eine der gefragtesten deutschen Expertinnen im Bereich Ernährung und Landwirtschaft, setzt sich in ihrem neuen Buch mit den Missständen in der deutschen Landwirtschaft auseinander. Diese produziert stetig mehr Milch, Fleisch und Eier in immer kürzerer Zeit, ist dabei aber auch auf riesige Verschwendungen ausgelegt. Etwa erzeugt sie Milchkühe, die trotz einer natürlichen Lebenserwartung von etwa 20 Jahren nach drei Jahren bereits geschlachtet werden und durch zu hohe Milchproduktion krank und unfruchtbar werden. Gleichzeitig werden die meisten Bauern immer abhängiger von einzelnen Großunternehmen, die auch die Preise diktieren, und verschulden sich immer stärker. Das Buch setzt sich aber nicht nur mit den Missständen auseinander, sondern bietet zum Schluss auch Vorschläge für eine nachhaltige Landwirtschaft.

Bewertung

Ich wollte mich bereits seit längerem näher mit unserer Landwirtschaft beschäftigen, auch nachdem man in den letzten Jahren immer wieder über Missstände in dieser aufgeklärt wurde, weshalb Tanja Busses neues Werk für mich wie gerufen kam. Direkt im Vorwort räumt sie mit dem von vielen Landwirtschaftslobbyisten verbreiteten Märchen auf, die Entwicklung der modernen Landwirtschaft sei eine auf hoher Effizienz basierende Erfolgsgeschichte. Vielmehr sei sie eine „gigantische Ressourcenvernichtungsmaschine“, die unzählige Tiere, die den Vorgaben ihrer Hochleistungswirtschaft nicht entsprechen, aussortieren, wie etwa die Millionen von männlichen Küken, die direkt nach dem Schlüpfen getötet werden, da sie nicht als Legehennen genutzt werden können. Diese und andere Missstände will Busse in ihrem Buch aufzeigen und Vorschläge zur Lösung dieser Probleme anbieten, wobei sie betont, sie wolle nicht Bauern herunter machen, sondern habe unter anderem für diese ihr Werk geschrieben. Sie beginnt dann, verschiedene Missstände in der modernen Landwirtschaft herauszustellen, wobei die verschiedenen Themen, die sich vor allem um Kühe aber auch um Hühner und Schweine drehen, aufeinander aufbauend geschildert werden, was auch zeigt, wie sehr miteinander verbunden die unterschiedlichen Probleme sind. Dabei werden immer wieder Berichte von Höfen und Tagungen mit eingebunden, die die dargestellten Zustände verständlicher machen. Man erfährt nicht immer Neues, bekannte Themen wie das Töten männlicher Küken, der sehr hohe Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung, die Entstehung multiresistenter Keime oder die Tatsache, dass das Getreide, das in Mastbetrieben an die Tiere verfüttert wird, viel mehr Menschen satt machen könnte als das Fleisch der Tiere, die damit gefüttert werden, tauchen auf, doch genauso viele mir eher unbekannte Probleme deckt die Autorin auf, die insgesamt ein erschreckendes Bild des Zustands der weltweiten Landwirtschaft liefern, wenn auch immer wieder betont wird, wie viel besser es in Deutschland etwa im Vergleich zu den USA und Australien läuft, wenn man zum Beispiel die negativen Auswirkungen für die Umwelt durch die Massentierhaltung bedenkt.
Die Darstellung der Missstände, etwa auch die Auswirkungen für die meisten Bauern, die immer weniger verdienen, sich verschulden und sehr abhängig von Großunternehmen sind, wird eindrucksvoll und erschütternd geschildert, wenn mir persönlich auch der Bereich Bio zu kurz gekommen ist und ich es als Einsteiger in das Thema schwer fand, all die erwähnten Organisationen zu behalten, die im Bereich der deutschen Landwirtschaft eine Rolle spielen. Dafür konnten mich die am Ende des Buches aufgeführten Vorschläge für Verbesserungen der Missstände nicht immer überzeugen. Ein paar wirkten etwas naiv, doch ich kenne mich auch zu wenig mit dieser Thematik aus, um die Erfolgschancen der Verbesserungsvorschläge wirklich beurteilen zu können. Doch insgesamt ist Busse ein wirklich beeindruckendes Plädoyer für einen artgerechteren Umgang mit Kühen, Schweinen und Hühnern gelungen, das den Leser nicht kalt lässt und zum Nachdenken über unser Ernährungsverhalten anregt.

Fazit

Ein wichtiges, meist verständlich geschriebenes Sachbuch über unsere moderne Landwirtschaft und ihre Auswirkungen, das hoffentlich in der Politik und der Landwirtschaftsbranche das Austauschen über Verbesserungsmöglichkeiten anregt und zu wünschenswerten Veränderungen führt. Ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen. Es stellt eine Thematik dar, die uns alle angeht, und bietet auch Tipps, wie man als Konsument einiges beeinflussen und verändern kann.

4 von 5 Punkten


Wir danken dem Blessing Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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