Mittwoch, 4. Februar 2015

Filmkritik: Justified - I. Staffel


Der Deputy Marshall Raylan Givens (Timothy Olyphant) handhabt die Dinge ein wenig anders als seine Kollegen. In Miami gibt er dem Auftragskiller eines Drogenkartells 24 Stunden Zeit, die Stadt zu verlassen, andernfalls würde er ihn erschießen. Als der nicht darauf eingeht, zieht Givens seine Waffe und drückt ab. Und wird nun unverzüglich von den genervten Vorgesetzten zu seinem eigenen Schutz in seinen Heimatort Lexington, Kentucky versetzt. Dort sieht er sich nicht nur einer Gruppe Neonazis gegenüber, angeführt von Intimfeind Boyd Crowder (Walter Goggins), sondern auch dem Wiedersehen mit Ex-Frau Winona (Natalie Zea) und seinem entfremdeten Vater Arlo (Raymond J. Barry). Während Givens auf seine ganz eigene Art versucht, den bedrohten, ohnehin fragilen Frieden in Lexington zu wahren und nebenbei die täglichen Verbrechen zu untersuchen, muss er sich gleichzeitig seiner Vergangenheit stellen. Und die scheint eine größere Gefahr in sich zu bergen, als er sich eingestehen will.

Elmore Leonard (1925-2013) war der Schöpfer einiger der wohl lakonischsten Krimigeschichten der Moderne. Viele seiner Figuren stehen am äußeren Rande des Gesetzes, ordnen sich ihrer ganz eigenen Moral unter, doch Leonard gibt ihnen auch stets ein Augenzwinkern mit, das sie weder zu Helden noch zu Schurken macht. Unvorhersehbarkeit und trockener Witz zeichnen seine Romane aus, von denen schon mehrere verfilmt wurden (u.a.‚Out of Sight’, ‚Jackie Brown’), und mit ‚Justified’ hat es erstmals einer seiner Protagonisten auf Serienformat gebracht.
Tatsächlich wären die Erlebnisse Raylan Givens’, Hauptfigur in 3 Romanen und einer Kurzgeschichte Leonards, für einen einzigen Film zu komplex, zu mehrdeutig gewesen. Es geht nicht einfach nur um einen Marshall, der eben etwas unkonventionell agiert. Es geht um Schuld und Sühne, um Liebe und Verrat, um Väter und Söhne. Das großartige an der Figur des Givens ist seine unerschütterliche Gelassenheit, mit der er nicht nur seinen Gegnern mit gezogener Waffe entgegentritt, sondern auch den Kollegen beim morgendlichen Kaffee begegnet oder seiner Ex-Frau die Fahrstuhltür aufhält. Ein spöttisches Lächeln auf den Lippen, während er auf altmodische Weise den Hut zieht, wenn er mit einer Frau spricht, so dass nicht nur sie sich in diesen Momenten fragen muss: „Ist der Kerl echt?“.  Erst in den kurzen Momenten allein im Motelzimmer blitzt dann etwas anderes durch und man kann lange nur spekulieren, was sich tatsächlich hinter der Fassade des einsamen Cowboys befindet.
Die Erzählweise von ‚Justified’ ist eine Mischung aus klassischem Western und Neo Noir-Thriller, angesiedelt im Süden der USA, der selten dreckiger dargestellt wurde. Hinterwäldler, Dealer, Killer – Raylan Givens wird mit wenig Gutem konfrontiert und es könnte schnell klischeehaft werden, doch ist es der trockene, zuweilen fiese Witz und die grandiosen Dialoge, die die Geschichten einzigartig und vor allem sehr unterhaltsam machen.
Doch natürlich wäre alles nur halb so gut ohne das großartige Darsteller-Ensemble. Hier stechen besonders Nick Searcy als Chief Deputy Marshall Art Mullen und Walter Goggins als furchteinflößender Boyd Crowder heraus. So gut alle sind: Timothy Olyphant, der schon in ‚Deadwood’ und dem Horrorfilm-Remake 'The Crazies' überzeugend den Sheriff gab, ist Dreh- und Angelpunkt von ‚Justified’. Äußerlich zwar cool und scheinbar stets jedem mit Waffe oder einem Spruch überlegen, gelingt es Olyphant glaubwürdig, einen gescheiterten Mann zu portraitieren, der eigentlich vor den Trümmern seines Lebens steht und es sich nicht eingestehen will. Das hebt die Figur wunderbar ab von den markigen Sprücheklopfern, denen man im TV sonst oft begegnet.

Fazit

‚Justified’ ist allerfeinste Krimi-Unterhaltung: Spannend, atmosphärisch, mit bissigen Dialogen und klasse Darstellern. Die Fälle pro Episode halten einen genauso in Atem wie die Entwicklung der Figuren. Und das ist erst die erste Staffel - Vorsicht also: Es besteht echte Suchtgefahr! Warum sich die Serie hierzulande nie so recht durchsetzen konnte, ist mir ein echtes Rätsel.

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