Sonntag, 15. März 2015

Rezension: Berlin Feuerland (Titus Müller)

Blessing Verlag
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 480 Seiten
ISBN: 978-3-89667-503-3
19,99 €

Ein kurzer Einblick

Berlin im März 1848: Hannes Böhm lebt im Berliner Feuerland, ein Industriegebiet, das von Fabriken und Massenarmut geprägt ist. Doch Hannes will seiner Heimat entfliehen, spart jeden Groschen, den er durch seine Tätigkeit als eine Art Fremdenführer durch sein Viertel verdient. Dabei zeigt er interessierten Bürgern das Elend in den Hinterhäusern des Feuerlandes. Bei einer Führung lernt er Alice Gauer kennen, die als Tochter des Kastellans in einer der Residenzen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., im Berliner Schloss, lebt und von der Not tief betroffen ist. Hannes und sie lernen sich besser kennen und verlieben sich ineinander, als der Konflikt zwischen dem König und dem Volk eskaliert und die Märzunruhen beginnen…

Bewertung

„Berlin Feuerland“ ist der erste Roman, den ich von Titus Müller gelesen habe, der sich bereits mit einigen historischen Romanen wie „Der Kalligraph des Bischofs“ und „Nachtauge“ einen Namen machen konnte. Sein neues Werk behandelt nun die Märzunruhen 1848, wobei der Fokus nur auf den Entwicklungen in Berlin liegt, was auf dem sonstigen deutschen Gebiet passierte, wird im Buch nicht erwähnt. Dafür werden aber die Ereignisse in Berlin, die sehr genau und gründlich recherchiert wurden, historisch sehr authentisch dargestellt, was ich immer begrüße. Die Unruhen werden sehr detailliert und historisch genau wiedergegeben, historische Personen wie der Polizeipräsident von Berlin, Julius von Minutoli, und General Ernst von Pfuel, Befehlshaber der Truppen in Berlin, tauchen auf und nach dem Ende des Romans werden auf einigen Seiten die tatsächlichen historischen Ereignisse und Personen noch einmal erläutert und aufgezeigt, wie sehr sich der Autor an die Realität gehalten und wo er sich künstlerische Freiräume erlaubt hat. Außerdem gibt er dem interessierten Leser zum Schluss noch einige Literaturtipps zur Thematik. Die historischen Begebenheiten werden also sehr gut behandelt. Beim Lesen versinkt man beinahe in diesem Berlin der 1840er Jahre. Man sieht es vor seinem geistigen Auge auferstehen, auch da viele (auch heute noch existierende) Straßen und Orte erwähnt werden, und sieht den Kontrast zwischen der Armut in den Industriegebieten und dem Reichtum um das Berliner Schloss deutlich vor sich. Dies lässt einen am Lesen keinesfalls kalt, die elenden Lebensumstände der Arbeiter lassen einen nicht mehr in Ruhe und man fiebert umso mehr bei ihrem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und einige, für uns heute selbstverständliche Grundrechte mit. Demgegenüber erscheint die Reaktion des Adels und vor allem der Königsfamilie enorm befremdlich, da Müller auch sehr überzeugend die allmählichen Zweifel an der konservativen, starren Haltung des Königs durch das Militär, den Polizeiapparat und ebenso die Bürgerlichen, die immer stärker mit den Arbeitern sympathisieren, herausarbeitet.
Diese intensive und spannende Darstellung der historischen Ereignisse wird schließlich mit der fiktiven Liebesgeschichte zwischen Hannes und Alice verknüpft, bei der die Welten des Adels (auch wenn Alice nicht komplett dazu gehört) und der Arbeiterschicht aufeinanderprallen. Gelingt die Schilderung des tatsächlichen Geschehens im März 1848 wirklich herausragend, so konnte mich die Liebeshandlung nicht immer überzeugen. Es war mir ab und zu ein wenig zu kitschig und unrealistisch und generell waren die Charaktere allesamt etwas schwach, zwar auch liebenswürdig, aber sie boten eben auch nicht gerade viele Facetten und hätten insgesamt mehr Tiefe vertragen können. Nichtsdestotrotz war der Roman spannend zu lesen und die Gesamthandlung fesselte mich die gesamte Zeit. Wenn ich die Zeit gehabt hätte, hätte ich ihn in einem Rutsch durchgelesen.
Am Ende möchte ich noch die Aufmachung des Buches positiv hervorheben. Das Cover, das eine Frau hinter verschlossenen Fenstern zeigt, in denen sich eine Barrikade mit gehisster Deutschlandfahne spiegelt, gibt die Ereignisse und den im Roman dargestellten Kontrast sehr gut wieder. Außerdem sind auf den Innenseiten des Einbandes zum einen eine Lokomotivfabrik in Berlin um 1840 und zum anderen das eindrucksvolle Berliner Schloss abgebildet, so dass auch die bildliche Ausgestaltung des Buches zum sehr positiven Gesamteindruck des Romans beiträgt.

Fazit

Für jeden, der sich für die Märzunruhen 1848 und die Geschichte der Stadt Berlin interessiert, ist dieser spannende und gut recherchierte Roman von Titus Müller nur zu empfehlen, da vor allem die historisch genaue Schilderung der Ereignisse absolut überzeugt. Die Liebesgeschichte konnte mich, wie gesagt, nicht ganz so fesseln, stören tut sie wiederum aber auch nicht. Insgesamt ein wirklich gelungenes Werk des Autors, das mich neugierig auf weitere Bücher von ihm gemacht hat.

4 von 5 Punkten


Wir danken dem Blessing Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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