Mittwoch, 7. Januar 2015

Rezension: Ein Lied für meine Tochter (Jodi Picoult)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 571 Seiten
ISBN: 978-3-404-16967-2
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Zoe und Max Baxter versuchen bereits seit Jahren ein Kind zu bekommen, doch auch durch künstliche Befruchtung will es einfach nicht gelingen. Zoe erleidet mehrere Fehlgeburten, die Kosten für die Behandlungen bringen beide beinahe an den finanziellen Ruin, woran letztlich auch ihre Ehe zerbricht. Kurz darauf freundet sich Zoe mit der Schulpsychologin Vanessa an, in die sie sich schließlich verliebt und mit der sie eine Familie gründen möchte. Dafür möchte sie die drei Embryonen nutzen, die noch von ihrer letzten Behandlung eingefroren sind, wofür sie allerdings Max` Einverständnis braucht, der schließlich der Vater ist. Dieser ist jedoch mittlerweile Mitglied in einer christlichen Gemeinde, die seit Jahren gegen Homosexualität kämpft, und will Zoes Plan unbedingt verhindern…

Bewertung

Der Leser bekommt mit diesem Werk von Jodi Picoult kein normales Buch geboten, sondern zusätzlich zur Geschichte auch noch zu jedem Kapitel ein von der Autorin und einer ihrer Freundinnen geschriebenes Lied, die auf ihrer Homepage angehört werden können und noch besser verdeutlichen sollen, wie sich die Figur Zoe, die Musiktherapeutin ist, in den im Buch geschilderten Situationen fühlt. Ich selbst habe mir die Lieder nicht angehört, doch auch so ist dieser Roman sehr musikalisch, da neben dem Streit um die Embryonen vor allem Zoes Arbeit als Musiktherapeutin eine wichtige Rolle im Buch spielt, in erster Linie ihr Versuch, einem selbstmordgefährdeten Mädchen, Lucy, an Vanessas Schule zu helfen. Dabei wird die Handlung nicht nur aus der Sicht von Zoe erzählt, ebenso kommen Max und Vanessa zu Wort, was die Geschichte sehr viel vielschichtiger macht.
Dies hätte ich mir auch für die Behandlung des Hauptthemas des Buches, Homosexualität im Konflikt zur Kirche, gewünscht, doch da wurde ich eher enttäuscht. Picoult hat sich sehr ausführlich mit den Rechten Homosexueller beschäftigt, dies merkt man dem Buch durchweg an, doch die Position der Kirche Homosexuellen gegenüber wurde mir persönlich zu engstirnig und klischeehaft dargestellt. Sicherlich verdammen nicht alle Gläubigen schlichtweg alle Homosexuellen und wenden sich in tiefstem religiösen Fanatismus gegen diese. Ansonsten wurde mit dem Thema Homosexualität, soweit ich dies als Heterosexuelle beurteilen kann, angemessen umgegangen, man konnte durch das Buch diese Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, aus der von ehemaligen Partnern, den Eltern, den Arbeitgebern, und dazu viel darüber erfahren, welche Schwierigkeiten homosexuelle Paare etwa bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches haben oder wie unterschiedlich etwa die Rechtslage in verschiedenen Staaten oder auch in den jeweiligen US-amerikanischen Bundesstaaten ist.
Für mich war allerdings die Nebenhandlung, also Zoes Arbeit als Musiktherapeutin, wesentlich interessanter und rührender. Man gewinnt spannende Einblicke darin, wie Musik sich auf Menschen auswirken und wie und in welchen Situationen sie helfen kann, so dass ich nur bei Zoes Arbeit mit Lucy richtig mitfiebern konnte, deren langsames Öffnen Zoe gegenüber wirklich einfühlsam geschildert wird. Dies war für mich der beste Aspekt der gesamten Geschichte, die sonstige Handlung empfand ich als zu plump und zu schwarz-weiß, insbesondere der „Kampf“ Kirche versus Homosexuelle. Einige Charaktere wirkten zusätzlich sehr klischeehaft auf mich, so dass ich kaum mit ihnen warm wurde. Dadurch weist das Buch auch ein paar Längen auf, man kann es zwar recht gut herunterlesen, doch wirklich vom Hocker hauen tut es einen einfach nicht. Das Ende ist noch recht rührend, aber auch zu vorhersehbar und simple und dadurch unrealistisch.

Fazit

Ein recht interessantes Buch für zwischendurch, das vor allem mit seiner Nebenhandlung, also Zoes Arbeit als Musiktherapeutin, überzeugen kann, dessen Haupthandlung jedoch zu klischeehaft dargestellt wird und zu einseitig die Position der Kirche Homosexuellen gegenüber behandelt. Dies hätte wesentlich abgewogener geschildert werden können, so dass ich dieses Werk von Jodi Picoult für eins ihrer schwächeren halte.

3 von 5 Punkten

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