Sonntag, 25. Januar 2015

Rezension: Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten (Daniel Kehlmann)

Rowohlt
Taschenbuch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-499-24926-6
9,99 €


Ein kurzer Einblick

Daniel Kehlmann erzählt in diesem Roman neun Geschichten unterschiedlichster Personen. Diese stehen scheinbar jede für sich, jedoch nur scheinbar! Eigentlich hängen sie auf verzwickte, intelligente Weise miteinander zusammen. Die Wege der Personen führen in Wirklichkeit und Irrealem raffiniert zueinander und demonstrieren jeder für sich komische, irrationale oder nachdenkliche Wendungen.

Bewertung

Daniel Kehlmann hat mit „Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten“ einen etwas anderen Roman geschaffen. Er mutet zunächst wie eine Sammlung von Kurzgeschichten an. Als diese kann man ihn auch lesen (Ausnahme ist die letzte Geschichte), doch fehlt dem Roman dann das Intelligente und Witzige, das ihn so lesenswert macht. So hängen die neun Geschichten und ihre Hauptpersonen auf raffinierte Art und Weise miteinander zusammen. Dies wird dem Leser nach der Lektüre der ersten Geschichten relativ schnell klar und nun gewinnt der Roman seinen besonderen Reiz. Der Leser ist angespornt, auf jedes noch so kleine Detail zu achten bzw. sich alle Namensgebungen exakt zu merken, um die Verbindungen innerhalb der Geschichten zu entdecken. Am liebsten würde man zudem nach dem Beenden des Romans ihn noch einmal lesen, um weitere Zusammenhänge zu entdecken.
Jede Geschichte ist für sich vollständig anders, pointiert geschrieben und wirft andere Fragen auf. Die eine ist traurig, die andere ist tiefgreifend und die wieder andere ist völlig irrational. Daniel Kehlmann erzählt in einigen von ihnen von Dingen, die man nie für möglich gehalten hätte und in anderen von Sachverhalten, über die man noch nie nachgedacht hat. Er beschreibt Doppelleben, den Wechsel und den Verlust der eigenen Identität ebenso wie die bewusste Entscheidung zu sterben. Obwohl im Grunde alle Geschichten zum Nachdenken anregen, sind alle und insbesondere die sie tragenden Personen völlig anders aufgebaut. Bei den einen kann man als Leser mitfühlen, bei den anderen nur den Kopf schütteln und bei wieder anderen über die Realitätsnähe zweifeln.
Das besondere an den Geschichten ist zugleich, dass in ihnen Realität und Irreales verschwimmen. Dadurch, dass Daniel Kehlmann Autoren auftreten lässt, von denen einer gerne ihm bekannte Personen in seinen Roman verarbeitet, ist nie klar, ob man sich gerade in der Realität befindet. Da dies im Grunde nie aufgelöst wird, ist bei allen Geschichten nicht eindeutig zu erkennen, was ist eigentlich Realität und was nicht? Durch diesen Kniff gelingt es Kehlmann zudem, einen Roman mit einer Mischung aus völlig unterschiedlichen Erzählformen zu konstruieren.
Zugleich schafft es Daniel Kehlmann, beim Leser völlig unterschiedliche Gefühle zu wecken. Die eine Geschichte ist komisch, die andere so traurig, dass man am Ende als Leser betroffen zurückbleibt und die Geschichte erst einmal verdauen muss, bevor man weiterlesen kann. Doch eigentlich ist jede Geschichte nie zu Ende. Insgesamt ist es schade, dass das Büchlein nur 200 Seiten hat. Gerne hätte man noch viel mehr von dieser Erzählkunst Kehlmanns gelesen und einiges mehr über die Personen und ihre Geschichte erfahren. Am Ende ist jedoch leider alles ziemlich offen gehalten, auch, was hieran eigentlich zu ruhmvoll ist.

Fazit

Daniel Kehlmann hat mit „Ruhm“ einen etwas anderen Roman geschaffen, der aus der Fülle der Romane heraussticht. Seine Idee, für sich stehende Geschichten und Personen miteinander zu verbinden, ist intelligent und reizvoll. Ihre Unterschiedlichkeit ist zudem verblüffend. Gerne hätte man noch viel mehr davon gelesen.

4 von 5 Punkten

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