Sonntag, 22. Februar 2015

Rezension: Klammroth (Isa Grimm)

Bastei Lübbe
Paperback, 335 Seiten
ISBN: 978-3-7857-6107-6
14,99 €


eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-8387-5305-8


Ein kurzer Einblick

Ein gähnendes Loch im Berg gemahnt des Grauens, das hier vor 16 Jahren geschah. Dicke Stahltore verschließen den 200 Meter langen Tunnel, doch etwas wispert in der Finsternis. Kinderstimmen, Schatten - eine Anziehungskraft geht vom Berg aus, der sich Anais nicht entziehen kann. Sie ist in ihren Heimatort Klammroth zurückgekehrt, um den Nachlass ihrer Stiefmutter zu regeln. Diese ist bei einem Hausbrand ums Leben gekommen. Ihr Vater ist ein Pflegefall im örtlichen Altenheim. Zusammen mit ihrer Tochter Lily besucht Anais den Ort ihrer Vergangenheit, den Ort böser Erinnerungen, ein letztes Mal.

Bewertung

Wenig verbindet Thriller-Autorin Anais mit dem Ort ihrer Kindheit Klammroth. Sie hat dem einstigen Touristenort den Rücken gekehrt. Ein Unfall im Tunnel, ließ die Busse des Schulausflugs in Flammen aufgehen und nur wenige konnten dem Feuer entkommen. Die meisten leben noch immer im Ort. Schlimme Verbrennungen verunstalten ihre Leiber. Ihre Stiefmutter baute eine Schmerzklinik auf, die sich zu einem renommierten Institut in Deutschland mauserte. Diese jedoch ist bei einem Hausbrand ums Leben gekommen. Kommissar Herzog bat sie her, um den Verdacht auf Mord aufzuklären. Außerdem muss sie den Nachlass regeln. Dabei würde Anais nichts sehnlicher als den Ort so schnell wie möglich wieder verlassen.

Die Atmosphäre ist bedrückend düster, wohlig schaurig und beklemmend genug, um heimeliges Gruselgefühl aufkommen zu lassen. Die Regenmassen, die den Fluss ansteigen lassen und den Ort beginnen zu fluten, tragen der Stimmung bei. Die Inszenierung des Tunnels als uraltes böses Wesen, das nach immer neuen Opfern giert, schwebt als böses Omen im Hintergrund. Der Tunnel ist es, der diesen Ort zeichnet und zu dem macht, was er heute ist. Ein verlassenes Örtchen abseits der Hauptstraßen. Touristen verirren sich seit Langem nicht mehr hierher. Dafür ist der Anblick von Verbrennungsopfern auf der Straße zu einem gewohnten Bild geworden. Seltsame Ereignisse, mysteriöse Ahnungen in der Luft hüllen Klammroth in ein Geistertuch. Einstige Schulfreunde begegnen Anais mit Hass und Neid. Hass darauf, dass es Anais so sehr viel besser ergangen ist als ihnen. Neid auf Anais, da sie etwas aus ihrem Leben gemacht hat. Klammroth lebt vom Schmerz und Leid der Einwohner.

Isa Grimm baut einen spannenden Gruselroman auf und beendet ihn auch so. Wäre sie doch dabei geblieben. Unterwegs mischt die Autorin Elemente des Krimis unter oder lässt den Roman desweilen in einen Krankenhaus-Thriller übergehen - zumindest erweckt dies bisweilen den Anschein. Dem ist jedoch noch nicht Genüge getan: Vergangenheitsbewältigung muss ebenso untergebracht werden wie Ortshistorie. Viele der Genreelemente greifen ineinander und bilden eine gute Synergie. Leider nur streckenweise. Abseits dessen vermag der Genremix nicht richtig zu funktionieren. Der Leitfaden - wohin soll die Geschichte gehen? - ist schwer greifbar. »Klammroth« verliert sich in den Genren, sodass das Gesamtpaket trotz der schaurigen Atmosphäre nicht gänzlich überzeugen kann.

Fazit

»Klammroth« hätte mit einer soliden Figurenzeichnung, aber vor allem der großartigen Gruselatmosphäre ein toller, kurzweiliger Roman werden können. Zu viele Genremischungen lassen die Handlung im Mitteilteil zu sehr schlingern - trotz der fein ausgearbeiteten Story. Letztlich bleibt ein verdammt unterhaltsamer Roman.

3 von 5 Punkten

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