Dienstag, 13. Januar 2015

Rezension: Fluch der Toten (Z.A. Recht)

Heyne
Taschenbuch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-453-53449-0
8,99 €

eBook, 7,99 €
ISBN: 978-3-641-10534-1


Ein kurzer Einblick

Anna Demilio forscht fieberhaft nach einem Heilmittel gegen das Morgenstern-Virus. Unterdessen reist eine von ihnen getrennte Gruppe nach Omaha, um Sherman und seinen Trupp Soldaten zu unterstützen. Blutrünstige Monster gieren nach ihrem Fleisch, marodierende Plünderer machen die Reise schwer und Specialagent Sawyer sinnt auf Rache. Die Rettung der Menschheit ist nahe, aber wird es ihnen gelingen, das Heilmittel herzustellen?

Bewertung

Die Erde ist entvölkert. Plündernde Banditen streunen durch zombieverseuchte Landschaften. Rechtschaffenere Überlebende verbarrikadieren sich in autarken Dörfern. Fremden gegenüber sind sie misstrauisch. Auf Rückhalt durch die Regierung oder auf einen Impfstoff gegen die tödlichen Viren hofft schon lange niemand mehr. Fast niemand. Einige wenige Überlebende forschen mit Hilfe von Anna Demilio an einem Heilmittel. In einer Welt von Sprintern und Watschlern, die in Kellerlöchern, dunklen Hauseingängen oder wucherndem Gestrüpp nach Menschenfleisch gieren, ist das Überstehen der Seuche nicht einfach. Die Watschler stellen keine ernsthafte Gefahr dar, erst in Massen werden sie hochgefährlich. Die Sprinter sind lebend infizierte Menschen, die Teile ihrer Hirnaktivität behalten haben und deutlich lebhafter und damit todbringender agieren. Ein Kopfschuss tötet sie alle.

Die »Morgenstern«-Trilogie hat ihren Fokus verschoben. »Die Jahre der Toten« beschränkte sich zwar auch auf verhältnismäßig wenige Protagonisten, betrachtete aber das globale Weltgeschehen. In Tagen, in denen die Erde vor die Hunde gegangen ist, fokussiert sich der abschließende Band »Der Fluch der Toten« auf die Charaktere und die Orte Abraham und Omaha. Die einst größte Stadt Nebraskas beherbergt ein streng geheimes Forschungslabor, in dem Anna Demilio seit Wochen fieberhaft nach einem Impfstoff forscht. Frank Sherman, überlebende Soldaten und Zivilisten, sichern den Ort. Die Nahrungsmittelknappheit setzt ihnen gehörig zu, sodass Raubzüge in regelmäßigen Abständen fällig sind. Wohnungen und Geschäfte werden geplündert. Stets lauert der Tod im Nacken, denn jedes Geräusch lockt die Zombies an.

Abraham war der große Schauplatz aus »Aufstieg der Toten«. Warum dieser Ort erneut verwurstet wird, geht nicht wirklich aus der Handlung hervor. Brauchte es einen Vorwand, um Sheriff Keaton nach Omaha zu holen? Um Lutz eine Revanche auf Rache zu geben, wird es jedenfalls nicht gegangen sein. Der gerissene Gauner steht als Tölpel neben Specialagent Sawyer. Letzterer belieferte Lutz mit Waffen. Zu welchem Zweck wird nicht geklärt. Die Gegend tyrannisieren ... Reichlich sinnlos, denn meilenweit gibt es nur die Ortschaft Abraham. Sawyer hat zwar Pläne mit der Stadt - doch was zum Henker soll das bezwecken? Geile Action für den Leser? Eine einfallsreichere Story würde eine viel bessere Wirkung entfalten. Stattdessen werden dröge Schießereien, Qualm und Feuerwerk serviert.
Ähnliche Bemühungen hat der Roman mit dem Militärmuseum. Der Mehrwert für die Handlung tendiert gegen Null. Ballereien bietet das Buch wahrlich genug. Gewalt, Blut und Gemetzel ebenfalls. Derartige Lückenfühler lesen sich in dem Moment gut, passen aber so überhaupt nicht in die Handlung hinein. Auf etwas fragwürdige, in sich inkonsequente Szenen gehe ich daher gar nicht ein.

»Fluch der Toten« ist großer Murks. In wenigen Sätzen werden politische Ränke angesprochen. Das spielt keine Rolle, denn weiter darauf eingegangen wird nicht. Vielmehr springt wieder ein Zombie aus dem Straßengraben, der hingebungsvoll niedergemetzelt wird. Sawyer, der sich irgendwo in diesem Machtspielchen befindet, handelt im Auftrag des Präsidenten der »Wiedervereinigten Staaten von Amerika«. Doch er verfolgt insgeheim eigene Pläne. Angedeutet wird, dass sich der skrupellose Agent zum Diktator der USA aufschwingen könnte. Auch das fällt unter den Tisch. Stattdessen wird eine simple und langweilige Rachestory gesponnen, die so gar nicht zu dem Charakter passt. Rache ist in Ordnung - aber nicht als alleiniges Ziel!

»Fluch der Toten« leidet an einer viel zu konventionellen Story, die in Nebensätzen verborgenes Potential partout nicht ausbauen will. Da bewegen sich zwei Gruppen durch die USA. Beide folgen dem gleichen Pfad, kommen mehr oder weniger an den gleichen Orten vorbei ... Wow, das ist so spannend wie eine aufziehbare Puppe, die hochdramatisch ein Lied abspult. Was macht Verfolger Specialagent Sawyer? Er reiht sich ein, besucht abermals Abraham. Die Spannung mag vorhanden sein, da die Action sich durchweg flott liest, aber die Luft ist draußen. Neues wird nicht im Ansatz geboten. Eines aber darf man dem Roman nicht vorenthalten: Die allgegenwärtige Gefahr der Zombies ist präsent und erschafft ein beängstigendes Gefühl, wenn gesicherte Orte verlassen werden müssen. Das allein reicht leider nicht für einen durchschnittlichen Roman.

Fazit

Jeder Teil der »Morgenstern«-Trilogie hat es tatsächlich geschafft neue gravierende Schwächen aufzubauen, ohne in anderen Teilen wie Charakterskizzierung oder überraschende Handlungsstränge besser zu werden. Stattdessen wird geschmacklose Kost geboten, die wenigstens durch die stete Zombiebedrohung hinuntergewürgt werden kann.

2 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen